Avenches 08.02.2020

Die Störche sind zurück

Im Nationalgestüt in Avenches sind bereits zehn Horste besetzt. Wie eine nationale Zählung zeigt, fliegen immer mehr Störche früh im Winter zurück. Die Männchen treffen zuerst ein und bessern die Horste aus.

Auf neun Horsten im Schweizer Nationalgestüt in Avenches hat sich bereits je ein Storch niedergelassen, auf einem Horst findet sich sogar schon ein Paar. Dies teilte Robert Schoop, Bereichsleiter Storch Schweiz, auf Anfrage mit. «Mit den elf gezählten Störchen ist rund ein Drittel eingetroffen.» Dass die Weissstörche bereits Anfang Februar über die Felder rund um Avenches stelzen und ihre Horste in Beschlag nehmen, bestätigt die schweizweite Tendenz der letzten Jahre: «Seit 2017 führen wir jeweils an einem Stichtag im Januar eine nationale Winterzählung durch. 2017 waren es 288 Störche, 2018 deren 361, 2019 konnten wir 371 Störche zählen und in diesem Jahr waren es 527 Weissstörche», sagte Robert Schoop.

Zu Beginn dieser Woche habe er Meldungen aus El Porcal in Spanien erhalten: «Dort gibt es eine grosse Lagune, die in den letzten Jahren insbesondere von Störchen genutzt wurde.» Unter den dortigen Störchen befänden sich auch solche aus Avenches. Um in die Schweiz zu kommen, nutzen die grazilen Vögel laut Schoop günstige und warme Winde. Störche seien Segler: «Sobald geeignetes Wetter eintrifft und das Klima über den Pyrenäen stimmt, werden sie in die Schweiz kommen.»

Eigene Wege

Aufgrund jahrelanger Beobachtungen der beringten Störche sei festzustellen, «dass die Storchenmännchen zuerst eintreffen und die Störchinnen etwa zwei Wochen später». Er habe immer wieder beobachten können, dass die Männchen sofort nach ihrer Ankunft mit der Ausbesserung des Horsts beginnen, erzählte Schoop. «In Vorträgen sage ich jeweils, sie würden den Horst zurechtmachen, damit ihre Damen sich bei der Ankunft darüber freuen können.» Dazu sammeln die Männchen Reisig, Moos und anderes Material.

Im Nationalgestüt werden die Paare gemeinsam ihre Jungen aufzuziehen. Während der restlichen Zeit des Jahres gehen Männchen und Weibchen eigene Wege: «Wir gehen davon aus, dass sich die Paare im Winterquartier und auf der Hin- und Rückreise nicht begegnen», erklärte Schoop weiter.

Der Notfallplan der Störche

Die frühe Rückreise aus Spanien ist kein Problem: «In milden Wintern wie in diesem Jahr haben die Störche ein gutes Nahrungsangebot.» Störche würden sich grossmehrheitlich von Mäusen ernähren. «Kälte bis minus 15 Grad macht ihnen nichts aus, und sie kommen auch einige Tage ohne Futter zurecht.» Bei längerem Dauerfrost, also bei mehr als fünf Tagen oder bei geschlossener Schneedecke «setzen sie ihren Notfallplan um und verreisen ins Rhonetal oder auch mal in die Zoos von Basel oder Zürich. Vom Zoo Basel hörten wir vor Jahren, dass bei einem Kälteeinbruch der Konsum von Futterfischen bei den Pinguinen rasant stieg, weil sich auch viele Störche dort bedienten.»

«Kälte bis minus 15 Grad macht Störchen nichts aus.»

Robert Schoop

Bereichsleiter Storch Schweiz