Archiv 06.06.2000

13 Millionen freie Abschreibungen

Die Gemeinden aus dem Seebezirk befinden sich grösstenteils in einer finanziell bequemen Lage. Wie eine Bilanz nach Abschluss der Frühlingsversammlungen zeigt, weisen die meisten Gemeinden für 1999 Gewinne aus. Darüber hinaus haben die Kassiere rund 13 Millionen Franken an freien Abschreibungen vorgenommen.

Obwohl es den Seebezirkler Gemeinden finanziell gut bis sehr gut geht, sind Fusionen ein Thema

Autor: Von URS HAENNI

Das positive Bild wird etwas verzerrt durch den ausserordentlichen Abschluss der Stadt Murten. Im Bezirkshauptort weist nämlich die Rechnung für das Jahr 1999 alleine 9,4 Millionen Franken freie Abschreibungen aus. Letztes Jahr verkaufte die Gemeinde Land für den Bau der OS Prehl, und weil Grundstücke in der Bilanz ganz abgeschrieben sind, schlägt sich dies voll als Buchgewinn nieder.

Doch auch ohne Murten konnten die Seebezirkler Gemeinden über die ordentlichen Amortisationen hinaus noch rund 3,5 Millionen Franken abschreiben. Das sind im Schnitt über 100000 Franken pro Gemeinde, von denen ein grosser Teil zwischen 100 und 500 Einwohner zählt.
Offiziell wiesen die Gemeinden zusammen Gewinne von rund 750000 Franken aus. Auch verbuchten einzelne Finanzverantwortliche Reserven von 290000 Franken.

Die Steuerzahler freuts

Dass sich die Finanzlage so positiv präsentiert, hatte sich schon im Verlauf des letzten Rechnungsjahres abgezeichnet: Mehrere Gemeinden (Gempenach, Büchslen, Lurtigen, Ulmiz) senkten die Steuern.

Dieses Frühjahr hat nun auch Gurmels seinen Steuerfuss von 1 Franken auf 95 Rappen gesenkt. Die Fusion mit Kleingurmels hat die Behörden in diesem Schritt noch bestärkt. Auch die Jeusser haben ihren Gemeinderat beauftragt, eine Steuersenkung um 10 Rappen zu prüfen.

Fusionskandidaten könnten
finanzielle Eigenständigkeit wahren

Dass Greng mit dem kleinsten Steuersatz und einer kleinen Einwohnerzahl 140000 Franken Gewinn verbucht, überrascht nicht. Hingegen erstaunen andere Zahlen: Wallenried verbucht 204000 Franken Gewinn; Ried macht 673000 Franken freie Abschreibungen, Gempenach 221000 Franken, Lurtigen 192000 Franken, Cressier 430000 Franken, die beiden Wistenlacher Gemeinden zusammen 860000 Franken; Kleinbösingen weist ein Kapital von rund 1 Million Franken aus, Jeuss 870000 Franken.

Interessant ist, dass ausgerechnet jene Gemeinden, die aufgrund ihrer Grösse vom Kanton zu Fusionen ermutigt werden, mehr denn je bewiesen, dass sie zumindest finanziell gut eigenständig bleiben können.
Auch punkto Infrastruktur sind die SeebezirklerGemeinden generell auf einem guten Stand. Gewiss wird da und dort noch ein Trottoir erstellt oder eine Strasse saniert, doch wenn die OS Prehl einmal steht, dann zeichnen sich vielerorts mittelfristig keine grossen Investitionen mehr ab.

Viele personelle Wechsel
in den Exekutiven

Die Eigenständigkeit wird wohl erst in einem Jahr einem weiteren Test unterzogen, wenn die kleinen Dörfer genügend Leute für die Besetzung des Gemeinderates stellen müssen.

In diesem Frühjahr hat es erneut zahlreiche Wechsel in den Exekutiven der SeebezirklerGemeinden gegeben. Schon früh in der Legislaturperiode hatte sich abgezeichnet, dass es eine Rekordzahl an frühzeitigen Demissionen geben würde, und das bestätigte sich seither. Zwar fanden sich überall Nachfolger für die ausgetretenen Räte, doch kam es fast ausschliesslich zu stillen Wahlen.
Nachdem Ende des letzten Jahres Gurmels und Kleingurmels fusionierten sowie Corsalettes den Bezirk wechselte, haben dieses Jahr viele Gemeinderäte von ihrer Bevölkerung wissen wollen, was sie von diesem Thema halten.
In Courtepin, Courtaman und Wallenried sprachen sich in einem Fragebogen rund 85 Prozent der Einwohner für eine Fusion zwischen diesen dreiGemeinden aus; ein Fragebogen wird nächstens auch im Wistenlach verschickt. In Wallenbuch sprachen sich die Bürger an der Urne für einen Verbleib beim Kanton Freiburg aus, und auch die Courlevoner konnten anlässlich derGemeindeversammlung ihre Meinung äussern.

Murten, Merlach und Muntelier
noch nicht ganz einig

In der Pfarrei Gurmels studiert nun eine Arbeitsgruppe das Thema, in der vorerst nur Kleinbösingen nicht mitmacht. Auf Intervention von Courlevon haben auch erste Gespräche im Murtenbiet stattgefunden. Während Murten sich gerne noch mehr öffnen würde, stehen die Nachbargemeinden Merlach und Muntelier dem noch skeptisch gegenüber. Diese beiden Gemeinden mit Steuerfüssen von 60 respektive 55 Rappen gehören übrigens zum halben Dutzend, welches die Rechnung 1999 mit einem Verlust abschliesst. Dass Greng sich aufgrund seiner finanziellen Lage sich von jeglichen Fusionsdiskussionen ausklammert, wird selbst auf kantonaler Ebene anerkannt.