Freiburg 14.09.2017

«Der Konflikt mit Jordan war ein Tiefpunkt»

Jérôme Hayoz.
Jérôme Hayoz legt nach vier Jahren sein Amt als Präsident der SP Stadt Freiburg nieder. Er zieht Bilanz.

Während vier Jahren war Jérôme Hayoz Präsident der SP Stadt Freiburg. Er tritt nun zurück, da er künftig in Zürich arbeitet und pendeln wird. Dies werde viel Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Deutschfreiburger an der Generalversammlung der städtischen SP. Er bleibe jedoch ein aktives Mitglied der Partei und im Generalrat. Die FN haben ihn zu seiner Zeit als Präsident befragt.

Jérôme Hayoz, was waren für Sie die besten Momente der letzten vier Jahre als Präsident der städtischen SP?

Die Wahlen waren ein grosses Highlight für mich. Wir konnten kommunal unseren Wähleranteil um sechs Prozentpunkte steigern. Auch bei den kantonalen Wahlen haben wir ein solides Resultat erreicht und unsere Position verteidigt. Zusätzlich hat es mich sehr gefreut, dass unser Parteikollege Jean-François Steiert in den Freiburger Staatsrat gewählt wurde. Meine vierjährige Präsidentschaft war von grossen Kampagnen bestimmt. Gerade die Wahlperioden bleiben mir am positivsten in Erinnerung.

Welche Tiefschläge haben Ihre Präsidentschaft geprägt?

2015 war ein schwieriges Jahr. So war die Versammlung, an der wir die Kandidatinnen und Kandidaten für den Freiburger Gemeinderat nominiert haben, eine Zerreissprobe. Dominique Jordan, die als mögliche Kandidatin aufgelistet war, wurde persönlich angegriffen und trat deswegen später aus der Stadtsektion aus. Wir wollten während einer Parteiversammlung einen transparent gestalteten Auswahlprozess mit einer offenen und fairen Diskussion zu Ende führen, was leider nicht funktionierte. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich die Versammlung anders hätte gestalten sollen.

Bebte dieses Ereignis innerhalb der Partei noch lange nach?

Wir haben diese Angelegenheit danach intern geklärt. Doch war für mich als Präsident auf persönlicher Ebene die Situation schwierig, besonders gegenüber Dominique Jordan. Noch heute geht mir dieser Konflikt nahe.

Wie sehen Sie die Zukunft der SP Stadt Freiburg?

Zum einen wird die Grossfusion der Freiburger Gemeinden viel Arbeit und Diskussionen bringen, wie sich an der Versammlung zeigte. Aber auch sonst beschäftigen momentan viele politische Themen die Partei, wie beispielsweise die Neugestaltung des Burgquartiers und des Bahnhofsplatzes. Es ist wichtig, dass die SP bei solchen Angelegenheiten der öffentlichen Agenda präsent ist. Sie muss ihren Platz einnehmen und sich positionieren, um auch von der Bevölkerung wahrgenommen zu werden. Im Grundsatz sind wir auf die Zukunft gut vorbereitet, besonders mit dem neuen Vorstand, der aus guten und jungen Leuten besteht. Mathieu Loup, der meine Präsidentschaft übernimmt, ist ein engagierter Politiker, der die SP Stadt Freiburg gut führen wird.

Was geben Sie Mathieu Loup mit auf seinem Weg als neuer Präsident der SP Stadt Freiburg?

Er soll sich nicht zu sehr stressen lassen! (Lacht.) Bei den Versammlungen nehmen immer mindestens 30 Leute teil, so kämpft man als Präsident mit 30 unterschiedlichen Meinungen, wie man seine Arbeit zu machen hat. Dies gehört aber einfach zum Amt des Präsidenten dazu. Man darf sich wirklich nicht zu sehr unter Druck setzen lassen und sollte versuchen, die eigenen Pläne durchzuziehen. Sollte man einen Fehler begehen, ist es wichtig, zu diesem zu stehen.

Welcher Punkt auf der Agenda sollte Loup direkt zu Beginn anpacken?

Innerhalb der Partei muss unbedingt die Kommunikation verbessert werden. Schon während meiner Amtszeit habe ich versucht, dieses Defizit zu beheben, was sich aber als eine sehr schwierige Aufgabe herausstellte. Doch sollte sie vom neuen Präsidenten ernst genommen werden, denn in diesem Bereich kann unsere Partei noch viel lernen.