Freiburg 11.11.2017

Heilig Kreuz wartet auf Umwandlung

Im Eingangsbereich des Kollegiums Heilig Kreuz wird es für die Schülerinnen und Schüler mehrfach am Tag ziemlich eng.
Der Grosse Rat wird nächste Woche über einen Verpflichtungskredit für den Ausbau und die Sanierung des Kollegiums Heilig Kreuz beraten. Wenn dann noch das Volk dem Kredit zustimmt, können die seit längerem geplanten Arbeiten im Jahr 2019 beginnen.

Jeweils im ersten Monat eines Schuljahrs findet im Kollegium Heilig Kreuz eine Evakuierungsübung statt. Sämtliche Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrpersonen verlassen dann die Gebäude innerhalb von sechs bis sieben Minuten.

Auch an anderen öffentlichen Einrichtungen des Kantons finden ähnliche Übungen statt, doch am Kollegium Heilig Kreuz hat das Einüben der Sicherheit besondere Relevanz. Eine Untersuchung 2008 hatte ergeben, dass beim Hauptgebäude und der Villa Gallia bezüglich Fluchtwege bedeutende Sicherheitsmängel herrschten. «Wir mussten in die Sicherheit investieren», sagt Rektorin Christiane Castella Schwarzen gegenüber den FN. Beispielsweise wurde eine Signalisation für die Fluchtwege installiert, die Verriegelung von Türen angepasst und ein Sicherheitsverantwortlicher ernannt. Andere Aspekte lassen sich aber nicht verändern, ohne dass die Gebäudestruktur verändert wird. Bisweilen traten weitere Probleme technische und sicherheitsrelevante Probleme auf, etwa bei den Aussenstoren und den sanitären Anlage.

Sicherheit, Energie, Demografie

Die Sicherheit ist ein Faktor, der nun einen Um- und Ausbau sowie eine Renovation des Kollegiums Heilig Kreuz notwendig macht. Der Grosse Rat wird an seiner Sitzung vom kommenden Freitag über einen Verpflichtungskredit in der Höhe von 39,5 Millionen Franken beraten. Bereits hat dieser einen Studienkredit vom 2,3  Millionen Franken genehmigt, und am 4. März wird das Freiburger Stimmvolk über den Baukredit entscheiden.

Ein weiterer Grund für die Umwandlung des Kollegiums ist die Energieeffizienz. «Unser Kollegium ist eines der fünf energieintensivsten Gebäude des Staates», sagt Urs Perler, Vorsteher der deutschsprachigen Abteilung. «Auf der Nordseite ist es oft sehr kühl, während es auf der Südseite zu warm ist.» Castella ergänzt: «In bestimmten Zimmern leiden die Schüler.» Wie sie sagt, sei dieses auch schon vom Schülerrat aufgeworfen worden, und eine Infrarot-Untersuchung habe die Mängel bei der Energieeffizienz aufgezeigt.

Im Mittelpunkt des Aus- und Umbauprojekts steht aber die Schülerentwicklung. Gemäss der Rektorin wurde das bestehende Kollegiumsgebäude zu Beginn der 1980er-Jahre auf 500 Schüler ausgerichtet. Bei der Planung seien damals aus Spargründen gar die Aussenwände um 1,5 Meter zurückversetzt worden, ergänzt Administrator Damian Bächler.

«2008 hatten wir dann rund 990 Schülerinnen und Schüler», so Castella. In den letzten Jahren konnte das Kollegium Heilig Kreuz den Schülerbestand wieder etwas verringern, weil durch die Erweiterung des Kollegiums Gambach dort zusätzliche Kapazitäten entstanden sind. Ein Bericht des Staatsrats zeigt aber auf, dass bald mit einer starken Zunahme der Schülerzahl auf Mittelschulstufe gerechnet wird. Kantonsweit dürfte diese Zahl von heute 3277 auf 3800 ansteigen.

«Nach Beendigung des Bauprojekts wird das Kollegium Heilig Kreuz 1100 Schülerinnen und Schüler aufnehmen können», sagt Christiane Castella. «Wir werden sogar eine Reserve bis 1300 haben.»

