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Zurück bleibt nichts als Leergut

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Onverklaarbaar, unerklärlich! Die holländische Fussball-Gemeinde jaulte auf. Das EM-Desaster ist für Oranje nicht zu fassen. 24 Monate nach der grenzenlosen WM-Euphorie verschwand das Nationalteam punktelos. Im Flughafen Schipol wartete auf die Versager niemand – nur die Schlagzeilenproduzenten: «Oranje, schäm dich!», giftelte der «Telegraaf». Zurück blieb sonst nichts. Nur das Leergut auf den Campingplätzen der abgereisten Fans.

Das unfreundliche Ende wird in den kommenden Tagen und Wochen enorm viel Staub aufwirbeln. Um die Dimension des Scheiterns zu begreifen, sind ein paar Daten und Fakten der vergangenen vier Jahre hilfreich. Unter Bert van Marwijk hat der «KNVB» vor der EM 23 von 25 Wettbewerbsspielen gewonnen – notabene mit einem Torverhältnis von 66:16! Innerhalb von acht Tagen ruinierten die Spieler ihre beeindruckende Bilanz der letzten vier Jahre.

Aufgeblasene Attitüde

Ihre Haltung wirkte von der ersten Minute an aufgeblasen. Mit ulkigen Werbespots mimten sie die Entspannten, dabei reagierten die Holländer schon beim ersten Fehltritt humorlos. Das so überraschende wie vermeidbare 0:1 gegen Dänemark löste auf allen Ebenen Panik aus. Jedes Grinsen auf der Ersatzbank erweiterten die holländischen Beobachter zur nächsten Personaldiskussion.

Und die Spieler taten sich natürlich keinen Gefallen damit, ihre privaten Ansprüche und eigenen taktischen Vorstellungen sofort nach Spielschluss in der Öffentlichkeit zu platzieren. Interne Zankereien waren programmiert, die obligate Ego-Debatte ebenso. Kraftsparend gingen die Holländer nicht miteinander um. Im Camp der eitlen Verlierer verfolgten zu viele bis zur Selbstkarikatur eigene Interessen. «Die Atmosphäre war nicht wie 2010», brummte Wesley Sneijder vielsagend. Das gegenseitige Vertrauen habe gefehlt. Arjen Robben, auf dem Rasen in erster Linie Unterhalter in eigener Sache, empfahl seinen Kollegen den Blick in den Spiegel. Vielleicht befolgt der Bayern-Egozentriker den eigenen Ratschlag ja auch noch. «Wir haben alle Fehler gemacht.»

Keine Leaderfiguren

Widersprechen dürfte Robben niemand – die Holländer haben in der Tat alles falsch gemacht. Sie anerboten sich praktisch für jedes Klischee. Frustrierte Ersatzspieler munitionierten die Reporter auf. Andere beschwerten sich über das System. Die verschiedenen Interessenvertreter taumelten so quasi führungslos der schwächsten Performance an einer Endrunde entgegen.

Die einzige potenzielle Führungskraft wurde in der sportlichen Notlage entmachtet: Mark van Bommel war deswegen nur noch ein Kapitän ohne Lizenz. Für ihn endete die Karriere im Nationalteam nach 135 miserablen EM-Minuten auf der Ersatzbank. Auf eine Polemik verzichtete er wohl aus übergeordnetem Interesse – seine Frau ist die Tochter des Bondscoaches.

Bert van Marwijk muss wohl auch ausserhalb der eigenen Familie nicht mit einer schwerwiegenden Zerrüttung rechnen. Der 60-Jährige geniesst auf höchster Verbandsebene nach wie vor Kreditwürdigkeit. Die guten Kampagnen sind (noch) nicht vergessen. Die alten EM-Ikonen werden «BvM» aber nicht schonen – und in ihren Kolumnen unliebsame Fragen stellen.

Kritik ist angebracht

Die kritischen Einwürfe sind gestattet: Wie war es möglich, dass eine Auswahl von Stars aus den besten Ligen Europas derart strukturlos und ohne erkennbaren Plan B auftrat? Warum liess Van Marwijk Extratouren zu? Weshalb regelte er die Kompetenzen nicht frühzeitig besser? Wieso rückte er unter Druck von seinen eigenen Prinzipien ab und setzte die beiden ähnlichen Stürmer Van Persie und Huntelaar gleichzeitig ein?

«BvM» gestand seine Mitschuld am Totalabsturz relativ schnell ein: «Nicht nur die Spieler haben Fehler gemacht – ich auch.» Er muss gespürt haben, wie ihm das Team entglitten ist, wie sich eine unangenehme und fatale Eigendynamik entwickelte, die letztlich alle ungebremst ins sportliche Verderben riss. Van Marwijk muss den Zerfall gründlich aufarbeiten.

Vielleicht wäre es angebracht, auch einmal die Strategie des DFB unter die Lupe zu nehmen. Hans van Breukelen, temperamentvoller Keeper der Europameister-Equipe von 1988, hatte schon vor dem Out in einem Interview Bemerkenswertes zur aktuellen Sachlage geäussert: «Respekt, was die Deutschen bieten. Wir können von ihnen lernen.»Si

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