Kerzers 16.11.2016

Mageres Jahr für Getreideproduzenten

Ein Weizenfeld bei Tafers kurz vor der Ernte im August.
Gegenüber 2015 ist die Weizenernte dieses Jahr um 28 Prozent geringer ausgefallen. Auch die Erträge bei anderen Kulturen fallen mager aus. Nur der Raps gedieh prächtig. Doch er hat grosse Konkurrenz.

Dass 2016 ein enttäuschendes Jahr für die Weizen­ernte sein würde, stand bereits nach dem nassen Frühling fest: Dem Weizen ging es schlecht. Wegen des feuchten Wetters breiteten sich Pilzkrankheiten aus, und die Pflanzen erhielten weniger Licht, so dass sich die Körner nicht gut ausbilden konnten. An der 30. Delegiertenversammlung des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes (SGPV) in Kerzers von gestern hat Geschäftsführer Pierre-Yves Perrin nun Zahlen vorgelegt: Beim Weichweizen für Brot beträgt das Minus satte 28 Prozent. Das wirkt sich auf das Portemonnaie der Landwirte aus.

Probleme mit der Liquidität

Auch bei anderen Getreidesorten sowie bei Zuckerrüben, Kartoffeln und Sonnenblumen müssen sich die Landwirte wegen des nassen Frühlings mit Ertragseinbussen abfinden. Im Seebezirk ist der Anteil an Getreideanbau jedoch gering: «Viele bauen vor allem Kartoffeln und Zuckerrüben an», sagt Fritz Herren, Landwirt aus Lurtigen, an der Versammlung gegenüber den FN. «Doch auch diese Erträge sind teils massiv eingebrochen», so der Landwirt. Herren schätzt, dass dies bei den Bauern zu Problemen mit der Liquidität führen kann. Denn bereits die Ernte 2015 war kein Renner, und nun folgt ein weiteres Jahr mit einer schlechten Ernte: «Nochmals zwei schlechte Jahre wären zu viel für die Landwirte der Region», sagt Herren. Auch gibt er zu bedenken, «dass die Anbaubereitschaft zurückgehen könnte».

Entweder oder...

Wie es mit dem Getreideanbau in der Schweiz weitergeht, sei ein politischer und ein gesellschaftlicher Entscheid, sagte Fritz Glauser, Präsident des SGPV und Freiburger Grossrat aus dem Glanebezirk. «Wollen wir eine Schweizer Produktion mit all ihren Stärken und Schwächen?» Diese Frage stellte er an der Delegiertenversammlung in den Raum. Entweder werde die lokale Landwirtschaft unterstützt, oder die Lebensmittel werden zu möglichst tiefen Preisen importiert «und die Augen vor den Umwelt- und Sozialproblemen in den Produktionsländern verschlossen». Die Schweiz werde nie dieselben Produktionskosten erreichen können wie zum Beispiel grosse Getreidegebiete in Frankreich.

Von Importfutter abhängig

Die Futtergetreidefläche hat in der Schweiz in den letzten Jahren ständig abgenommen. In der Produktion von Geflügel- und Schweinefleisch setzt die Schweiz zu 60 Prozent Importfutter ein. Dies ist dem Jahresbericht des SGPV zu entnehmen. Der Verband will sich deshalb für eine glaubwürdige Umsetzung des Swissness-Markenschutzes einsetzen, wie Glauser ausführte. Die Frage stelle sich, wie den Konsumenten erklärt werden könne, dass die Schweizer Fleischproduktion von Importfutter abhängig ist. Es würde immer öfter Kraftfutter und nicht Getreide eingeführt. «Was ist mit den Arbeitsplätzen in den Sammelstellen und Futtermittel-Fabriken?», fragt Glauser in seiner Rede in die Runde.

Nur Raps gedieh prächtig

Im Gegensatz zu anderen Kulturen hat sich Raps dieses Jahr gut geschlagen und unter dem Regen wenig gelitten. Doch beim Raps gibt es ein anderes Problem für die Bauern: Das Palmöl-Freihandelsabkommen mit Malaysia, welches die Schweizer Rapsölproduktion in Bedrängnis bringen könnte. Der SGPV setzt sich dafür ein, dass das Palmöl aus den laufenden Verhandlungen ausgeschlossen wird.

Palmöl bedroht Rapsöl

Im Anschluss an die Geschäfte der Delegiertenversammlung präsentierten Johanna Michel und Lukas Straumann vom Bruno Manser Fonds die Auswirkungen des Palmölanbaus in Malaysia. Auch deshalb dürfe es keinen Freihandel für Palmöl geben, so der SGPV. «Erst recht nicht, weil dieser zusätzlich die Schweizer Rapsproduzenten, Sammelstellen und Ölmühlen bedroht», ist den Unterlagen des SGPV zu entnehmen. Zudem würden Raps wie auch die Sonnenblumenkulturen als Fruchtfolgen wegfallen, welche heute jedoch einen guten Ausgleich zu Getreide und Mais schaffen.

Zahlen und Fakten

Kein Glyphosat in Getreideproben

Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) hat Raps- und Getreideproben aus zehn verschiedenen Sammelstellen auf den Wirkstoff Glyphosate untersucht, wie SGPV-Geschäftsführer Pierre-Yves Perrin an der gestrigen Delegiertenversammlung in Kerzers ausführte. Glyphosat wird als Unkrautbekämpfungsmittel eingesetzt und ist stark umstritten. Das Resultat der Analyse: «In keiner der Proben konnten Glyphosatrückstände festgestellt werden», erklärte Perrin. Das Resultat soll der Bevölkerung beweisen, dass die Schweizer Landwirtschaft Lebensmittel ohne Glyphosatrückstände bereitstellt und deshalb einen Mehrwert schafft.

emu
«Wollen wir eine Schweizer Produktion mit all ihren Stärken und Schwächen?»

Fritz Glauser

Präsident SGPV