Ein Neubau entsteht

Mit der Erweiterung wird die Anzahl Klassenzimmer von heute 40 auf 52 ansteigen. Dazu kommt eine Ausweitung und Modernisierung von Spezialräumen für Chemie, Biologie und Physik sowie der Bibliothek. Auch entsteht eine neue Aula. «Die bestehende Aula ist definitiv zu eng», so die Rektorin. Der benötigte Raum für den Unterricht wird hauptsächlich durch einen Anbau in Richtung des bestehenden Fussballplatzes geschaffen. Dieser wird sich in Form und Aussehen am heutigen Hauptgebäude ausrichten. Zwischen dem Hauptgebäude und der Sporthalle entsteht im Bereich des heutigen Unterstandes eine Cafeteria, welche sowohl von der Sporthalle wie vom Schulgebäude her benützt werden kann. Dadurch kann im Hauptgebäude der heute sehr beschränkte Eingangsbereich erweitert werden. Schliesslich wird es auf der Achse zwischen neuer Cafeteria und Anbau eine Erweiterung des Hauptgebäudes und Verbindungsgänge geben. Wo heute das Büro der Rektorin und andere Räume sind, entstehen Gänge, erklärt sie. Damit wird auch das Problem der Fluchtwege gelöst.

«Wir sind zufrieden mit dem Projekt», sagt Vorsteher Urs Perler. Damian Bächler sagt: «Das Raumprogramm deckt unsere räumlichen Bedürfnisse ab.»

Umzug in Fachhochschule

Nach einem Architekturwettbewerb wurde ein erstes Projekt redimensioniert. «Es ist ein Kompromiss», so Castella. «So werden nicht alle Klassenzimmer die gleiche Grösse haben. Aber wir sind überzeugt: Es ist ein gutes Projekt.» Insgesamt betreffen 55 Prozent der Kosten die Sanierung und 45 Prozent den Neubau.

Wenn der Grosse Rat und das Freiburger Volk den Kredit genehmigen, kann mit dem Ausbau 2019 begonnen werden. Während den zweijährigen Renovationsarbeiten am Hauptgebäude wird der grösste Teil des Kollegiums innerhalb des Perolles-Quartiers ins frei werdende Gebäude der Hochschule für Gesundheit ziehen. 2021 werden die Gymnasiasten wieder ins Gebäude des Kollegiums zurückkehren können.

Vorschau

Grosser Rat besetzt Präsidien für das Jahr 2018

Neben dem Budget und der Abstimmung über die Aufhebung der Immunität von Staatsrätin Marie Garnier (Grüne) stehen im Grossen Rat nächste Woche diverse weitere Geschäfte an. Für das Grossratspräsidium kandidiert am Donnerstag Markus Ith (FDP, Murten), für das erste Vizepräsidium Roland Mesot (SVP, Châtel-Saint-Denis) und als zweiter Vizepräsident Raoul Girard (SP, Bulle). Als Staatsratspräsident tritt Vizepräsident Georges Godel (CVP) an und als Präsidentin des Kantonsgerichts Vizepräsidentin Catherine Overney. Am Dienstag wird der neue Grossrat Cédric Péclard («La Broye, c'est vous», Aumont) vereidigt. Er tritt die Nachfolge des verstorbenen Denis Chassot an. Eine Änderung des Grossratsgesetzes wird das Kantonsparlament am Mittwoch nach der zweitägigen Budgetdebatte beschäftigen, ebenso wie eine Motion von Hubert Dafflon (CVP, Grolley) und Romain Collaud (FDP, Cottens) zur Schaffung eines Steuerstatus für neue innovative Unternehmen. Am Donnerstag ist die zweite Lesung des Gesetzes zu den sonder- und sozialpädagogischen Institutionen sowie den professionellen Pflegefamilien an der Reihe. Ebenso werden eine Teilrevision des Gesundheitsgesetzes, ein Postulat von Stéphane Peiry (SVP, Freiburg) zum Innovationsfonds sowie eines von Laurent Dietrich (CVP, Freiburg) und Alt-Grossrätin Sabrina Fellmann (SP, Cormérod) zur Wirtschaftsstrategie debattiert. Der Freitag ist neben dem Kredit fürs Kollegium Heilig Kreuz einer Änderung des Staatspersonalgesetzes sowie der Beteiligung des Kantons an der gemeinsamen Plattform der wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz gewidmet.

jcg