Freiburg 17.10.2020

Die Geschichten hinter den Bildern

Die Bilder – hier von Primula Bosshard (links) und Tomas Wüthrich – harmonieren mit den Skulpturen von Jean-Jacques Hofstetter.
Vor gut einem Jahr haben sich die Freiburger Berufsfotografen in einem Verein zusammengeschlossen. Jetzt zeigen sie mit einer Kollektivausstellung die Kraft der Fotografie in einer Zeit, in der Bilder Massenware sind.

Fotografieren ist mehr, als beim Familienfest den Auslöser der Digitalkamera zu drücken oder mit dem Smartphone die Ferien zu dokumentieren. In einer Zeit, in der die technischen Möglichkeiten es jeder und jedem erlauben, immer und überall Bilder zu machen und diese auch zu veröffentlichen, hat die professionelle Fotografie einen schweren Stand. Nicht zuletzt deshalb haben Freiburger Berufsfotografinnen und Berufsfotografen im vergangenen Jahr den Verein PPAF (Photographie Professionnelle etArtistique Fribourgeoise) gegründet (siehe Kasten).

«Wir wollen eine Plattform für die Fotografen sein, ihnen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen und das Publikum für den Wert ihrer Arbeit sensibilisieren», sagte Vorstandsmitglied Bruno Maillard gestern anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung in der Galerie Hofstetter in Freiburg. An der Kollektivausstellung beteiligen sich 27 der 43 Mitglieder des Vereins. Nach drei kleineren Einzelausstellungen im Greyerzer Museum in Bulle und einer Freilichtausstellung im Schloss Greyerz im Sommer ist es die erste Ausstellung dieser Dimension, die der Verein präsentiert. Dieser feiere damit auch sein einjähriges Bestehen, sagte Präsidentin Mélanie Rouiller.

108 Bilder auf zwei Etagen

Bruno Maillard hat die Ausstellung zusammen mit seinem Vorstandskollegen Laurent Crottet kuratiert. Verteilt auf zwei Stockwerke und über eine Länge von 80 Metern, finden sich 108 Bilder, die von der Vielfalt der Freiburger Fotografie zeugen. Ein gemeinsames Thema zu finden, mit dem 27 Fotografinnen und Fotografen aus den unterschiedlichsten Richtungen etwas anfangen könnten, sei nicht einfach gewesen, sagte Laurent Crottet. «Es sollte für alle Teilnehmenden passen, sie aber auch herausfordern.»

Die Wahl fiel schliesslich auf «Storytelling», ein Thema, das im Grunde auf der Hand liege, so Crottet: «Es liegt in der Natur der Fotografie, dass sie Geschichten erzählt; jedes einzelne Bild tut das.» Die Sensibilität und das Auge für diese Geschichten seien es auch, was die Berufs- von den Amateurfotografen unterscheide. Denn bei der Fotografie gehe es nicht einfach um technische Kenntnisse, sondern vielmehr um die Idee hinter den Bildern. Darum seien die Fotografinnen und Fotografen auch aufgerufen gewesen, zu den Arbeiten in der Ausstellung jeweils einen kurzen Text zu schreiben – obwohl manche lieber ihre Bilder sprechen liessen. «Die Fotografen sollten nicht einfach beliebig Bilder aus ihren Archiven holen, sondern sich etwas überlegen und diese Überlegungen dem Publikum zugänglich machen», sagte Crottet. Auch das trage dazu bei, den Wert der Berufsfotografie zu zeigen.

Vielfältig und kohärent

Der Rundgang durch die Ausstellung zeigt, wie vielfältig das Schaffen der Fotografinnen und Fotografen des Kantons ist. Zu sehen sind Landschaftsbilder, Reportagen, dokumentarische Arbeiten, Strassenfotografien oder künstlerische Werke. Auch bei der Wahl der Formate, der Technik und der Präsentation hatten die Teilnehmenden freie Hand. Das Ergebnis wirkt trotz der grossen Vielfalt kohärent. «Wir ergänzen und unterstützen uns gegenseitig», sagte der Fotograf Alain Volery. «Das spürt man auch in der Ausstellung.» Volery, der ein Fotogeschäft in der Stadt Freiburg betreibt und sich sonst eher der Landschaftsfotografie widmet, hat sich für die Ausstellung eine humoristische Arbeit über die «Todsünden» von Freischaffenden während der Corona-Krise einfallen lassen.

Der Beitrag von Tomas Wüthrich hat seinen Ursprung ebenfalls in der Corona-Zeit. Wüthrich hat von Schädlingen zerfressene Pflanzenblätter gesammelt, gepresst, kunstvoll angeordnet und in analogen Schwarz-Weiss-Bildern festgehalten. Er habe während der Krise kaum Arbeit gehabt und sich darum die Zeit für dieses Projekt nehmen können, erklärte er. Auf das Thema sei er gekommen, als er für ein Buch über aussterbende Tiere und Pflanzen Fotografien gemacht habe. «Ich wollte zeigen, dass man nicht immer mit Gift gegen Schädlinge vorgehen sollte und dass auch das Zerstörte schön sein kann.»

Auch die FN-Fotografen Aldo und Charles Ellena sind in der Ausstellung präsent. Aldo Ellena zeigt eine poetische Bilderserie zum Thema Kindheitserinnerungen, während Charles Ellena mit Alltagsmomenten voller subtilen Humors überrascht. Alain Wicht präsentiert Momentaufnahmen zur Corona-Zeit, Jean-Marc Giossi zeigt eine eindringliche Hommage an das kubanische Volk, Maud Chablais lässt Natur und Zivilisation aufeinanderprallen. Gerade weil ihre Arbeit so unterschiedlich und individuell sei, sei der Verein PPAF für sie alle wichtig, so Chablais: «Hier können wir uns treffen, uns austauschen und uns gegenseitig inspirieren. Das ist viel wichtiger als jede Konkurrenz.»

Galerie J.-J. Hofstetter, Freiburg. Bis zum 14. November. Do. und Fr. 14 bis 18.30 Uhr, Sa. 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr.

Zahlen und Fakten

Ein Verein als Ansprechpartner

Der Verein PPAF (Photographie Professionnelle et Artistique Fribourgeoise) wurde im Juni 2019 gegründet. Er will die professionelle Fotografie im Kanton sichtbar machen, die Fotografen vernetzen und Ansprechpartner für Behörden und Institutionen sein. Der Verein organisiert regelmässig Ausstellungen und andere Anlässe, darunter die Ausstellungsreihe «Mur Blanc» im Greyerzer Museum in Bulle. In Zukunft seien vermehrt Vorträge und Gespräche am runden Tisch geplant, sagte Präsidentin Mélanie Rouiller. 43 Fotografinnen und Fotografen aus dem ganzen Kanton und aus den verschiedensten Sparten haben sich dem Verein bis heute angeschlossen.

cs

Infos und Kontakt: www.ppaf.ch