Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Zeuge der Gegenreformation

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Jeder Schüler des Kollegiums St. Michael in Freiburg spürt förmlich die bewegte Geschichte der Schule, wenn er durch die breiten Gänge des alten Hauptgebäudes geht. Auf diese Geschichte blickte der Deutsche Geschichtsforschende Verein des Kantons Freiburg an seiner Frühlingsexkursion zurück.

Beat Wandeler, ehemaliger Lehrer und Kunsthistoriker, führt die Interessierten zu den Sehenswürdigkeiten des Freiburger Gymnasiums. Wandeler ist pensioniert, aber er spricht noch immer voller Leidenschaft von «seiner Schule». Er kennt die Räumlichkeiten und die Kunstwerke bestens.

So steht als Erstes ein Aufstieg auf das Dach des Lyzeums an. Das neuere Gebäude wurde im 19. Jahrhundert vielseitig genutzt: als Schule, als Sitz der Universität, als Museum – und als Sternwarte. Von hier aus bietet sich eine einzigartige Aussicht auf die Stadt, ist der Betrachter doch auf gleicher Höhe, wie wenn er auf der Plattform der Kathedrale stünde. Mit dem Blick auf die Altstadt reist der Geist in der Geschichte zurück.

Stossrichtung Gegenreformation

Gebaut wurde das Kollegium St. Michael ab 1580. Der Jesuitenorden erhielt den Auftrag dazu von Papst Gregor XIII. mit einer klaren Botschaft: den wahren katholischen Glauben in Freiburg zu fördern. Um die Finanzierung sicherzustellen, wurde eigens das Kloster Humilimont bei Marsens aufgelöst und die Besitztümer dem Kollegium übertragen. Noch heute sind Teile dieser Güter im Besitz des Kollegiums.

Prägende Gestalt, wenn auch nicht Gründer, war der Niederländer Peter de Hondt, bekannt als Petrus Canisius. Der Jesuit leitete den Aufbau und konnte noch kurze Zeit im Kollegiumsgebäude leben. Als er 1597 starb, war die Kollegiumskirche noch nicht erbaut. Er wurde vorübergehend in der Stiftskirche St. Nikolaus begraben – in einem doppelten Sarg. Nach der Fertigstellung der Kollegiumskirche wurden die sterblichen Überreste des Jesuitenpaters dorthin gezügelt und im inneren Sarg zur Ruhe gesetzt.

Ins Sterbezimmer des Petrus Canisius, das heute eine Kapelle ist, kam der äussere Sarg. Wandeler öffnet eine Holzvertäfelung und gibt damit den Blick frei auf die über 400-jährige Reliquie. Das kleine, aber schmucke Zimmer hat in all den Jahren viele prominente Besucher gesehen. So etwa den inzwischen heiliggesprochenen Papst Johannes Paul II. im Jahr 1984 oder den ehemaligen Schüler Joseph Deiss mit dem Gesamtbundesrat auf dessen «Schulreise».

Von hier aus führt eine Tür in den ruhigen Innenhof, der früher von einer Mauer umgeben war. Die Jesuiten verlangten bereits 1595 vom Staat eine Umfassungsmauer, damit das Gerücht verhindert werde, sie würden Mädchen ins Haus lassen, erklärt Wandeler schmunzelnd. In diesem englischen Garten mit seiner blühenden Magnolie und den Sonnenuhren findet man noch heute einen ruhigen Rückzugsort.

Der Niedergang der Jesuiten

Schwere Zeiten brachen für das Kollegium im 18. und 19. Jahrhundert an. 1798 lagerten die Franzosen vor der Stadt; eine Delle in der Kirchenfassade erinnert noch heute an den Einschlag einer französischen Kanonenkugel. Das herrschende Patriziat wurde vorübergehend entmachtet. Der Jesuitenorden war bereits 1773 durch Papst Klemens XIV. aufgehoben, das Kollegium in weltliche Hände gegeben worden. Nach der Rückkehr der Jesuiten 1818 erlebte das Kollegium nochmals eine kurze Blüte, aber die Niederlage Freiburgs im Sonderbundskrieg 1847 führte zur endgültigen Vertreibung der Jesuiten aus St. Michael. Die neue Regierung wandelte das Kollegium in eine Kantonsschule um.

Den katholischen Geist der Jesuitenzeit spürt der Besucher heute noch in der imposanten Kollegiumskirche. Erbaut zwischen 1606 und 1613 in nachgotischem Stil, vermittelte bereits das Raumkonzept eine gegenreformatorische Botschaft, so Wandeler. Der Einheitsraum ist ausgerichtet auf den Priester und den Tabernakel. Um 1760 wurde der ganze Innenraum im Sinne des Spätbarocks grandios umgestaltet. Das Deckengemälde über dem Altar verherrlicht den Namen Jesu und seine Herrschaft über die Erdteile. Noch eindrücklicher ist die Bildergeschichte im grossen Deckengemälde. Der Heilige Michael triumphiert im Kampf gegen die bösen Mächte. Die bösen Engel werden auf die Höllenfahrt geschickt, die guten nehmen den Himmel in Besitz.

«Die Kirche erlebte eine Prachtentfaltung. Vielleicht war es ein unbewusstes Aufbäumen gegen das unabänderliche Schicksal der Jesuiten und des Freiburger Patriziats», spekuliert Beat Wandeler. Heute werde die Kirche weniger für Gottesdienste als vielmehr für Konzerte genutzt. Sie benötige dringend eine Innenrestauration, meint der Experte. «Ich hoffe, dass ich das noch erleben darf.»

«Die Kirche erlebte 1760 eine Pracht­­- ent­faltung. Vielleicht war es ein unbewusstes Aufbäumen gegen den unabänderliche Schicksal der Jesuiten.»

Beat Wandeler

Kunsthistoriker

Mehr zum Thema