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Zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn

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Zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn

Theater in Freiburg: Das Gorki-Theater Berlin hat «Zeit im Dunkeln» gespielt

Wenig Handlung, karge Kulisse und zwei starke Persönlichkeiten im Zentrum: Das ist «Zeit im Dunkeln», ein Zeitstück aus der Feder von Henning Mankell. Götz Schubert und Louisa Stroux haben das Freiburger Publikum am Donnerstagabend in ihren Bann gezogen.

Von CAROLE SCHNEUWLY

Eine dreiköpfige Familie – Mutter, Vater, Tochter – verlässt mit Hilfe von Schleppern ihre nordafrikanische Heimat, wo dem Vater wegen seiner abweichenden politischen Meinung der Tod droht. In der Meerenge von Gibraltar sinkt das Boot und die Mutter ertrinkt. Der Vater und die Tochter überleben und gelangen, eingepfercht in einen Lastwagen, nach Schweden.

Eine abenteuerliche Flucht also, eine Familientragödie, ein aktueller politischer Hintergrund und viel Stoff für Sozialkritik: eine Geschichte für einen Roman, fürs Kino vielleicht oder gar für die Bühne.

Trauer und Konflikt

Tatsächlich hat der schwedische Erfolgsautor Henning Mankell die Geschichte fürs Theater geschrieben. Und doch: Es ist eine ganz andere Geschichte, die er da erzählt. Seine Geschichte beginnt in der kargen Wohnung, in der sich Vater und Tochter verstecken, während sie darauf warten, mit neuer Identität und neuen Papieren nach Kanada oder Australien weiterreisen zu können.

Es ist in erster Linie die Geschichte eines Mannes, der seine grosse Liebe, und eines Mädchens, das seine Mutter verloren hat. Die Geschichte von zwei Personen, die um einen geliebten Menschen trauern und gleichzeitig ihre Beziehung zueinander neu definieren müssen. Und die keine Möglichkeit haben, dieser Situation zu entrinnen, weil sie gezwungen sind, auf engstem Raum zusammenzuleben – und weil sie trotz aller Konflikte aufeinander angewiesen sind.

Seelenpein und Tragödie

Diese komplizierte und hochexplosive Vater-Tochter-Beziehung ist es, die im Mittelpunkt des Stücks «Zeit im Dunkeln» steht. Das Flüchtlingsdrama dient lediglich als Rahmen für ein Beziehungsdrama, das sich während 90 Minuten zuspitzt und beinahe in einer tödlichen Katastrophe endet.

In diesen 90 Minuten passiert fast gar nichts – und doch unendlich viel. Das Kammerspiel beginnt mit einem markerschütternden Schrei des Vaters, in dem er seiner ganzen Seelenpein Ausdruck verleiht. Der Vater zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn, die Tochter zwischen Selbstschutz und Selbstzerstörung: In diesem Spannungsfeld entwickelt sich eine erschütternde Familientragödie, die das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann zieht.

Verzweiflung und Distanz

Dass dem so ist, ist hauptsächlich den beiden Schauspielern Götz Schubert und Louisa Stroux zu verdanken. Mit intensivem, kompromisslosem Spiel gelingt es ihnen, die ganze Verzweiflung zweier Menschen auf die Bühne zu bringen, die unter dem auf ihnen lastenden Druck zu zerbrechen drohen.

Die Kulisse ist karg und trostlos: die Wohnung, in der Vater und Tochter eingeschlossen sind. Der Raum ist eng, und doch ist die Distanz zwischen den beiden Darstellern fast mit Händen greifbar. Am unüberwindlichsten scheint sie gar in jenen Momenten, in denen sich die beiden körperlich näher kommen, etwa, wenn die Tochter des Vaters Hand hält und er sich vorstellt, sie sei seine verstorbene Frau. Geradewegs schlittern die beiden dem Abgrund entgegen, ehe die Tochter in einem letzten Kraftakt die Oberhand gewinnt: «Du machst jetzt, was ich sage», befiehlt sie dem bis dahin so autoritären Vater, und der hat nur noch eine Bitte: «Ich brauche Zeit, mich von mir selber zu verabschieden.»

Ein Theaterstück zu schreiben, das so sehr von der Spielkraft seiner beiden einzigen Darsteller lebt, ist mutig. In der Version von Götz Schubert und Louisa Stroux unter der Regie von Volker Hesse ist das Experiment zweifellos gelungen.

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