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Zweisprachige Agglo – Wunschdenken?

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Zweisprachige Agglo – Wunschdenken?

Autor: regula Saner, nicole Jegerlehner

Zu Beginn des Interviews galt es die Frage zu klären, in welcher Sprache das Gespräch geführt werden soll, womit wir bereits mitten in der Sprachenfrage waren. Die Interviewpartner waren sich sofort einig: jeder redet in seiner Muttersprache. Und klar war auch, Schweizerdeutsch kommt nicht in Frage.

Warum haben Sie sich so entschieden?

Hodel: Ich verstehe und spreche Französisch, aber ich spreche nicht gut genug, um mich differenziert ausdrücken zu können. Es gehört zur Sprachenfreiheit, dass sich jeder in seiner Sprache ausdrücken kann.

Clément: Ich verstehe zwar Deutsch. Aber in der Politik ist es üblich, in der eigenen Sprache zu reden.

Was verstehen Sie denn unter Zweisprachigkeit?

Clément: Ich kann sagen, was es nicht ist. Es heisst nicht zwingend beide Sprachen reden zu können, es geht darum, sie zu verstehen. Aber grundsätzlich geht es weniger um zwei Sprachen, sondern um zwei Kulturen. Es ist wichtig, dass wir unsere Kulturen zusammenbringen. Mit der lateinischen und der deutschen Kultur treffen zwei Weltanschauungen aufeinander, das sieht man immer wieder bei Abstimmungen.

Hodel: Ich kann meinem Kollegen beipflichten. Es geht viel mehr um die unterschiedlichen Kulturen, die sich aber auch in der Sprache manifestieren. Wir müssen lernen, den Reichtum der jeweils anderen Kultur zu schätzen, die Chancen und weniger die Probleme zu sehen. Und das können wir erreichen, indem wir uns besser kennenlernen, was wiederum über die Sprache geschieht. Darum ist das Erlernen der anderen Sprache eminent wichtig.

Viele deutschsprachige Freiburger haben das Gefühl, dass die französischsprachige Mehrheit sie nicht gleichwertig behandelt, erleben Sie das auch so?

Hodel: Ich höre das sehr oft. Kann aber nur in bestimmten Bereichen beipflichten. Hätte ich damals, als ich von der Innerschweiz nach Düdingen zog, allen Vorurteilen Rechnung getragen, wäre ich niemals Mitglied des Gemeinderates geworden. Wir müssen daran arbeiten, dass sich vorgefasste Bilder auch verändern. Darum setze ich grosse Hoffnungen in die Agglomeration. Das Einmalige und Erstmalige daran ist, dass auf Gemeindeebene über die Sprachgrenze hinweg zusammengearbeitet wird. Durch die Zusammenarbeit lernt man sich auch kennen.

Clément: Das Verhältnis zwischen Mehrheiten und Minderheiten ist in der Schweiz ein sensibles Thema. Die Deutschschweizer sind in Freiburg eine Minderheit, in der Schweiz aber eine Mehrheit. Für die Welschen gilt dies umgekehrt. In gewisser Weise muss man deshalb in Freiburg von zwei Minderheiten reden. Meine Hauptbotschaft ist darum: Es gibt kein Überlegenheitsgefühl der Romands.

Sie lächeln, Hildegard Hodel, warum?

Hodel: Es gibt französischsprachige Menschen, die sehr stolz auf ihre Sprache sind, das sind die Deutschsprachigen weniger. Kommen wir aber von der Sprache weg und schauen das ganze historisch an, dann muss die Frage gestellt werden, wie die Stadt mit den umliegenden Gemeinden früher umgegangen ist, und zwar nicht nur mit den Sensler Gemeinden. Dann ist die Frage nach der Ungleichbehandlung eine nach der Beziehung zwischen Stadt und Land und nicht nach den Sprachen.

Clément: Vor der Mediationsakte 1803 war Freiburg ein Stadtkanton, danach waren Stadt und Kanton Freiburg zwei verschiedene Ebenen. Seither ist das Verhältnis zwischen Kanton und Stadt schlecht. Solange sich dieses Verhältnis nicht bessert, sind auch die Voraussetzungen für die Zweisprachigkeit nicht gut.

