FREiburg 10.11.2017

Die heissen Anwärter bei den Grünen

Sylvie Bonvin-Sansonnens und Gerhard Andrey von den Grünen haben ihr Interesse für das Staatsratsmandat deponiert.

Wer wird wohl auf Staatsrätin Marie Garnier folgen? Einen Tag nach ihrem angekündigten Rücktritt brennt diese Frage unter den Nägeln. Und wer gedacht hat, dass sich die Grünen mit Marie Garnier ausgeschossen haben, der täuscht sich. An Optionen fehlt es der Partei nämlich nicht. An einer erweiterten Vorstandssitzung haben zwei Parteimitglieder ihr Interesse für den Ende April frei werdenden Staatsratssitz angekündigt: Grossrätin Sylvie Bonvin-Sansonnens und der Vizepräsident der Grünen Schweiz, Gerhard Andrey. Für Bonvin ist es unabdingbar, dass wieder eine Frau in den Staatsrat kommt, wie sie gegenüber den FN betonte. Die 46-jährige Meisterlandwirtin aus dem Broyebezirk ist auch der Ansicht, dass die Landwirtschaft im Staatsrat vertreten sein muss. «Als Fraktionspräsidentin von Mitte-links-Grün im Grossen Rat kenne ich mich zudem gut im politischen Milieu aus.»

Der 41-jährige Gerhard Andrey aus Granges-Paccot ist im Kanton weniger wegen seinem politischen Portfolio bekannt, sondern eher als Mitgründer und Partner der Freiburger IT-Firma Liip. 2010 ist der gebürtige Sensler bei den Freiburger Grünen in die Politik eingestiegen, heute ist er Vizepräsident der Grünen Schweiz. Bei den Nationalratswahlen 2015 erzielte er auf der Liste der Grünen das beste Ergebnis. «Es stimmt, dass ich keine Legislativ- und Exekutiv­erfahrung habe», so Andrey. «Ein Nachteil ist auch, dass ich keine Frau bin.» Gefragt sein könnte er aber in Bezug auf die im Legislaturprogramm angekündigte Digitalisierung des Kantons. «Das Thema berührt meine Kernkompetenz.» Seit Jahren beschäftigt sich Andrey auch mit strukturellen Fragen etwa zu Transparenz und partizipativen Beteiligungsmöglichkeiten in grossen Netzwerken und vielschichtigen Unternehmen. «Die Behörden kommen heute an ihre organisatorischen Grenzen. Ich könnte dabei mein Wissen einbringen.»

Noch sind die Kandidaturen von Bonvin und Andrey aber nicht in Stein gemeisselt. In Gesprächen mit dem Parteivorstand müssten die persönlichen und die politischen Aspekte einer möglichen Kandidatur abgeklärt werden, sagen beide. Gemäss Bruno Marmier, Präsident der Kantonalpartei, erfolgt zudem noch ein formeller Aufruf zur Kandidatur. «Wir werden uns auch noch mit der SP und der Mitte links – CSP treffen, um die Allianzfrage zu erörtern.» Die Nominierung findet am 12. Dezember statt.

Andere Parteien im Gespräch

Nach dem überraschenden Rücktritt von Marie Garnier machen sich auch die anderen Parteien langsam Gedanken darüber, ob und wie sie wen in die Ersatzwahl schicken wollen, die vermutlich am 4. März 2018 stattfinden wird. Eingabefrist für die Listen ist der 22. Januar. Interessiert an einem Sitz sind die SVP und die FDP. SVP-Präsident Ruedi Schläfli wollte noch keine Namen nennen. Als potenzielle Kandidaten werden aber Katharina Thalmann-Bolz, Grossrätin aus dem Seebezirk, und Pierre-André Page, Nationalrat aus dem Glanebezirk, gehandelt. Beide haben es schon einmal respektive zweimal in den Staatsrat versucht, schlagen eine erneute Kandidatur aber nicht komplett aus. Der Stadtfreiburger Stéphane Peiry, der bei den letzten Staatsratswahlen scheiterte, will es sich ebenfalls noch einmal überlegen. Herumgeboten wird auch der Name Nicolas Kolly, Grossrat aus dem Saanebezirk.

Gemäss FDP-Präsident Sébastien Dorthe will seine Partei bis vor Weihnachten ihre Kandidierenden kommunizieren. Grossrat Peter Wüthrich, Ex-Kandidat aus dem Broyebezirk, Grossrätin Nadine Gobet und Grossrat Didier Castella aus dem Greyerzbezirk sind an einer Kandidatur interessiert, wie sie gegenüber den FN sagten.

Auch die SP sieht bei sich Potenzial für eine mögliche Kandidatur, wie Parteipräsident Benoît Piller sagte. Und zwar sowohl bei ihren Grossräten als auch bei den Vertreterinnen und Vertretern in Bundesbern. Gedanken macht sich unter anderen Nationalrätin Valérie Piller Carrard aus dem Broyebezirk, wie sie sagte.

Die CVP peilt zwar keine eigene Kandidatur an, will aber «aktiv im Wahlkampf mitmischen», wie Parteipräsident André Schoenenweid auf Anfrage betonte. Ob es erneut zu einer grossen bürgerlichen Allianz mit der SVP kommen werde, sei indes noch offen.