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Zahn um Zahn

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ich gehe nicht zur Beichte. Ich gehe zur Dentalhygienikerin. Die bohrt hartnäckiger nach als der strengste Pfarrer, und im Gegensatz zur katholischen Kirche stehen bei ihr die Folterwerkzeuge der Inquisition noch in Ehren und täglichem Gebrauch.

Mani Matter packte ein metaphysisches Gruseln im Coiffeurstuhl, für mich ist der Termin bei der Dentalhygienikerin ein Nahtoderlebnis. Reglos liege ich auf dem Schragen, schläfrig-benommen von der Wärme, ein helles Licht über mir blendet mich, und ohne meine Brille erkenne ich nur schemenhafte Gestalten, die sich engelsgleich über mich beugen. «Ich bin noch nicht so weit», will ich rufen, aber schon hängt mir die eine Gestalt ein fies schnorchelndes Schläuchlein in den Mund, das mit der Spucke auch den letzten Rest Würde aus mir raussaugt. Die zweite Gestalt äugt mit einem Spieglein in meinen weit aufgesperrten Mund. Und dann ertönt die gefürchtete Frage: «Benutzen Sie die Zahnseide regelmässig?»

Kalter Schweiss bricht mir aus. «Nischt regelmächig», nuschle ich, den Spuckesauger noch immer im Mund. Es ist eine abgrundtiefe Lüge. Die die Frau in Weiss natürlich durchschaut. Denn schon beim ersten Blick in meine sündige Mundhöhle hat sie erkannt, dass ich ein Ketzer bin wider die heilige Lehre der Zahngesundheit: «Du sollst keinen anderen Gott haben ausser der elektrischen Zahnbürste, und den Raum zwischen deinen Zähnen sollst du täglich mit einem gewachsten Faden befreien von allem Irdischen und Verdorbenen. Denn eher geht ein Kamel durch einen Zahnzwischenraum als ein Zahnsteinreicher ins Himmelreich.»

Ich gebe es zu, ich bin schlicht zu faul für Zahnseide. Faulheit ist eine Todsünde. Die muss gebeichtet werden, und nach der Beichte folgt die Busse. Aber bei der strengen Missionarin vom Orden der Heiligen Dentissima ist es nicht mit drei Ave Marias getan. Mit heiligem Zorn und perfiden Marterwerkzeugen nimmt sie sich nun mein Gebiss vor. Zahn um Zahn, Zwischenraum um Zwischenraum traktiert sie mit alttestamentarischem Furor. Und das Blut, das dabei in erklecklichen Strömen fliesst, ist nicht ihrer Grobheit geschuldet, sondern die gerechte Strafe für mein sündiges Dasein. Das gibt sie mir mit ihrem Blick zu verstehen.

Nach einer halben Stunde lässt sie von mir ab, mein Mund ist wund, aber meine Seele rein. «Ego te absolvo», sagt sie zum Abschied und drückt mir ein Gratismüsterchen Zahnseide in die Hand. «Amen», sage ich. Ich werde die Seide nicht benutzen. Mich wieder versündigen. Und bussfertig angekrochen kommen. Aber wenigstens habe ich jetzt ein Jahr lang Ruhe.

Und die Hälfte der Rechnung zahlt die Krankenkasse.

Halleluja.

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