Wie meinen Sie das?

Clément: Das ist psychologisch. Es besteht ein Abwehrreflex gegen kantonale Vorschriften zur Zweisprachigkeit. Die Stadt Freiburg ist mehrheitlich französischsprachig, an diesem Faktum lässt sich nicht rütteln.

Gilt das auch für die Agglomeration, welche ja auch eine französische Mehrheit aufweist?

Clément: Schauen Sie, das ist ein Prozess der kleinen Schritte. Die Agglomeration ist kein schlüsselfertiges Haus. Ausgangspunkt der Agglomeration ist die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden. Im Rahmen des Möglichen – und ich hoffe, dass dieser sehr gross ist – soll auch die Zweisprachigkeit gefördert werden. Vor allem im Bereich der Kultur.

Aber nochmals konkret: Was könnte denn die Stadt Freiburg als Zentrum der Agglomeration zur Förderung der Zweisprachigkeit beitragen?

Clément: Ich wüsste im Moment nichts.

Hodel: Die Stadt Freiburg könnte viele kleine Dinge tun. Aber ich möchte im Moment bewusst keine Beispiele nennen, um nichts zu fixieren. Die deutschsprachige Minderheit in der Agglomeration kann aber nicht nur etwas von den anderen erwarten, wir werden selber aktiv werden müssen. Düdingen hat in der Agglo die zusätzliche Aufgabe, Impulse für die Zweisprachigkeit zu geben. Für beide Seiten bedeutet Zweisprachigkeit aber einiges an Anstrengung.

25 Prozent der Bevölkerung in der Agglomeration ist deutschsprachig. Wie wollen Sie, Pierre-Alain Clément, diesen Menschen die Sorge nehmen, von den Welschen dominiert zu werden?

Clément: Was gibt es denn zu befürchten? Wäre es nicht schlimmer, wenn sie nicht mit den anderen 75 Prozent zusammenarbeiten würden? Im negativen Fall, wenn die Gründung der Agglomeration an der Urne abgelehnt würde, ist das Risiko gross, dass die Fusionsinitiative in Grossfreiburg zustande kommt, und da sind nur französischsprachige Gemeinden dabei.

Wäre das schlimm? Wäre es nicht ehrlicher zu sagen, wir sind ein französischsprachigges Zentrum?

Clément: Nein, es gibt einen klaren Willen zur Zweisprachigkeit. Bei den Vorarbeiten zur Agglomeration waren die Welschen zu Konzessionen gegenüber den Senslern bereit (Einstimmigkeit der Gemeinden für neue Aufgabenbereiche).

Hodel (amüsiert): Also, wenn ich mir überlege, dass der Kanton französischsprachig würde, dann müssten an die deutschsprachigen Gemeinden Kompensationszahlungen geleistet werden, damit diese in den Schulen so gut Französisch lernen könnten, um im Kanton weiterhin leben zu können. Aber das ist nur Gedankenspielerei.

Eine zweisprachige Agglomeration ist für die deutschsprachige Bevölkerung also die bessere Lösung?

Hodel: Für die deutschsprachige Minderheit gibt es keine Alternative zur Agglomeration. Nicht mitzumachen, würde heissen, Schwäche einzugestehen. Selber hätte ich mir darum gewünscht, dass mehr Sensler Gemeinden in der Agglomeration dabei wären. Mit einem starken Zentrum haben wir auch mehr Einfluss auf den Kanton und können so indirekt Projekte zur Förderung der Zweisprachigkeit initiieren helfen, z. B. im Bereich der Schulen, welche der Hoheit des Kantons unterliegen.

Wie könnte denn, falls die Agglomeration Freiburg zustande kommt, ein konkretes Bekenntnis zur Zweisprachigkeit aussehen?

Hodel: Ein Präsident oder eine Präsidentin, welche beide Sprachen sehr gut versteht, das wäre ein erster Schritt.

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