Bösingen 14.02.2018

Bösingen vermisst die Asylbewerber

Als schweizweite Premiere sind ab April 2016 in Bösingen Asylsuchende als Lotsen eingesetzt worden.
Die Asylunterkunft in Bösingen wird Ende April geschlossen. Die Gemeinde, die eine sehr positive Bilanz zieht, wird damit vor ein akutes Problem gestellt: Von heute auf morgen fehlen die freiwilligen Patrouilleure.

«Alles ist sehr gut gelaufen, wir hatten nie irgendwelche Probleme.» Der Bösinger Ammann Louis Casali zieht eine sehr positive Bilanz über den Betrieb der befristeten Asylunterkunft Bösingen. Diese war am 1. November 2015 eröffnet worden und wird nun Ende April 2018 geschlossen, wie die Direktion für Gesundheit und Soziales mitteilt. Im Erstaufnahmezentrum mit 50 Plätzen waren in dieser Zeit 194 Personen aus 29 Nationen untergebracht.

«Der Sensebezirk besteht nicht nur aus Giffers.»

Louis Casali

Ammann Bösingen

Jegliche Bedenken, die vor der Eröffnung im Raum standen, etwa die Nähe zur Schule, seien entkräftet worden. «Wir hatten eine gute Begleitgruppe, die viel mit den Bewohnern der Asylunterkunft unternommen hat und so zum guten Gelingen beigetragen hat», erklärt der Syndic. «Es war ein gutes Mit- und Nebeneinander.» So hätten die Asylbewerber etwa die Turnhalle nutzen dürfen, hätten diese im Gegenzug auch gereinigt. «Wir haben Staatsrätin Anne-Claude Demierre gesagt, dass sie ein nächstes Mal wieder bei uns anklopfen kann.»

Negatives Bild korrigiert

Bösingen habe mit der Bereitstellung der Zivilschutzanlage als Asylunterkunft einen Beitrag zur Bewältigung der tragischen Flüchtlingskrise leisten können, schreibt der Gemeinderat im Gemeinde-Infoblatt. «Die Gastfreundschaft unserer Gemeinde wurde eindrücklich unter Beweis gestellt.» Für Louis Casali zeigt diese Erfahrung, dass der Kontakt mit Asylbewerbern nicht zwingend negativ sein müsse. «Der Sensebezirk besteht nicht nur aus Giffers», betont er mit dem Hinweis auf die kritischen Stimmen, die im Zusammenhang mit dem Bundesasylzentrum Guglera gefallen sind, das Anfang April aufgehen soll.

Mit dem Einsatz von Asylsuchenden als Verkehrspatrouilleure wollte die Gemeinde das negative Bild, das der Sensebezirk nach aussen abgegeben hat, ein wenig korrigieren. Als schweizweites Pilotprojekt sind in Bösingen ab April 2016 Bewohner des Asylzentrums an den drei Fussgängerstreifen im Dorfzentrum gestanden und haben dafür gesorgt, dass die Schülerinnen und Schüler sicher über die Strasse kommen (die FN berichteten). Die Polizei habe bei diesem Einsatz bereitwillig mitgemacht und trotz der vielen Wechsel mit den Neuankömmlingen regelmässig Schulungen durchgeführt.

Keine Überraschung

Dass das Asylzentrum früher oder später zugehen wird, war für die Gemeinde keine Überraschung. Wie Louis Casali sagt, war die Gemeinde während der ganzen Phase regelmässig in Kontakt mit allen Partnern und den kantonalen Behörden. Als aufgrund des allgemeinen Rückgangs der Asylgesuche das Zentrum Düdingen Ende September 2017 geschlossen wurde, war es eine Frage der Zeit, bis auch Bösingen zumachen würde.

«Was wir nicht bedacht haben, ist, dass wir damit auch unsere Lotsen verlieren», erklärt er. Die Gemeinde sei davon ausgegangen, auf Ende März eine Lösung zu finden. «Wir haben nicht daran gedacht, dass das Zentrum schrittweise aufgelöst wird und dass bereits jetzt nicht genügend Bewohner mehr da sind, um den Dienst am Zebrastreifen zu übernehmen.» Immerhin haben die Asylbewerber zwischen 20 und 30 Lotsendienste pro Woche übernommen, jeweils zusammen mit einem Patrouilleur aus dem Dorf. Vor zehn Tagen habe die Leitung des Asylzentrums der Gemeinde nun mitgeteilt, dass nicht mehr genug Leute da seien. «Wir mussten kurzfristig nach Lösungen suchen. Unser Schulpräsident hat die Eltern angeschrieben, in der Hoffnung, dass wir die Lücken auf diese Weise schliessen können.»