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Zwei ägyptische Priester in Freiburg

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ausstellung in der Ehrenhalle der Universität Miséricorde

Ein australischer Soldat hat das Relief mit den beiden ägyptischen Priestern während des Ersten Weltkriegs in Ägypten erworben und 1918 nach Hause gebracht. Am 9. Dezember 1999 ist es in New York im weltbekannten Auktionshaus Christie’s versteigert und vom Biblischen Institut erworben worden. Es dauerte drei Monate, bis es in Freiburg ankam. Christie’s hatte es aus Versehen nach London geschickt, und dort wurde es vom Zoll längere Zeit festgehalten. Bezahlt wurde das Stück fast ganz aus den Einnahmen einer Postkarten-Aktion mit Motiven aus den Sammlungen des Instituts, die während der letzten Monate gelaufen ist und immer noch läuft.

Ein Relief mit zwei Priestern

Was ist an diesem Relief besonders interessant? Der Kalksteinblock, ca. 33 x 23 cm gross, stammt wahrscheinlich aus einem Tempel aus der Zeit zwischen 700 und 500 v. Chr. Das Relief zeigt zwei Priester. Sie sind am kahlgeschorenen Kopf, an dem quer über die Brust gelegten Band, am gefältelten Rock und an ihrer Tätigkeit zu erkennen.

Der Grieche Herodot, der im 5. Jahrhundert v. Chr. Ägypten bereist hat, schreibt: «Die Priester rasieren sich am ganzen Körper, jeden dritten Tag, dass keine Laus noch sonst ein Ungeziefer sich bei ihnen findet, wenn sie den Göttern dienen.» Priester mussten rein sein. Diese Art von Reinheit, die man im Gegensatz zur moralischen als rituelle Reinheit bezeichnet, hängt mit dem altorientalischen Priestertum engstens zusammen. Ein altorientalischer Priester hat mit dem katholischen Priester, der Gemeindeleiter, Vorsteher der Eucharistie und Seelsorger ist, nichts zu tun. (Das Neue Testament bezeichnet denn auch die Gemeindeleiter nie als Priester.) Ein Priester im antiken Sinne ist ein Diener der Gottheit. Er war nicht für das Volk da. Die Gottheit wurde nach dem Modell des Königs verstanden. In Gestalt ihres Kultbilds wohnte sie im Tempel wie ein König in seinem Palast und wurde von einer Dienerschaft, den Priestern, betreut. Sie hatten täglich das Kultbild zu reinigen, zu schmücken und vor ihm Opfer darzubringen. Wie bei einem Menschen, so nahm man auch von der Gottheit an, dass ihr bestimmte Speisen (z.B. Schweinefleisch), bestimmte Eigenheiten der Tracht (z. B. Gewebe aus Wolle, Nackt- bzw. Bedecktlassen bestimmter Körperteile etc.) zuwider seien.
Da es das Ziel des Kultes war, die Bereitschaft der Gottheit zu erhalten, dem Lande Segen zu spenden, musste alles vermieden werden, was die Gottheit ärgern konnte. Alles, was sie ärgerte, galt als unrein; alles, was sie erfreute, als rein. Priester waren deshalb zu höchster Reinheit verpflichtet. Manche der am Tempel praktizierten Gewohnheiten waren in der ganzen Region üblich. Am Tempel mussten sie aber besonders streng eingehalten werden.

Die beiden Priester sind nicht bei ihrem alltäglichen Dienst am Kultbild im Innern des Tempels, sondern bei einer aussergewöhnlichen Veranstaltung, bei einer Prozession dargestellt. Normale Leute hatten im Tempel nichts zu suchen. Bestenfalls konnten sie wie beim «Weissen Haus» oder beim «Buckingham Palace» einen Blick aus der Umgebung oder den Vorhöfen in den inneren Bereich werfen. Bei Prozessionen aber kam die Gottheit, wie der König, gelegentlich unter das Volk. Das Hauptkultbild war auch bei diesen Gelegenheiten meistens noch in einem Schrein versteckt. Nur Symbole der Gottheit wurden offen gezeigt. In unserem Falle sind es zwei Standarten, eine mit einem Stier und eine mit einem Ibis, dem leider der Kopf weggebrochen ist.

Der Stier hat die Aggressivität und Zeugungskraft verschiedener Gottheiten verkörpert. Der Ibis war der heilige Vogel des ägyptischen Gottes Thot, des Götterboten, des Erfinders der Schrift und des Kalenders. Die Griechen haben Thot mit Hermes gleichgesetzt. Die geheimnisvolle ägyptische Weisheit galt den Griechen als «hermetische» (schwer zugängliche, verborgene) Weisheit. Die Ibisse kehrten kurz vor der jährlichen Nilüberschwemmung aus Zentralafrika nach Ägypten zurück und galten so als Boten der Überschwemmung, als Sinnbild der Weisheit (vgl. Ijob 38,36).
Die beiden Priester sind durch das breite Band, das von der Schulter diagonal über ihre Brust gelegt ist, als «Vorlesepriester», ägyptisch Cheriheb, charakterisiert. Sie spielten u.a. bei Prozessionen als Vorsänger, denen das Volk antwortete, eine Rolle.

Der Tempel als Staat im Staat

Auch die biblische Erzählung vom ägyptischen Josef weiss, dass in Ägypten alles Land dem Pharao gehörte, ausser das der Tempel (Genesis 47,22 und 26). Allerdings galt in der klassischen ägyptischen Zeit der Pharao als oberster Verantwortlicher und Oberpriester aller Tempel. Als aber Ägypten von 700 v. Chr. an meistens unter fremder Herrschaft stand – unter assyrischer, babylonischer, persischer, griechischer, römischer – wurden die Tempel immer mehr zu Zentren nationaler Identität. Während man politisch ohnmächtig war, konnte man im Kult seine Eigenheit pflegen und kultivieren. In dieser Zeit erlangten die Priester, wie unser Relief zeigt, eine Bedeutung, die sie vorher nie hatten.

Spuren eines ähnlichen Phänomens lassen sich in der Schweizer und gerade auch in der Freiburger Kulturlandschaft beobachten. Als 1848 nach dem Sonderbundskrieg die katholischen Kantone politisch entmachtet waren, konzentrierte sich ihr Eigenleben auf den kultisch-religiösen Bereich. Damals entstanden im katholischen Freiburg überall aufwendige neue Kirchen, während im protestantischen Kanton Bern, der an der politischen Macht teilhatte, die alten, bescheidenen Kirchen erhalten blieben, wie man in Saanen, Gsteig, Lauenen und an vielen anderen Orten sehen kann. Das in den katholischen Regionen damals mächtig florierende kirchlich-liturgische Leben war auf weite Strecken ein Akt der Selbstbehauptung einer Volksgruppe, die vom politisch-gesellschaftlichen Leben des Landes ausgeschlossen war.
«Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen.» Gleichzeitig aber tauchen immer wieder ähnliche Muster auf, wie auch das Relief mit den beiden Priestern aus der Spätzeit Ägyptens zeigt.

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