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Zweisprachigkeit und Kriminalität

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Spätestens seit Aristoteles fragt sich jede Generation, weshalb ihre nachfolgende jedesmal so auffallend aggressiver, drastisch dümmer, krass krimineller und/oder phänomenal fauler ist, als sie es selbst in ihrer Jugend war. Noch ist ungeklärt, weshalb die Menschheit mittlerweile noch nicht den absoluten Nullpunkt erreicht hat, doch gibt es zumindest erste und auch eher überraschende Erkenntnisse zu Ursachen von Kriminalität und Aggressivität.

Nein, es sind nicht Brutalofilme, Comics, der Neoliberalismus, die Tagesschau, Shakespeare-Tragödien oder blutige Videospiele, die am Ursprung von Kriminalität und Gewalttätigkeit stehen. Vielmehr ist die – hierzulande von Kanton und Universität weiterhin hoch in Ehren gehaltene – Zweisprachigkeit eine wichtige Ursache von Delinquenz, wie die Kommission «prévention» der «groupe d’étude sur la sécurité intérieure» des französischen Parlaments letztes Jahr in einem Vorbericht deutlich festgehalten hat.Die etwas diplomatisch verklausulierte Sprache im Rapport zu den fatalen Folgen der Zweisprachigkeit verdeutlichte der zuständige Abgeordnete später in einem Interview. Zweisprachigkeit muss demnach als veritable und wörtliche «Einstiegsdroge» verstanden werden: Das parallele Benützen der Landessprache vor allem in der Schule und des «Patois» (Englisch? Wolof? Bretonisch? Arabisch? Leider bleiben hier sowohl Bericht als auch Interview vage) zuhause behindere die Sprachfertigkeit in der – im zweiten Artikel der dortigen Verfassung festgeschriebenen – Landessprache. Dieses Manko wiederum verleite die zweisprachigen Jugendlichen zum Griff zu Cannabis, um ihre landessprachliche Eloquenz zu verbessern – was die einheimischen Hanfproduzenten seltsamerweise noch nicht in ihre Argumentation aufgenommen haben. In der Folge greifen die sprachlich behinderten Jugendlichen zu weiteren Drogen, um – hier etwas verkürzt dargestellt – schliesslich Autos in ihrem Quartier medienwirksam und in grosser Anzahl anzuzünden. Nach massiven Protesten strich die Kommission den Abschnitt über die Gefahren der Zweisprachigkeit in der endgültigen Fassung des Berichts.Die gedankliche Verbindung von Sprachenkompetenz mit auffälligem und aggressivem Verhalten wird jedoch auch in der Schweiz gezogen: Im Vorfeld einer bald stattfindenden Abstimmung über die Frage, ob die Primarschulen des Kantons Zürich weiterhin zwei oder neu nur eine Fremdsprache (d.h. Englisch) unterrichten sollen, gab ein Schularzt Gewichtiges zu bedenken: Sprachlich weniger begabte und durch zwei Fremdsprachen überforderte Kinder könnten in ihrem Selbstwertgefühl verletzt werden. Dies wiederum könne zu Ängsten und Aggressionen führen. Die Sprachbegabten aber hätten auch kaum etwas von zwei Fremdsprachen an der Schule, da die Klasse durch Schüler mit Fremdsprachschwächen gebremst würde. Was beides klar das Erlernen von nur einer Fremdsprache nahelege.Was können wir nun folgern, wenn wir diese Überlegungen zu Zweisprachigkeit und Sprachunterricht sowohl verbinden als auch glauben wollen? Dreierlei: Erstens haben naturwissenschaftlich-mathematisch herausgeforderte Schüler offensichtlich ein stabileres Selbstwertgefühl und neigen weniger zur Aggressivität als Jugendliche mit Schwächen in Fremdsprachen. Zweitens können schwache Rechner trotz ihrem stabilen Selbstwertgefühl eine Klasse anscheinend weniger am Vorwärtskommen in der Mathematik hindern als Schüler mit Sprachschwächen ihre Mitschüler in Französisch oder Englisch. Drittens und vor allem ist es von Zweisprachigkeit und Frühfranzösisch offenbar nur ein kleiner Schritt zu brennenden Vorstädten.*Boris Boller ist im Thurgau geboren, besuchte die Schulen in Bern und lebt heute in Freiburg. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem französischsprachigen Lehrstuhl der Universität und wechselt zwischen den Sprachgemeinschaften hin und her. Boris Boller ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen zur Zweisprachigkeit bearbeitet. Der Inhalt braucht sich nicht zwingend mit der Meinung der Redaktion zu decken.

Autor: Von BORIS BOLLER*

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