Tentlingen 31.07.2020

Kinder engagieren sich gegen Littering

Mira, Erin und Ron bei der Arbeit: Sorgfältig suchen sie den Boden nach Abfällen ab und sammeln diese anschliessend ein.
Zum zweiten Mal sammelten Kinder aus Granges-Paccot und Marly an der Ärgera Abfall. Sie möchten aus Eigeninitiative damit den Tieren helfen und einen eigenen Beitrag im Kampf gegen das Littering leisten.

«Rettet die Natur» steht gross auf einem A4-grossen Hinweisschild am Ufer der Ärgera in Tentlingen. Darunter die Bitte, den eigenen Müll nicht in die Natur zu werfen, sondern ihn wieder mitzunehmen.

Diese kleinen Hinweise wurden von Ron, Mira und Erin Grauwiller aus Granges-Paccot sowie Amélie Mäder aus Marly gebastelt. Die Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren wollen damit einen Beitrag leisten, dass Abfall im Mülleimer und nicht in der Natur landet. Unterstützt durch Noa Grauwiller, die grosse Schwester von Ron, Mira und Erin, laufen die Kinder der Ärgera entlang auf und ab. Mit weissen Handschuhen tasten sie das Bachbett ab und bringen Unmengen an Müll zum Vorschein. «Wir haben gerade Essensresten, Flaschenkorken und einen Luftballon gefunden», sagt Erin, während sie den Boden absucht. «Beim letzten Mal waren es Aludosen, Plastikverpackungen, Karton und viele Zigaretten», ergänzt der siebenjährige Ron. Beide können nicht verstehen, warum Menschen ihren Müll einfach liegen lassen.

Kein Verständnis für Littering

Von allen Seiten kommen die Kinder aus dem Wald und aus dem Bachbett – die Hände voller Bierflaschen, Getränkedosen und Plastik. Obwohl sie schon vor einigen Tagen bei der Stersmühle Abfall eingesammelt haben, finden sie erneut kiloweise Hinterlassenschaften von Freizeitausflüglern. Das stösst bei Ron auf kein Verständnis. «Sie schaden damit den Tieren – und Tiere habe ich sehr gerne», sagt er betrübt.

Auch Erin liegen die Tiere am Herzen. Sie wollte eigentlich auf den Feldern in ihrer Wohngemeinde Granges-Paccot nach Tieren suchen. Gefunden hat sie vor allem Abfall. «Wir haben gedacht, dass das nicht geht und wir es den Leuten sagen müssen», sagt sie. Das haben die drei Geschwister und Amélie dann auch getan: Sie setzten sich an den Computer und verfassten einen eigenen Zeitungsartikel. Nachdem Mutter Tina Grauwiller einige Schreibfehler korrigiert hatte, schickten sie den Bericht an die FN, die ihn am 25. Juli als Leserbrief veröffentlichten. Darin berichten sie vom Müll, den sie in der Natur gefunden und entsorgt haben. Ausserdem berichten sie davon, dass sie an der Ärgera selbst gemachte Plakate aufgehängt haben, um die Leute auf die Pro­blematik hinzuweisen. Der letzte Satz des Leserbriefes ist eine Aufforderung: «An alle, die den Müll weggeworfen haben: Schämt euch!»

«Wir machen das nochmals»

Mira (9) achtet seitdem überall auf herumliegende Sachen, die eigentlich in die Tonne gehören. «Ich sammle auf der Strasse viel auf und schmeisse es in den Abfallkübel.» Dies aber nur, wenn sie Zeit habe. «Wenn ich auf dem Schulweg zu spät dran bin, kann ich das leider nicht machen.» Sie hat eine Lösung, um die Abfallproblematik in den Griff zu kriegen: «Die Leute sollen weniger Verpackungen kaufen. Jeder soll sich selber an der Nase nehmen und etwas ändern.»

Die beiden Sammelaktionen der letzten Tage seien nicht die letzten gewesen. «Wir werden das definitiv noch öfter machen», sagt Erin. «Wir treffen uns ein- bis zweimal pro Monat und sammeln für etwa eine halbe Stunde Abfall – hier an der Ärgera oder in Granges-­Paccot.» Auch ausserhalb der Familie werden zusätzliche Helfer mobilisiert, wie Mira ergänzt: «Ich frage meine Freundinnen, ob sie helfen wollen, und Ron fragt seine Freunde.»

Dass die Kinder das Thema so ernst nehmen, findet Tina Grauwiller gut. «Wir sprechen zu Hause viel darüber und versuchen auch, so weit es geht, keine Plastikverpackungen zu kaufen.» Auch sie empfinde es als unanständig, dass sich viele darum foutieren und den Abfall einfach liegenlassen.

Bei der Aktion an der Ärgera war die Ausbeute gross. Neben kleinen Zigarettenstummeln sammelten die Kinder Plastikresten, Dosen, Bierflaschen, Metallteile und Glasscherben ein. Sogar ein Schuh fand den Weg in den gut gefüllten Abfallsack der Kinder, die mit ihrem Engagement einen Beitrag im Kampf gegen das Littering leisten.