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Zwischen den Welten

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Kuba, 1993: Es herrscht Ausnahmezustand. Die wirtschaft­liche Grundlage des Landes ist nach dem Ende der Sowjetunion weg­gebrochen. Just in dieser Zeit reist der damals 25-jährige Freiburger Perkussionist Eric Mullener nach Havanna, um am dortigen Konservatorium zu studieren. «Das Land war ­total unterversorgt, es mangelte an allem», erzählt er. «Es war sehr beeindruckend, zu sehen, wie die Menschen damit umgehen. Trotz der schwierigen Situation haben sie ihre Würde bewahrt.»

Management und Soziales

Die Würde der Menschen – sie beschäftigt Mullener seither. Drei Jahre nach seinem Aufenthalt in Kuba übernahm der ausgebildete Kaufmann die Leitung des Vereins La Tuile, der damals an der Bürglenstrasse eine Notschlafstelle betrieb. «Die Verbindung zwischen Management-Aufgaben und sozialem Engagement sowie dem Kontakt zu Menschen in schwierigen Situationen gefiel mir.» Unter Mullener hat sich La Tuile weiterentwickelt: Die Notschlafstelle ist an die Marly­strasse gezogen, dazu kamen zahlreiche weitere Angebote wie etwa begleitetes Wohnen. Ziel ist es, Menschen mit Problemen wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

«Es reicht nicht, den Menschen ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen zu geben», sagt Mullener bestimmt. Sie bräuchten Wertschätzung, Würde eben. Nicht zuletzt will Mullener den Menschen eine Normalität bieten. Dafür müssten Institutionen wie die seine rausgehen, den Kontakt mit der Gesellschaft suchen. La Tuile macht das mit dem Café Le Tunnel, das Menüs auch für Menschen mit wenig Geld anbietet, und dem Suppenfestival auf dem Pythonplatz, das jeweils im Dezember stattfindet. Mullener zeigt auf ein Bild in seinem Büro: der reich geschmückte Pavillon auf dem Pythonplatz während dem Suppenfestival, inklusive eleganter Tischtücher und einem Kronleuchter. «Schönheit ist wichtig, um Wertschätzung zu zeigen.» Das gelte auch für die Notschlafstelle. Verspielte Malereien zieren deren Wände; liebevoll gestaltete Schilder weisen zu Badezimmer und zum Waschmaschinenraum. Die Einrichtung erinnert eher an eine fröhliche Jugendherberge denn an eine Notschlafstelle.

Doch die Situation der Menschen, die dort übernachten, ist meistens nicht besonders fröhlich. «Wir sind hier das Thermometer der Gesellschaft, wir kriegen von nahem mit, welche Probleme es in der Gesellschaft gibt.» Das zeige sich auch in Veränderungen der Klientel. «Momentan gibt es sehr viele AHV-Bezüger und Menschen mit psychischen Problemen, die zu uns kommen», sagt Mullener. Vor einigen Jahren seien es noch jüngere Menschen gewesen. Auch Veränderungen im Suchtverhalten stellt er fest; und er spürt die Auswirkungen der Migrationspolitik. «Es gibt viele Migranten, die bei uns Hilfe suchen. Grundsätzlich haben aber Leute aus dem Kanton den Vorrang.»

Viel Motivation

Die Arbeit bei der Notschlafstelle verlange viel persönliche Motivation und Engagement, ohne das gehe es nicht. «Wir haben ein sehr gutes, stabiles Team; das ist mit ein Grund, warum ich seit über zwanzig Jahren hier bin und auch nicht wegwill», sagt Mullener. «In unserer Arbeit legen wir grossen Wert auf Professionalität und Menschlichkeit.» Darum gebe es auch kaum Probleme in der Notschlafstelle. «Wer den Menschen mit Respekt begegnet, wird auch respektiert.»

Trotz der grossen Motivation und dem grossen Einsatz gibt es manchmal enttäuschende Momente. Etwa dann, wenn einfach nicht genug Geld da ist, um all die Projekte zu verwirklichen. «Wir versuchen in der Regel unsere Projekte selbst oder mit Spenden zu finanzieren, erst dann klopfen wir beim Kanton für Mittel an.» Aber das gelinge nicht immer, brauche einen langen Atem. «Wir sind mit unseren Ideen der Zeit voraus», glaubt Mullener. Und damit auch der Sozial­politik. «Wir machen weiter, weil wir überzeugt sind von dem, was wir tun.» Aber bequem machen könne es sich die Equipe nie; «wir müssen immer proaktiv sein.»

Emotionen weitergeben

Das kann anstrengend sein. Und hier ist die Musik ein Ausgleich für Mullener. «Man sollte nicht seine gesamte Energie in den Beruf stecken. Das ist eine Falle», sagt er. Er spielt in mehreren Formationen, unter anderem mit lateinamerikanischen Musikerinnen und Musikern in Freiburg, probt mit ihnen und tritt auf. «Ich liebe den Kontakt mit dem Publikum, liebe es, Emotionen über die Musik weiterzugeben.»

Das Suppenfestival, das demnächst beginnt, bietet Mullener die Gelegenheit, seine beiden Leidenschaften zu verbinden. Er tritt dort auf, ebenso wie Musikerkollegen von ihm. Auch im Café Le Tunnel ist er häufig zu Gast. Mullener verbindet in seinem Leben Kultur und soziales Engagement – genauso wie es auch La Tuile tut, als einer der ersten Vereine überhaupt, wie er ausführt. Er will damit Brücken schlagen zwischen Menschen in schwierigen Lagen und der Gesellschaft. «Das Suppenfestival bringt uns alle zusammen», sagt er. Ein Zeichen dafür: Jahr für Jahr erhält La Tuile viel mehr Anmeldungen von Freiwilligen, als es Leute beschäftigen kann. Regelmässig sind Politiker zu Gast, letztes Jahr gar Bundespräsident Alain Berset. Höhepunkt des Festivals ist jeweils die Weihnachtsfeier.

Sie findet aber ohne Mullener statt. «Meine Frau besteht darauf, dass wir zu Hause mit unseren drei Kindern feiern.» Seine Kinder sind derweil drauf und dran, in seine Fussstapfen zu treten. Eine Tochter spielt Klavier und hat auch in Kuba studiert. «Sie spricht Spanisch wie eine Kubanerin», sagt Mullener und lächelt. Es sei sehr wertvoll, eine ­«adoptierte Kultur» zu haben, wie er es nennt, in Bezug auf die Musik und die Arbeit. «Das Inte­resse für die ­anderen ist zentral.»

«Wer den Menschen mit Respekt begegnet, wird auch respektiert.»

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