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ZiG-Blog: Der Romantiker und ich

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Du spielst falsch!» Ach, wie herrlich, mein kleiner Bruder meint einmal mehr zu wissen, wie Chopin klingen soll. Und dass sich die eben von mir gespielten Töne schwer vom Ideal unterscheiden. Meine Finger gleiten weiter auf den Tasten umher, ohne dass ich dem Gesprochenen Beachtung schenke. Und gerade bin ich dabei, den gefühlvollsten und gleichzeitig dramatischsten Abschnitt des Walzers zu spielen – die klagend abwärtsgehende Tonleiter, bei der das Zusammenspiel von dissonanten und konsonanten Tönen mich an Regentropfen erinnert, die unregelmässig, doch trotzdem passend, auf die Erde fallen – als plötzlich diese präsente Stimme aufs Neue mein Klavierspiel unterbricht: «Dein Grundton bei Takt 25 war wieder falsch.» Falsches Stichwort. Ich spüre, wie sich ein explosives Gemisch in mir sammelte, als bestünde ich aus Benzin und Feuer.

Es gibt Taten auf dieser Welt, die zu den nervigsten Dingen gehören, die es je gab und je geben wird. Und einen Pianisten während des Spielens zu unterbrechen, gehört definitiv zu den Top 3 auf dieser «Liste der Schande»! Ich drehe mich schlagartig um und bin bereit, meine übliche Standpauke zu halten. Jene Standpauke, die ich immer halte, wenn es jemand von meiner Familie wieder einmal wagt, mich beim Klavierspiel zu unterbrechen. Gegen meinen eisigen Blick hätte nicht mal die liebe Medusa eine Chance gehabt! Doch vor mir steht nicht wie erwartet mein kleiner Bruder. Der Mann, der sich neben mir platziert hatte, ist eher klein. Ich schätze ungefähr 1,70–also nicht grösser als ich. Seine Kleidung ist dezent und klassisch, doch der Herr humpelt der heutigen Mode offensichtlich etwas hinterher, denn sein Stil erinnert mich an die Garderobe um 1800. Zwei perlgraue Augen mustern mich belustigt und die eher dünnen Lippen verziehen sich zu einem Lächeln. Etwas an diesem Gesicht ist aussergewöhnlich, oder besser gesagt hervorstechend; wortwörtlich hervorstechend, denn der Herr hat eine etwas zu gross geratene, krumme Nase. Merkwürdigerweise stellt der markante Riecher einen tollen Kontrast zu den feinen, dunkelblonden Haaren dar. Jetzt bin ich es, die schmunzelt.

 

 «Du spielst ein g, anstatt ein h, mein Fräulein. Doch es klingt nicht falsch, darum wiederholt sich der Fehler. Und da ich dich nun», räuspert sich mein Gegenüber, «mehrmals darauf hingewiesen habe, spielst du es das nächste Mal so, wie es die Noten vorsehen. Der Komponist des Stücks wäre erfreut.» Ehrlich gesagt hat es mir die Sprache verschlagen. Die Helferlein in meinem Gehirn versuchen, diese Person irgendwo einzuordnen und das ganze Geschehen in einen Zusammenhang zu bringen. Und dann plötzlich – eins meiner fleissigen Helferlein hat seine Arbeit gut verrichtet – stelle ich fest, dass dieses neckische Lächeln niemand anderem gehören kann als Frédéric Chopin! Ja gewiss, so ist es! Ich komme mir vor wie die Buchfigur eines Autoren der Deutschen Literatur, ich meine ja nur: Goethe und sein Mephisto, Kafka und sein Käfer … Wieso nicht Chopin und seine Katarina? Diesen Genies ging ja bekanntlich alles Mögliche durch ihre Künstlerköpfe …

 

 «Wie es scheint, fehlen der jungen Dame die Worte. Nun ja, wenn du dich fragst, wieso ich die Note h gewählt habe, dann komm mit und ich zeige dir die Entstehungsgeschichte dieses Walzers.» Wie benebelt nehme ich die mir hingestreckte Hand dieses Künstlers, meines Idols. Niemand anderes hat es geschafft, die Töne so zu platzieren, dass der Klang augenblicklich einen Sinn ergibt. Dass das wohlüberlegte Zusammenspiel der Noten, wie ein verflochtenes Netz, das Ergebnis von ausdrucksstarker Musik ist. Gefühlvoll und genial–das ist Chopins Musik …

 

 Ich stehe auf und da beginnt sie, begleitet von Chopin: Meine Reise durch die Zeit der Romantik.

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