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Zufallskultur

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Man konnte es hier bereits lesen: Die Initiative unter dem Namen «Generation Nomination» ist in Vorbereitung, und binnen eines Jahres soll der Grundlagentext vorliegen. Noch ein Jahr Zeit also, die Unterschrift zu üben. Die Idee ist ganz einfach: Repräsentative Volksvertreter, gewählt per Losverfahren nämlich, ersetzen (ausschliesslich) den gesamten Nationalrat. Zufällig Gewählte, wenn sie denn einverstanden sind, steigen nach einem einjährigen Vorbereitungsjahr für vier Jahre in das Politwesen ein und danken dankend wieder ab. Immerhin haben sie dann dieselben 130 000 Franken pro Jahr eingenommen, wie das bei heutigen Politikern der Fall ist, für einen 50- bis 70-Prozent-Job wohlverstanden. Ein kühner Vorschlag. Ja und? Die Minarett-Frage hat’s auch vors Volk geschafft.

 

 Ich denke, es ist erst einmal zu begrüssen, dass Kühnheit in verschiedene Richtungen ausschweift. Ansonsten hilft der Besuch einer Nationalratssitzung, um sich über eine Umgestaltung Gedanken zu machen. Allerdings wissen wir, dass Initiativen zur Verbesserung der eigenen Lage nicht gut im Kurs stehen. Es ist ja auch alles erst einmal gut, es fehlt an nichts. Uns nicht. Das macht strukturelle Veränderungen schwierig. Dabei wäre eine derartige Umwälzung schlussendlich wohl doch nur im Detail sichtbar, wie zum Beispiel darin, dass die Lobbys es schwerer hätten, oder dass es eine ganz nette Wirkung auf die Beteiligung des Einzelnen haben könnte. Kennen wir aus der Schule. Wenn man von vorneherein weiss, dass man nicht aufgerufen wird, hört man weniger hin. Ich erinnere mich an die Französischstunden, wo man als Banause per Dekret aufgerufen wurde, um über eine Lektüre zu berichten. Die andern brauchten das Buch gar nicht erst zu lesen.

 

 Ich schreibe das alles in dieser wieder einmal viel zu knappen, mich zu unverständlich verdrehten Dreifachsätzen mit doppelter Bedeutung verlockenden Kulturspalte, weil mich diese Zusammenhänge auch in meiner Theaterarbeit interessieren. Vom staunenden Zuschauer vor dem grossen Spektakel hin zum beteiligten Mitspieler in einem geteilten Raum auf Zeit. Erfahrungen statt grosser Worte. Und da wollen wir doch einmal diese grossen Worte in Erfahrung bringen. Testen wir das Losverfahren für eine probeweise Umgestaltung dieser Kolumne! Ich hab das Deutschfreiburger Telefonbuch durchnummeriert, eine Nummer gezogen, und die zufallsgenerierte Person werde ich anrufen und sie fragen, ob er oder sie meine nächste Kolumne schreibt. Keine Angst, Sie können auch Nein sagen. Aber überlegen Sie sich’s.

Martin Schickist Schauspieler und Performancekünstler. Er wuchs in Tafers auf und lebt derzeit hauptsächlich in Berlin. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet. Mehr zu Martin Schick: Seite 7.

«Wenn man weiss, dass man nicht aufgerufen wird, hört man weniger hin.»

«Ich denke, es ist erst einmal zu begrüssen, dass Kühnheit in verschiedene Richtungen ausschweift.»

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