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«Wollen Ruhe in die Debatte bringen»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Im März stellte die Stadt Freiburg ihr neues Logo vor–es war einsprachig. Dies rief zahlreiche negative Reaktionen hervor. Generalratsmitglieder aller Parteien und beider Sprachgruppen verlangten in einer Resolution, die Stadt Freiburg solle die Zweisprachigkeit pflegen und aufwerten. Am Montagabend sagte Syndic Pierre-Alain Clément (SP) im Stadtparlament als Antwort auf die Resolution, der Gemeinderat halte am bisherigen Logo fest und werde das neue nicht benutzen (FN von gestern).

 

 Pierre-Alain Clément, wie lange müssen die Freiburgerinnen und Freiburger nun auf ein neues Logo warten?

Ich gehe davon aus, dass wir in zwei, drei Jahren ein neues Logo vorlegen. Das scheint mir eine vernünftige Zeitspanne zu sein, damit wir überlegen können, wie der neue visuelle Auftritt der Stadt gestaltet werden soll. Zudem wird das neue Logo diesmal auch mehr kosten, und daher müssen wir schauen, wann wir das finanzieren können.

 

 Warum wird denn das Logo mehr kosten als das im März vorgestellte, das 10 000 Franken gekostet hat?

Weil wir uns vorstellen, dass wir einen Wettbewerb ausschreiben könnten. Das bringt höhere Kosten mit sich, und der Prozess dauert länger.

 

 Warum wollen Sie nun einen Wettbewerb ausschreiben?

Wir wollen die Bemerkungen und die Anregungen aus dem Freiburger Generalrat berücksichtigen–und wir möchten einen partizipativeren Ansatz wählen.

 

 Man könnte Ihnen auch vorwerfen, dass Sie den Entscheid, ob das Freiburger Logo ein- oder zweisprachig sein soll, auf die lange Bank schieben.

Die einen finden, dass das alte Logo noch genüge. Andere finden, es brauche ein neues. Uns scheint es in dieser Situation etwas überstürzt, nun ein neues Logo entwerfen zu lassen. Die Überlegungen rund um den visuellen Auftritt sollten noch etwas reifen. Mit diesem Entscheid bringen wir auch Ruhe in die Debatte, so dass sich alle Beteiligten beruhigen können.

 

 Die Frage ist, ob Sie mit diesem Entscheid die Gemüter beruhigen wollen–oder nicht eher der Frage ausweichen, ob der visuelle Auftritt der Stadt Freiburg ein- oder zweisprachig gestaltet sein soll.

Wir weichen dieser Frage nicht aus. Das Thema ist aber sehr sensibel. Es ist weiser, die Situation zu beruhigen, als nun in die eine oder in die andere Richtung zu gehen. Wir müssen auf beide Sprachgruppen Rücksicht nehmen.

Kommentar

Der Wille zur symbolischen Anerkennung fehlt

Im März hat der Freiburger Gemeinderat ein rein französischsprachiges Logo vorgestellt–und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nun verzichtet er auf das Logo. Dieser Entscheid kann Ruhe in die Debatte bringen, wie Syndic Pierre-Alain Clément sagt–das stimmt. Gleichzeitig bedeutet dieser Entscheid aber auch, dass die Stadtregierung eine günstige Möglichkeit vergeben hat, um sich zur Zweisprachigkeit zu bekennen.

 

 Ein deutsch- und französischsprachiges Logo würde nicht bedeuten, dass die Stadt Freiburg offiziell zweisprachig wäre. Ein solcher Auftritt würde jedoch gegen aussen zeigen, was gegen innen gelebt wird: Dass in der Stadt Freiburg Französisch- und Deutschsprachige neben- und miteinander leben. Dass sie Schulen in ihrer Muttersprache besuchen. Dass sie sich in ihrer Sprache an die Verwaltung wenden können. Ein solches Logo wäre keine Verpflichtung zu weitergehenden, teuren Auflagen. Doch es wäre ein Symbol an alle Deutschsprachigen–in der Stadt und im Kanton: Es würde zeigen, dass Freiburg stolz ist auf seine unbestreitbar zweisprachige Identität und dass die sprachliche Minderheit willkommen ist.

 

 Zu diesem Schritt konnte sich der Gemeinderat nicht durchringen. Und so haftet dem Entscheid, weiterhin das alte Logo zu benutzen, ein schaler Beigeschmack an: der Geschmack des Aussitzens. Offensichtlich fehlt dem Gemeinderat schlichtweg der Wille, die Zweisprachigkeit seiner Stadt auf symbolischer Ebene anzuerkennen.

Generalrat: Die einen sehen Entscheid als «Hinhaltetaktik», die andern als «weise»

E r sei überrascht von der Erklärung des Syndics, der Gemeinderat halte am alten Logo fest: Jérôme Hayoz (SP) hatte «mit einem Ja oder Nein zu einem zweisprachigen Logo gerechnet, nicht mit einem Rückschritt». Der Gemeinderat habe zwar erkannt, dass eine Mehrheit in Freiburg kein rein französischsprachiges Logo wolle. Gleichzeitig halte er aber am alten Logo fest und schiebe so eine Entscheidung hinaus. «Das ist Hinhaltetaktik.»

«Was nicht geht»

«Ruhe ist immer gut», sagt Generalrat Bernhard Altermatt (CVP). Die «Affäre» um das neue Logo habe dem Gemeinderat gezeigt, «was nicht geht». Wenn die Stadtregierung nun etwas Zeit brauche, um «umzusetzen, was geht», dann brauche es halt diese Zeit. Nach diesem Rückzieher sei der Ball wieder beim Gemeinderat. «Die Stadt ist seit 850 Jahren zweisprachig, und sie bleibt es auch noch 850 Jahre», sagt er ganz ruhig.

«Seltsame Reaktion»

Béatrice Acklin Zimmermann (FDP) sagt zum gemeinderätlichen Entscheid: «Das ist eine seltsame Reaktion.» Der Syndic habe betont, die Zweisprachigkeit werde in Freiburg praktiziert, der Umgang damit sei pragmatisch. «Umso fragwürdiger ist es, nun noch zwei bis drei Jahre zu warten.» Die Zweisprachigkeit sei nichts Negatives, sondern ein Vorteil. «Freiburg könnte sich damit gegenüber Lausanne und Bern positionieren.» Die Sensibilität in Freiburg zu Fragen der Zweisprachigkeit sei in den letzten Jahren gestiegen. «Doch der Gemeinderat trägt noch immer Scheuklappen.»

«Zweisprachig möglich»

Der grüne Generalrat Gilles Bourgarel hingegen betrachtet den Entscheid des Gemeinderates als «weise»: «Das alte Logo kann zweisprachig gemacht werden, was mit dem neuen nicht möglich gewesen wäre.» njb

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