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Zieht jetzt die Klimajugend in die Gemeinderäte ein?

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2019 gingen zahlreiche Jugendliche fürs Klima auf die Strasse. Doch wollen sie auch in der Kommunalpolitik mitwirken?
Corinne Aeberhard/a

Die Klimastreik-Bewegung hat viele Jugendliche politisiert. Zeigt sich das auch bei den Gemeindewahlen? Die FN haben nachgefragt.

Im Sensebezirk treten in Düdingen und in Wünnewil-Flamatt erstmals Kandidierende auf Jungen Listen zu den Gemeinderatswahlen an. In den Parlamenten dieser beiden Gemeinden sind die Jungen schon länger vertreten; und sie treten auch jetzt wieder mit vollen Listen an.

Hat die Klimastreik-Bewegung die Jungen so politisiert, dass die Jungen Listen von Interessierten überrannt wurden? Das verneinen Dylan Porchet von der Jungen Liste Düdingen und Julian Schneuwly von der Jungen Freien Liste Wünnewil-Flamatt. Im Gegenteil: «Es war ziemlich schwierig, Leute zu finden», sagt Schneuwly.

Am Anfang sei es sogar unsicher gewesen, ob überhaupt eine Junge Freie Liste für die Generalratswahlen in Wünnewil-Flamatt zusammenkomme. «Wir haben viele Leute direkt angesprochen und haben so doch noch genügend Leute zusammenbekommen», so Schneuwly. 31 Jungpolitiker kandidieren jetzt auf der Liste.

Lieber Demo statt Amt

Ähnlich sieht es in Düdingen aus, wie Dylan Porchet sagt. Er habe sich die Suche einfacher vorgestellt. «Wir dachten schon, dass einige Junge durch die Klimabewegung mobilisiert und politisiert wurden.» Es scheine aber etwas anderes zu sein, an einer Demonstration mitzulaufen und im Internet zu diskutieren, als tatsächlich ein Amt zu übernehmen.

Julian Schneuwly sagt dazu, es gebe sicher viele Jugendliche, die sich sehr für das Klima engagierten. Aber einige liefen vielleicht auch an den Demos mit, weil diese mitreissend sein könnten und ihre Freunde dabei seien.

Hinzu kommt, dass viele Leute mit Anfang bis Mitte zwanzig an einem Punkt im Leben stehen, wo sich vieles ändere, wie Porchet und Schneuwly sagen. «Viele haben Bedenken, weil sie nicht wissen, ob sie in fünf Jahren noch im Ort wohnen oder vielleicht für das Studium oder den Beruf wegziehen», sagt Porchet.

Er und Schneuwly sehen das aber nicht als Einschränkung. «Es kann ja auch vorkommen, dass man umzieht, wenn man älter ist», sagt Schneuwly. «In diesem Fall besteht die Möglichkeit, dass jemand nachrutscht und den Sitz übernimmt.» Klar sei dies nicht optimal, aber auch kein Weltuntergang. 

Neue Sichtweisen

Für Schneuwly ist der Gemeinderat «schon ein anderes Kaliber» als der Generalrat. «Das ist deutlich mehr Arbeit und man sollte sich eine Kandidatur gut überlegen.» Er ist aber der Meinung, dass junge Leute so ein Amt genauso gut übernehmen können wie ältere.

Porchet meint: «Man kann sich Unterstützung holen von Ratskollegen oder aus der Verwaltung.» Und er fügt an: «Wir Junge können ein gutes Bindeglied zwischen Bevölkerung und Exekutive sein und andere Ansichten einbringen.»

Klar ist für beide: Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen sind den Mitgliedern der Jungen Listen wichtig, egal wie sie sonst politisch ausgerichtet sind. Porchet denkt, dass das schon auch mit der Klimabewegung zu tun hat. «Es ist wichtig, dass die Jungen bereit sind, sich zu engagieren.» Und Schneuwly fügt an:

Wir Jungen müssen schliesslich am längsten mit den Entscheidungen leben, die jetzt getroffen werden.

Politikwissenschaft

Jüngere sind eher an internationaler als an kommunaler Politik interessiert

«Die Klimastreikbewegung hat Jugendliche und junge Erwachsene so stark mobilisiert wie lange nicht mehr», sagt Isabelle Stadelmann-Steffen. Sie ist Professorin für Vergleichende Politik an der Universität Bern und hat unter anderem eine grosse Studie zu Neuwählerinnen und Neuwählern durchgeführt. 

Sie hält fest: «Man kann nicht generell sagen, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene nicht für Politik interessieren.» Sie brächten sich aber anders ein: Häufig mobilisierten sie sich stark über bestimmte Themen und zögen unkonventionelle Wege der Partizipation vor – zum Beispiel Demonstrationen. Die Klimastreik-Bewegung passe in dieses Schema.

Direkt daraus schliessen, dass sich wegen der Klimastreik-Bewegung mehr Junge nun auch auf konventionelleren Wegen an der Politik beteiligten, könne man nicht, sagt Stadelmann-Steffen. «Es gibt sicher einen Teil der so mobilisierten Jugendlichen, die nun für Ämter kandidieren oder häufiger an Wahlen teilnehmen. Ein anderer Teil hat dies schon vorher gemacht, und wieder andere bleiben weiterhin bei der ‹nur› unkonventionellen Partizipation.»

Gemeindepolitik weniger spannend

Generell hat die Gemeindepolitik bei den Jüngeren einen eher schweren Stand, das zeigte sich auch in Umfragen, wie die Politikwissenschafterin sagt. «Jüngere interessieren sich eher für internationale Themen, neben dem Klimaschutz zum Beispiel auch für Menschenrechte oder die US-Wahlen. In der Kommunalpolitik geht es häufiger um Finanzen, Umzonungen und Ähnliches. Das ist für sie weniger spannend.» 

Hinzu komme ein strukturelles Problem: Im Alter von 18 bis 25 Jahren ziehen viele junge Erwachsene von zu Hause aus, vielleicht in eine Stadt für die Ausbildung, oder sie machen einen Auslandsaufenthalt. Da fehlt die lokale Verbundenheit, die es für lokales Engagement braucht.

«Natürlich gibt es schon auch junge Leute, die stark mit ihrer Gemeinde verbunden sind. Aber diese Altersgruppe ist dafür weniger prädestiniert», präzisiert Isabelle Stadelmann-Steffen. Allgemein hält sie fest: «Es gibt in jeder Altersgruppe eine kleine Minderheit, die sich in der Lokalpolitik engagiert und bereit ist, ein Amt zu übernehmen.» nas

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