Freiburg 15.03.2019

«Kein Sprachrohr der Uni-Leitung»

Das Cover der aktuellen Spectrum-Ausgabe ... ... und das Cover einer Ausgabe von 1976.
Das Freiburger Studierendenmagazin Spectrum gehört zu den ältesten der Schweiz. Dieser Tage feiert die Unizeitung ihr 60-jähriges Bestehen. Chefredaktorin Alea Sutter blickt mit den FN zurück.

Wann genau die Geschichte der Freiburger Studierendenzeitschrift Spectrum begann, darüber lässt sich streiten. «Es gab schon eine erste Ausgabe im Jahr 1957, in der heutigen Form gibt es das Spectrum aber seit 1958. Das 60-Jahr-Jubiläum wiederum feiern wir in diesem Jahr», erklärt Alea Sutter, Chefredaktorin der deutschen Redaktion von Spectrum. Im letzten Jahr sei eine Feier organisatorisch nicht möglich gewesen. Nun ist es aber soweit: Am kommenden Dienstag feiern die Uni-Journalisten mit einem Fest im «Tour Vagabonde» und einer Konferenz zum Thema Klimawandel ihre Erfolgsgeschichte.

Bevölkerung ist eingeladen

«Wir wollten für das Jubiläum nicht ein herkömmliches Fest abhalten. Die Feier sollte etwas mit dem Geist des Journalismus zu tun haben», sagt Sutter. «Es sollte eine kritische Diskussion beinhalten, die verschiedene Standpunkte zusammenbringt und von gesellschaftlicher Relevanz ist.» Deshalb versammelt das Spectrum-Team vier Experten auf dem Gebiet des Klimawandels und lässt sie über ein offenes Gespräch mit der Bevölkerung in Kontakt treten. «Wir wollten keine uniinterne Veranstaltung, die Bevölkerung ist explizit eingeladen und soll mitmachen», sagt Sutter.

Alea Sutter ist seit letztem Sommer Chefredaktorin der Zeitschrift. Die gebürtige Zürcherin studiert Psychologie im Bachelor und hat seit dem ersten Semester bei Spectrum als Redaktorin mitgearbeitet. «Der Journalismus hat mich seit dem Gymnasium interessiert», sagt die 21-Jährige.

«Bewegte Geschichte»

In den letzten Monaten hat sie zudem damit begonnen, sich genauer mit der Geschichte der Unizeitung auseinanderzusetzen: «Das Spectrum hat eine bewegte Geschichte. Am Anfang war es aber eher ein Informationsblatt für die Studierenden», erklärt sie. In den 1970er-Jahren sei die Zeitschrift schliesslich deutlich politischer und provokativer geworden. 1976 erhielt die Redaktion von der Uni-Leitung sogar ein dreimonatiges Publikationsverbot. Grund für den Eklat: Die Zeitschrift hatte mit einem Artikel über Homosexualität und einem dazugehörigen Penis-Gedicht das katholische Rektorat erzürnt und sogar den Staatsrat auf den Plan gerufen.

Nicht mehr so provokativ

«Heute sind wir nicht mehr so provokativ», bilanziert Sutter und lacht. Es gehe dem Spectrum heute in erster Linie darum, das Leben an der Uni abzubilden. «Wir sind aber kein Sprachrohr der Uni-Leitung», betont sie. «Auf unsere inhaltliche Unabhängigkeit legen wir grossen Wert. Unser Magazin soll genauso vielfältig sein wie unser Team.» Besonders wichtig ist den Uni-Journalisten die Zweisprachigkeit. Die französische und die deutsche Redaktion arbeiten seit jeher eng zusammen. Im Heft finden sich Artikel in beiden Sprachen.

Für die Zukunft des Magazins Spectrum hat Sutter bereits einige Pläne gefasst: «Für die nächste Ausgabe ist eine Spezialedition geplant. Wir werden unser Layout ändern und dadurch längere Artikel mit grösseren Bildern publizieren können», sagt sie. Auch sei die Zeitschrift weiterhin auf der Suche nach neuen Redaktorinnen und Redaktoren.

Print bleibt wichtig

Zudem wolle das Redaktionsteam noch stärker in den sozialen Medien aktiv werden, ohne dabei die Tradition der Printausgabe aufzugeben, sagt Sutter. «Die gedruckte Zeitschrift hat gerade in Zeiten des Internets wieder eine stärkere Bedeutung», zeigt sie sich überzeugt. «Ich glaube nicht, dass uns die Leute noch lesen würden, wenn wir nur noch online zugänglich wären.»

Konferenz und Diskussion: Universität Miséricorde, Auditorium B, Freiburg. Di., 19. März, 18:30 Uhr. Konzerte: Tour Vagabonde, Thierryturm, Freiburg. Di., 19. März, 20 Uhr. Weitere Informationen unter: https://student.unifr.ch/spectrum

Zahlen und Fakten

Von Studierenden für Studierende

Das Magazin Spectrum der Universität Freiburg existiert in seiner heutigen Form seit 1958. Es gehört zu den ältesten Schweizer Zeit­schriften seiner Art. Für die Chefredaktion, die Verwaltung, das Marketing, das Layout und die Texte sind ausschliesslich Studierende verantwortlich. Im zweisprachigen Komitee von Spectrum sitzen 12 Studierende aus allen möglichen Studien­richtungen. Die Auflage des Magazins liegt aktuell bei 1500 Exemplaren. Spectrum erscheint drei Mal pro Semester und behandelt verschiedene Themen rund um das Studium, das Leben an der Uni und die zweisprachige Studentenstadt Freiburg.

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