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72 Jahre Schuhmacher aus Leidenschaft

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Seit über 20 Jahren ist Werner Schwab pensioniert. Noch immer flickt der rüstige Schuhmacher jeden Mittwochmorgen in seiner Werkstatt in Kerzers Schuhe. Aus purer Leidenschaft für seinen Beruf.

Werner Schwab schaltet die Schleifmaschine ein. Der Motor fängt an zu heulen und die Räder mit den Schleifbändern drehen auf Hochtouren. Schwab nimmt eine Sandale zur Hand und fräst mit den vorstehenden Metallspitzen einer Rolle, die links aussen an der Maschine sitzt, sorgfältig fünf parallele Rillen in den Absatz. Diese verstärken die Haftung des Schuhs beim Gehen. Zuvor hat Werner Schwab das abgelöste Fussbett des Sandalenpaars wieder fest verleimt, eine frische Aussensohle aufgezogen und diese passgenau geschliffen. Er wendet die fertige Sandale von oben nach unten und betrachtet seine Arbeit. «Sieht aus wie neu», meint er und lächelt zufrieden.

Freude an der Arbeit

Werner Schwab ist 88-jährig und eigentlich seit mehr als 20 Jahren pensioniert. Das eigene Schuhgeschäft in Kerzers übergab er 2001 an seine Tochter Regula, doch die Werkzeuge hat er bis heute nicht aus der Hand gelegt. Der passionierte Schuhmacher repariert und poliert jeden Mittwochmorgen in seiner Werkstatt unverdrossen Schuhe aller Art. «Ich habe noch immer Freude an der Arbeit, sonst würde ich es nicht mehr tun», erklärt er und seine Augen leuchten vor Leidenschaft für einen Beruf, den er mit Beginn seiner Lehre vor 72 Jahren auszuüben begonnen hat.

An diesem Morgen hat er neben den Sandalen ein Paar lederne Herrenstiefel, vier Freizeitschuhe und einen Kunststoff-Schlappen zu flicken. Bei den meisten Schuhen sind die Absätze abgelaufen oder die Sohle muss erneuert werden. Werner Schwab hat für die unterschiedlichen Schuharten verschiedene Absätze auf Lager, ebenso wie Sohlenmaterialien, die er auf die jeweilige Schuhform zuschneidet.

Sohlen und Absätze verleimt er heute ausschliesslich. «Dank den modernen Flüssigklebern braucht es keine Nägel mehr, damit eine neue Sohle am Schuh auch wirklich hält.» Der Leim tut seinen Dienst übrigens auch beim abgerissenen Riemen des Schlappens. Etwas mühsam sei einzig, dass er die alten Leimreste von der Innensohle wegkratzen müsse, sonst könne der frische Kleber nicht richtig haften, wie Werner Schwab anmerkt.

Militär als Kunde

Neben Privatpersonen zählt auch das Militär zu seiner regelmässigen Kundschaft. Letztes Jahr erhielt der Schuhmacher rund 200 Paar Stiefel zum Reparieren. Meistens sind die Absätze abgelaufen oder die Haken für die Schuhbändel ausgerissen. Während er davon erzählt, wie er den Stiefeln zu einem zweiten Leben verhilft, öffnet er eine schmale Schublade im Regal gegenüber der Schleifmaschine und holt eine Militärschokolade hervor. «Manchmal bekomme ich von den Soldaten, die mir die Schuhe bringen, einfach so eine Tafel, manchmal muss ich ihnen auch nahelegen, das nächste Mal doch bitte Schokolade oder Biscuits mitzubringen.» Diesmal trägt das Lächeln des erfahrenen Schuhmachers etwas Spitzbübisches in sich.

Wie neu: Ein Schuh, den Werner Schwab frisch gesohlt und mit Rillen versehen hat.
Bild Daniel Göring

Aufhören kein Thema

Seit rund drei Jahren ist die Freude von Werner Schwab an seinem Metier etwas getrübt. Die Auftragslage ist spürbar zurückgegangen. «Ich erhalte deutlich weniger Schuhe zu reparieren.» Den Grund sieht Schwab darin, dass die Leute ihre Schuhe mehr denn je bei Billiganbietern und auch online kaufen. Wenn dann etwas kaputt sei und eine Reparatur fast gleichviel koste wie ein neues Paar, sei es naheliegend, dass die Schuhe im Müll und nicht bei ihm in der Werkstatt landeten. Auch das Militär bringt weniger Stiefel vorbei als früher, da diese zusehends ausgetauscht und nicht mehr geflickt werden. Werner Schwab bedauert die Entwicklung, darüber jammern mag er jedoch nicht. 

Er hält sich lieber an die Kundinnen und Kunden, die noch einen Bezug zu ihren Schuhen haben und sie nicht wegwerfen wollen, solange sie geflickt werden können. «Es gibt Leute, die regelrecht an ihren Schuhen hängen und sie deshalb immer wieder zu mir in die Reparatur bringen.» Es ist eine Verbundenheit, die derjenigen von Werner Schwab mit seinem Beruf nicht unähnlich ist. Der betagte Schuhmacher denkt denn auch nicht daran, aufzuhören. «So lange, wie ich den Faden noch in die Nadel meiner Nähmaschine einfädeln kann, mache ich weiter», sagt Werner Schwab bestimmt und geht daran, einem Freizeitschuh einen frischen Absatz zu verpassen.

 

Immer weniger Schuhmacher

Das Schuhmachergewerbe schrumpft in der Schweiz seit Jahren. Der Verband Fuss und Schuh zählt noch 63 Betriebe, vor 15 Jahren waren es nach Angaben von Geschäftsleiter Romeo Musio doppelt so viele. Gründe seien die Überalterung der Schuhmacherinnen und Schuhmacher sowie der fehlende Nachwuchs. Gerade mal zwei Lernende nehmen nach seinen Angaben pro Jahr eine Ausbildung als Schuhmacher in Angriff. «Das Umfeld für die Schuhmacher ist schwierig, Schuhe sind heute im Internet einfach und billig zu haben.» Solche Schuhe würden selten repariert und hätten sich zum eigentlichen Wegwerfartikel entwickelt, beklagt Musio.

In letzter Zeit sei bei der Kundschaft zwar ein Trend zur Nachhaltigkeit und damit zu vermehrten Reparaturen von Schuhen feststellbar, doch reiche dies nicht aus, um die Zukunft des Gewerbes zu sichern, wie Musio unterstreicht. Der Verband werde sich Gedanken machen müssen, wie es mit dem Berufsfeld des Schuhmachers weitergehen soll. Eine Möglichkeit könnte die Fokussierung auf die Orthopädie-Schuhmacherei sein, denn diese Betriebe weisen laut Musio seit Jahren eine zunehmende Tendenz auf.

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