Bern 09.11.2017

Der hiesige Zucker kommt gut weg

Süsses Gebäck gehört zu jenen Lebensmitteln, die als nicht besonders gesund gelten. Schmecken tun sie dennoch.
Der ökologische Fussabdruck von Schweizer Zucker soll laut einer Studie der Firma EBP aus Zollikon wesentlich geringer sein als jener von Zucker aus der EU. Insbesondere die hohen Erträge pro Hektare in der Schweiz führen zu diesem Ergebnis.

In der Rübelitorte, in Donuts, aber auch in Corn Flakes und im Joghurt: Überall ist bekanntlich Zucker drin. Ein Drittel des Zuckers in der Schweiz stammt aus dem Ausland. Eine aktuelle Studie zeigt nun auf, dass Schweizer Zucker im Vergleich zu Zucker aus der EU die Umwelt um etwa 30 Prozent weniger stark belastet. Die Schweizer Zucker AG hatte die Firma EBP aus Zollikon mit der Untersuchung beauftragt und stellte die Ergebnisse gestern in Bern vor. Vor Ort waren Vertreter des Bundes, des Bauernverbandes, des Detailhandels wie auch Vertreter der Vereinigung für Zuckerrübenbau und von Soft-Drink-Produzenten.

Die ganze Produktionskette

In der Studie haben die Forscher den Umweltfussabdruck von konventionellem Schweizer Rübenzucker mit jenem aus der EU verglichen. Im Fokus standen der landwirtschaftliche Anbau der Zuckerrüben, die Herstellung von Zucker in der Fabrik und die Transporte der Knollen in die Fabrik sowie des Zuckers zu den Kunden. Das Fazit: Schweizer Zucker steht umwelttechnisch besser da als EU-Zucker. Zu diesem Ergebnis habe insbesondere der Ertrag pro Hek­tare beigetragen, erklärte Andy Spörri von EBP. «Der Ertragswert ist beim Anbau von Zuckerrüben entscheidend für den ökologischen Fussabdruck.» Durchschnittlich könne ein Schweizer Bauer pro Hektare 81 Tonnen ernten, ein Landwirt aus der EU hingegen nur 75 Tonnen. Das bedeutet, dass die Schweizer weniger Land für die Produktion von Zucker benötigen und somit quasi weniger Natur verbrauchen. Der Grund dafür liege einerseits im Klima und andererseits in der guten Arbeit der Landwirte. Dies zeige sich auch bei der Düngung: Hierzulande werde im Vergleich zur EU mehr Hofdünger wie Gülle und Mist anstelle von Mineraldüngern eingesetzt. Dadurch seien die Umweltbelastungen geringer.

Würde ein Landwirt nun weniger Pestizide einsetzen, würde dies nicht zwingend zu einer besseren Ökobilanz führen, da sich der Ertrag vermutlich verringern würde, erklärte Spörri auf eine diesbezügliche Nachfrage aus dem Plenum.

«Der Rübenanbau und die Fabriken machen 95 Prozent des ökologischen Fussabdrucks aus», erklärte Spörri. Ein weiterer entscheidender Punkt für das Ergebnis sei deshalb die Zuckerausbeute in den beiden Schweizer Fabriken. «Die Energieeffizienz in den Schweizer Fabriken ist besser als in der EU», sagte Spörri. Umweltverträgliche Energieträger kämen hierzulande mehr zum Zug.

Spörri betonte, dass die Studie von unabhängiger Stelle geprüft, für gut befunden worden sei und den internationalen Standards entspreche.

EU erhöht Anbaufläche

Seit diesem Jahr ist die Produktionsmenge von Zucker in der EU nicht mehr begrenzt. Laut Guido Stäger, CEO der Zucker AG, bauten die Landwirte in der EU seit diesem Jahr auf einer um 20 Prozent grösseren Fläche Zuckerrüben an. «Die grössere Menge Zucker führt zu tiefen Preisen», befürchtet Stäger. Hansjörg Walter, Verwaltungsrats-Vizepräsident Schweizer Zucker AG, sagte, dass der Detailhandel und die Konsumenten immer mehr Nachhaltigkeit forderten. Wie die Studie nun zeige, schneide Schweizer Zucker in dieser Beziehung deutlich besser ab.

«Grundsätzlich hat der Schweizer Zucker seinen Wert und seine Kosten», sagte Stäger, «und Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Verkaufsargument.» Keine Pflanze binde so viel CO2 wie die Zuckerrübe, sagte Walter. «Die Schweiz weist eine gute Klimazone mit wunderbaren Böden für den Anbau von Zuckerrüben auf», fügte Andy Spörri an. Sie sei ein ideales Land für die Pflanzer der süssen Knollen.

Nun ist aber die Bereitschaft der Landwirte, Zuckerrüben anzupflanzen, in den letzten Jahren gesunken. Dazu sagte CEO Guido Stäger: «Wenn nun alle nachhaltigen Schweizer Zucker kaufen, können wir den Bauern mehr bezahlen.» Dann bauten sie auch wieder mehr an.

Rübenpflanzer

Ein gutes Jahr, aber kein Rekord

Es ist wie jeden Herbst: Zurzeit sind auf den Stras­sen des Freiburger und Berner Seelandes zahlreiche Traktoren mit Anhängern unterwegs. Sie haben Zuckerrüben geladen, die sie in die Zuckerfabrik nach Aarberg bringen. Die Ernte 2017 ist nicht schlecht dieses Jahr, sagt Adrian Kramer, Zuckerrübenproduzent aus Büchslen: «Sie ist gut – aber weil der Regen im Juli ausgeblieben ist, sind die Knollen nicht ganz so gross, wie sie hätten sein können.» 2017 sei schon ein gutes Jahr, «aber wenn mehr Regen gefallen wäre, wäre es ein Rekordjahr geworden.»

Laut dem letzten Bericht der Schweizer Zucker AG läuft es inzwischen gut mit dem Transport der süssen Knollen in die Fabriken in Aarberg und Frauenfeld: Nach turbulenten Startwochen würden die Rübentransporte unterdessen in geordneten Bahnen verlaufen.» Vereinzelte Probleme mit faulen Rüben hätten sie aufgefangen können. Bisher hätten in den beiden Fabriken 680 000 Tonnen konventionelle Rüben verarbeitet werden können. Die Zuckergehalte seien in der Ostschweiz von anfänglichen Tiefstwerten unterdessen auf 17,8 Prozent angestiegen. In der Westschweiz liegen die Werte die dritte Woche in Folge knapp unter 19 Prozent.

In der Schweiz pflanzen rund 5800 Bauern auf 20 000 Hektaren Zuckerrüben an. Im Kanton Freiburg sind es rund 400  Landwirte, die auf die süssen Knollen setzen. Sie bauen die Rüben auf rund 1400 Hektaren an und ernten jährlich rund 100 000 Tonnen. Neben dem Richtpreis beeinflusst der Zuckergehalt der Zuckerrüben den Preis, den die Bauern erhalten.

emu