Schwarzsee 19.06.2017

Auf den Spuren des Wolfes wandern

Einen lebenden Wolf bekamen die Wanderer zwar nicht zu Gesicht, dafür aber jede Menge Anschauungsmaterial.
Über den Wolf informieren, wo dieser zu Hause ist: Das Naturhistorische Museum Freiburg und das kantonale Amt für Wald, Wild und Fischerei haben vergangenen Samstag zu einer Themenwanderung auf die Riggisalp bei Schwarzsee eingeladen.

In der vergangenen Woche hat der Wolf im Kanton Freiburg und weit darüber hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Aus unschönem Anlass: Bei Jaun wurde vor zehn Tagen eine tote Wölfin entdeckt. Vieles weist daraufhin, dass das Tier vergiftet worden ist; Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei ermitteln. Im Rahmen der Sonderausstellung «Wolf – wieder unter uns» beschäftigt sich derzeit auch das Naturhistorische Museum Freiburg mit dem geschützten Grossraubtier. Gemeinsam mit dem kantonalen Amt für Wald, Wild und Fischerei hat das Museum am Samstag in Schwarzsee eine Themenwanderung durchgeführt, um die Freiburger Bevölkerung besser mit dem polarisierenden Tier vertraut zu machen.

Von Prämien und Strafen

Zwischen der Bergstation Riggisalp und der Talstation Schwarzsee wanderten so bereits kurz nach Betriebsbeginn des Sesselliftes zahlreiche Ausflügler auf den Spuren des Wolfes. Wildhüter und Biologen vermittelten ihnen dabei interessante Einblicke in das Leben einer Spezies, die vor 180 Jahren im Begriff war, für immer aus Freiburg zu verschwinden. «1837 wurde bei Riaz der letzte Wolf geschossen», erklärte Wildhüter Pascal Balmer den Besuchern.

Würden einem Wilderer für eine solche Tat heute bis zu drei Jahre Freiheitsentzug drohen, durfte sich der Jäger von Riaz über eine Prämie von 200 Franken freuen. «Die Wolfsjagd hatte in Freiburg eine lange Tradition», so Balmer. Seit dem 15. Jahrhundert wurden immer wieder Abschüsse dokumentiert. Und dies nicht nur im Voralpengebiet: Auch im unteren Sensebezirk und im Seebezirk ging es dem «Canis lupus» an den Kragen. «Zusätzlich verstärkt wurde die Jagd auf den Wolf durch die Kirche, die das Raubtier lange Zeit verteufelte.»

Nicht identifiziert

Dass sich die Wildtierbestände in der Schweiz – nachdem sie sich in den letzten hundert Jahren stark erholen konnten – heute einer neuen Blüte erfreuen, ist dem Wolf nicht verborgen geblieben. Von Italien her findet er deshalb seit Ende der 1990er-Jahre den Weg zurück in die Schweiz – und auch zurück in die Region Gantrisch/Schwarzsee. 2007 wurde eine erste Wölfin im Gebiet gesichtet. Und in diesem Jahr hat man auf Freiburger Boden bislang drei Wölfe registriert: Das Paar F13 und M64 sowie ein nicht identifiziertes Individuum, welches im Frühjahr durch die Agglomeration von Bulle irrte und seither wohl weitergezogen ist.

Vergifteter Wolf gibt zu reden

«Die Analysen im Labor von Lausanne sind in vollem Gang», sagte Wildhüter Elmar Bürgy auf die Frage eines Besuchers, ob die tote Wölfin von Jaun bereits identifiziert worden sei. «Noch wissen wir nicht, ob es F13 ist.»

Die Analysen könnten mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Bekannt sei hingegen, dass das gefundene Wolfsweibchen wohl zwischen vier und acht Jahre alt gewesen sei. «Das konnte am Gebiss festgestellt werden», erklärte Bürgy anhand eines Wolfsschädels. Besonders Respekt einflössend: die messerscharfen Fangzähne, die das Gebiss des bis zu 50 Kilogramm schweren Raubtieres zieren.

«Die beste Lösung»

«Auf der Jagd schlägt der Wolf die Zähne in die Drossel seiner Beute und reisst dabei ein Stück der Luftröhre raus», wusste Biologe Elias Pesenti seinen Zuhörern lebhaft zu schildern. Der Todeskampf ende innert weniger Sekunden. «Von seiner Beute nutzt der Wolf fast alles.» Müsse er sie aber zurücklassen, profitierten andere Tiere davon: Aasfresser wie der Gänsegeier oder der Kolkrabe etwa. Die Hauptnahrungsquelle des Wolfes sind Schalenwildtiere. Bietet sich ihm die Gelegenheit, greift er aber auch Schafe und Ziegen an. «Letztes Jahr hatten wir rund 30 Nutztierrisse auf dem Kantonsgebiet zu verzeichnen», erklärte Wildhüter Bürgy: «Allesamt auf Alpen, die zur Zeit des Angriffs ohne Herdenschutzhund waren.»

Plädoyer für Schutzhunde

Seit 2008 züchtet und bildet Anton Brügger solche Herdenschutzhunde aus. Er sei überzeugt, dass Nutztiere auf Weiden durch die Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär wieder mehr Schutz brauchen: «Auf unwegsamen Alpen können nur Herdenschutzhunde diesen Schutz effizient bieten. Sie sind die beste Lösung.» Unbekanntes im Umfeld der Herde wird von den imposanten Tieren misstrauisch begutachtet und mit lautem Bellen möglichst ferngehalten, was Wanderern immer wieder sauer aufstösst. «Es ist wichtig, dass die Hunde gut sozialisiert werden», sagt Brügger dazu. «Bei der Herde müssen sie aber auch ihren Job erledigen.» Für die Schutzhundelösung brauche es deshalb das Verständnis von allen Alpbenutzern. «Halten sich die Wanderer an die Empfehlungen des Herdenschutzes, dann passiert ihnen auch nichts.»

Fakten

Die Herde im Zweifel immer umgehen

Auf Menschen können Herdenschutzhunde bedrohlich wirken. Auf ihrer Homepage (www.herdenschutzschweiz.ch) erklären Herdenschutzverantwortliche deshalb, wie Wanderer mit einer geschützten Herde umgehen sollen. Wenn Schutzhunde Wanderer auch nach längerer Zeit noch anbellen und ihnen den Weg versperren, wird empfohlen, die Herde ruhig und in grossem Abstand zu umgehen oder – im Zweifelsfall – eine neue Route zu wählen.

mz

 

«Verstärkt wurde die Wolfsjagd durch die Kirche, welche das Tier lange Zeit verteufelte.»

Pascal Balmer

Wildhüter