Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Zwischen Kunst und Handwerk

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

1280 Grad Celsius: Das ist die Temperatur, bei der Porzellan glattgebrannt wird. 1280 °C heisst denn auch das Keramikstudio von Severine Emery, Noemi Handrick und Sara Spirig. Die drei Frauen haben sich im vergangenen November zusammengetan, um im neuen Künstlerhaus in Givisiez ihre Ressourcen zu bündeln und sich gegenseitig zu inspirieren.

In dem lichtdurchfluteten Raum stehen mehrere grosse Tische, an denen gearbeitet wird, in den Regalen liegen Gipsformen, am Fenster zur Strasse hin ist eine Art Schauecke eingerichtet, die einen kleinen Überblick über das Schaffen der Künstlerinnen gibt: Tassen mit naturfarbenen Berglandschaften als Motiven, superleichte Lampen aus lichtdurchlässigem Porzellan, Windlichter mit geripptem Relief und solche, bei denen die Porzellanmasse mit Papierfasern oder Haferflocken versetzt ist. Letztere werden im Ofen weggebrannt; es entstehen kleine durchsichtige Kreise.

Die Technik

Insgesamt wirkt alles sehr aufgeräumt. Nasse Tonklumpen, die zwischen den Händen schmatzende Geräusche erzeugen, eine graue Dreckspur vom Haaransatz bis zu den Schuhspitzen hinterlassen und an die Würstchentechnik von damals erinnern, als man sich selbst mal an einer Vase versucht hat, gibt es nicht. Auch die Drehscheiben stechen nicht als Erstes ins Auge. Sie werden eigentlich nur von Sara Spirig genutzt. Sie mag es, zu sehen und zu spüren, wie unter ihren Fingern Dinge entstehen. «Ich wollte ein Handwerk erlernen, das Fertigkeiten erfordert, die über Jahre hinweg entwickelt werden müssen, die man nicht eben mal so hat», sagt die 33-jährige St. Gallerin. Spirig entschied sich darum für eine Ausbildung zur Keramikerin in einem Betrieb in Ependes. Eine Ausbildung an einer Kunstschule kam für sie nicht infrage. «Das Konkrete hat mich mehr interessiert als konzeptionelle Überlegungen.» Auch die Meister-Schüler-Beziehung fernöstlicher Künste habe sie bewogen, diesen Weg einzuschlagen.

Heute wie damals stellt Spirig vor allem Gebrauchsgegenstände her, vor allem Geschirr. Die Nachfrage dafür sei durchaus vorhanden, sagt sie, während sie gerade die Ränder einer Servierplatte bearbeitet. «Es gibt immer mehr Leute, die weg von der immer gleichen Industrieware wollen, hin zu handgemachten und lokal produzierten Erzeugnissen.» Spirig kann von der Keramik leben, zwar nicht üppig, aber es reicht. Einnahmen generiert sie mit Aufträgen von Privaten, im Direktverkauf auf Märkten und über Geschäfte, die ihre Objekte ins Sortiment aufnehmen.

Die Wirkung

Einen anderen Weg haben Noemi Handrick und Severine Emery eingeschlagen. Sie haben beide die Schule für Gestaltung besucht. Handrick wollte zuerst ins Schmuckfach, schliesslich hat es ihr aber die Keramik mehr angetan. Dabei geht es der 34-jährigen Freiburgerin nicht so sehr um das sinnliche Gefühl bei der Handarbeit – sie hat sich vor allem der Gusstechnik verschrieben –, sondern um die Wirkung ihrer Werke. Mit unterschiedlich strukturierten Giessformen versucht sie besondere Effekte zu erzielen. «Ich möchte die Leute mit meinen Objekten berühren.» Auch die Wechselwirkung zwischen Objekt und Umgebung fasziniert sie. So hat sie für eine Ausstellung zum Thema Vergänglichkeit eine Skulptur geschaffen, bei der mehrere sehr dünne, gewellte Porzellanplatten aufeinander getürmt sind, die wie hingeworfene Tücher wirken – unter jeder Schicht eine verborgene Erinnerung. Die Ideen für ihre Projekte entwickelt die Künstlerin, indem sie ihre Gedanken und Gefühle niederschreibt.

Oft plagen sie aber auch Existenzängste. «Ich denke viel darüber nach, wie ich mein Geld verdienen kann.» Darum muss sie Kompromisse eingehen und auch Gebrauchsgegenstände produzieren. Gerade giesst sie zierliche Tassen, deren Henkel die Form von kleinen Kühen haben. Dank den Giessformen sei dabei eine serielle Produktion möglich. «Allerdings bleibt im Unterschied zur industriellen Herstellung jede einzelne Tasse ein Unikat», betont Handrick. Denn nur kleine Temperaturunterschiede, minimale Druckstellen durch das Anfassen der Tasse vor dem Brennen oder die Menge des Porzellans, das in der Giessform hängen bleibt und zu dickeren oder dünneren Wänden führt, machen jedes Exemplar einzigartig.

Der Lohn

Wie wichtig die Funktionalität der Kreationen ist, damit man mit ihnen Geld verdienen kann, weiss auch die 46-jährige Severine Emery. Erst kürzlich hat sie ein Ensemble von Tellern und kleinen Schüsseln geschaffen, die von der Form her so aufeinander abgestimmt sind, dass sie – ineinander gestapelt – einen stilvollen Turm ergeben. Die Kunden indes kauften primär die beiden obersten Gefässe. «Bei diesen ist eindeutig zu sehen, wozu sie gebraucht werden können. Bei den anderen dagegen ist nicht klar, ob sie als Teller, als Untersatz oder als Behältnis für Büroklammern dienen sollen», begründet Severine Emery das mangelnde Interesse an den anderen Teilen. Nichtsdestotrotz bleibt sie sich treu. Sie macht das, was ihr gefällt.

Ob Keramik nun Kunst oder Handwerk sei, ist ihrer Ansicht nach einerlei. «Wir befinden und wahrscheinlich irgendwo mittendrin.» Davon zeugt auch ihre Leuchte, die Zweckmässigkeit und künstlerisches Design vereint. Aus Benefitgründen für eine Firma regelmässig Lampen entwerfen, will Emery aber nicht. «Dann würde ich nur noch das tun und wäre nicht mehr frei für andere Ideen», sagt sie. Diese Haltung hat ihren Preis. An zwei Tagen pro Woche macht sie einen reinen Geldjob, um genügend zu verdienen.

Einfach Keramik

Markt der verlorenen Märkte auf dem Python-Platz

Am Samstag, 26. September, zeigen Keramikkünstler aus Freiburg und anderen Regionen ihre Kreationen auf dem Python-Platz in der Stadt Freiburg. Der Markt «Einfach Keramik» geht auf die Initiative zweier Bieler Künstlerinnen zurück, die eine Alternative zu den vielen Märkten bieten wollen, die Corona-bedingt abgesagt werden. Er wurde und wird in fünf Schweizer Städten durchgeführt. «Wir sind sehr dankbar, dass wir eine Gelegenheit haben, unsere Werke zu zeigen», sagt Sara Spirig vom Keramikstudio 1280 °C in Givisiez (siehe Haupttext). Denn mit der Annullation der Weihnachtsmärkte, die zu den wichtigsten Absatzmärkten für Keramikware überhaupt gehörten, seien die finanzielle Einbussen für die Kunsthandwerkerinnen und -handwerker enorm. Die Stände sind von 9 bis18 Uhr geöffnet.

rsa

 

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema