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Zum Schutz gefährdeter Traditionen

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Freiburgs lebendige Traditionen, das sind nicht einfach nur die Sennen, das Fondue oder die Dialekte (siehe Artikel unten). Sie umfassen auch Bräuche wie das Reifschwingen aus dem Murtenbiet, die Kränzlitracht aus Düdingen und das Eierspiel aus dem oberen Seebezirk. Dies zeigte eine Konferenz, welche im Rahmen der 75-Jahr-Feier der Freiburgischen Trachtenvereinigung (FTV) gestern an der Universität Freiburg stattfand. Zwischen den Fachvorträgen wurden sechs Bräuche vorgestellt, die – wie es der Präsident des Organisationskomitees Cyrill Renz auf Anfrage ausdrückte – Bewahrungsbedarf haben, namentlich weil ihnen der Nachwuchs fehlt. Die Konferenz folgt auf die Veröffentlichung einer Liste der lebendigen Traditionen im Kanton Freiburg, nach einer Vorgabe der Unesco zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes.

Wichtig für den Erhalt eines Brauches sei die Technik, so Renz weiter. Denn erst durch die Messung des Gefährdungsgrades und der Lebensfähigkeit eines Brauches sei es überhaupt möglich, dessen Schutz zu planen. Entsprechende Überlegungen würden auf verschiedenen Ebenen gemacht, sowohl in der Praxis wie auch in der Theorie.

Seltenes Reifschwingen

Die vor wenigen Tagen publizierte offizielle Liste der Freiburger Traditionen sei gut und recht, so Renz weiter. Doch das seien Bräuche, die nicht geschützt werden müssten, die nicht gefährdet seien. Wichtiger sei, jenen Traditionen Beachtung zu schenken, die Schutzbedarf hätten. Wie etwa das Reifschwingen. Dabei wird ein Holzreif mit einem Durchmesser von rund 43 Zentimeter mit einem oder mehreren Weingläsern nach einem bestimmten Ablauf geschwungen. Der Brauch wurde im See- und Sensebezirk zu offiziellen Anlässen, für Ehrungen und bei Festen ausgeübt. «Dieser Brauch ist in seiner Funktionstüchtigkeit bedroht», so Renz. Es sei schwierig gewesen, jemanden zu finden, der ihn vorstellen könne. Er habe befürchtet, selbst dafür in den Ring steigen zu müssen.

Der Zufall wollte es, dass er Ueli Minder aus Jeuss traf, der zusammen mit Renz vor rund fünfzig Jahren diese Tradition erlernt und seit 30 Jahren nicht mehr praktiziert hatte. Wie es der Brauch will, begrüsste Minder zusammen mit seinem Kollegen Albert Meyer aus Fräschels Siggen mit den Worten: «Ich habe die Ehre und nehme mir die Freiheit und trinke auf ihre Gesundheit.»

«Wenn wir diesen Brauch weiterführen wollen, müssen wir junge Leute dafür begeistern und ihn weitergeben», sagte Minder. Der Mann, der ihnen das Reifschwingen beigebracht habe, sei ein halbes Jahr später gestorben. Heute beherrschen nur noch vier Männer diesen Brauch. «Mit uns könnte auch dieser Brauch aussterben», schloss Minder.

Verschiedene Gefahren

Die FTV hat vor einigen Jahren 100 Bräuche gesammelt. Die Funktion eines Brauches sei immer im Auge zu behalten, denn ohne eine Funktion sei ein Brauch nur Folklore, betonte Renz. Als Beispiel erzählte Esther Schwaller aus Düdingen über die Schwierigkeiten, mit denen die Trachtengruppe Düdingen mit ihrer Kränzlitracht zu kämpfen hat. Diese ist eine der ältesten Festtagstrachten der Schweiz und auch in Tafers sowie Heitenried bekannt. Die Tracht sei schon einmal vor dem Verschwinden gestanden, doch die katholische Kirche habe sie damals gerettet. Sie wurde zu vielen Gelegenheiten eingesetzt. Heute hänge sie nur noch mit der Prozession am Herrgottstag zusammen. Sie werde immer seltener an kirchlichen Anlässen gebraucht. «Als Kirchentracht wird sie wohl nicht mehr lange gebraucht werden. Wenn Bräuche nicht mehr gelebt werden, verschwinden sie», so Schwallers Fazit. Zudem beherrschten nur noch zwei Personen die Kunst der Herstellung der Tracht.

Die nächsten Veranstaltungen im Rahmen des Jubiläumsjahres der FTV sind der Trachtentag im Mai am Schwarzsee und die Jubiläumsfeier in Bulle.

Staatshilfe: Unterstützung nicht grenzenlos

S taatsrat und Kulturdirektor Jean-Pierre Siggen sprach gestern am Kongress von der staatlichen Hilfe für den Erhalt von Freiburger Traditionen, wie der Unterstützung für das Chorsingen. Das sei wichtig: «Wir sind stolz auf unsere Kulturträger.» Er hielt aber fest: «Der Staat ist nicht bereit, Instrumente zu entwickeln, um eine Tradition künstlich aufrechtzuerhalten.» Es sei die Aufgabe der Traditionsträger selber, ihre Bräuche an nachfolgende Generationen weiterzugeben, darüber zu informieren und sich um den Nachwuchs zu sorgen. fca

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