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Als Deutschlehrer in China

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Sie wohnen in Peking in einer kleinen Wohnung auf dem Campus der Universität. An den freien Tagen sind sie in der Dreissig-Millionen-Stadt unterwegs: Bei guter Luft in den weitläufigen Parkanlagen, bei schlechter Luft in der Verbotenen Stadt, im Kaiserpalast, in den Tempeln, auf dem Seidenmarkt. In den Semesterferien reisen sie: in den kalten Norden an die russische Grenze – auf den Spuren eines Grossonkels – oder in den warmen Süden. Im vergangenen Oktober sind Josef Catillaz, ehemaliger Lehrer an der Pädagogischen Hochschule (PH) Freiburg, und seine Frau Bernadette, Physiotherapeutin, nach China gereist. In Peking unterrichtet der Frühpensionierte ein Jahr lang Deutsch an der Capital Normal University CNU. Seine Frau Bernadette unterstützt ihn und macht Konversation mit Studentinnen. Ein Gespräch über ein Abenteuer im Ruhestand.

Josef Catillaz, wie war der Start in dieser so fremden Welt?

Es ist schon speziell, wenn man einen Dolmetscher braucht für ganz zentrale Dinge, wie eine Telefonnummer zu beantragen, einen Handyvertrag abzuschliessen oder ein Bankkonto zu eröffnen. Mir wurde so richtig bewusst, was die chinesischen Austauschstudenten durchmachen, wenn sie nach Europa kommen.

Wie kommen Sie mit dem Alltag zurecht?

Da wir eine Zweieinhalbzimmer-Wohnung im elften Stock haben, können wir selbst haushalten. Wir kochen zusammen, waschen ab – ohne Abwaschmaschine – und putzen. Für die Beziehung also auch eine Herausforderung. Erst recht, wenn man in Pension geht und wieder intensiver aufeinander «stösst», einander fast auf die Füsse tritt. Das Mittagessen nehmen wir in der Mensa des Campus ein. Es ist ein hektischer Ort, mit über zehn Anbietern. In kürzester Zeit werden dort einige hundert Studenten verpflegt. Das Essen ist generell gewöhnungsbedürftig; denn in China wird alles gegessen. Beim Grünzeug kommt alles in den Topf, bei den Crevetten isst man auch die Schale mit und auch bei den Tieren wird alles verwertet. Ich habe mich beim Ausgang mit chinesischen Freunden der Herausforderung gestellt und mitgegessen, wenn Hühner-, Enten- und Schweinefüsse auf dem Tisch standen. Was ich allerdings gar nicht über mich brachte, waren Köpfe, Schnauzen und Ohren.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich unterrichte am Deutschinstitut auf vier verschiedenen Stufen, wöchentlich je zwei Stunden: Schriftliche Kompetenz, Wirtschaftsdeutsch und Kultur und Gesellschaft deutschsprachiger Länder. Im Sommersemester kommen noch Schreiben, Landeskunde und Zeitungslektüre hinzu. Ferner halte ich Sprech­stunden für die Studierenden. So bin ich mindestens drei Tage an der Uni. Die restlichen Tage sind belegt mit Vorbereitung und Korrekturen. Meine Studenten belegen den Studiengang «Bachelor in Germanistik». Es sind fast ausschliesslich Chinesinnen. In diesem Semester habe ich ausnahmsweise noch einen Afghanen, der eine Flüchtlings-Odyssee hinter sich hat und dabei in den verschiedenen Ländern die Sprachen gelernt hat: Russisch, Indisch, Englisch, Chinesisch und mittlerweile noch Deutsch.

Wie ist das Bildungsniveau in der deutschen Sprache?

Von recht gut über gut bis sehr gut. Im vierten Studienjahr habe ich Studenten, die ein Austauschjahr an den Pädagogischen Hochschulen in Freiburg oder im Thurgau oder an Universitäten in Deutschland hinter sich haben. Ich staune auch, wie gut jene sprechen, die Deutsch nur in China gelernt haben. Der ganze Unterricht läuft auf Deutsch ab. Die Studenten benutzen ihre Smartphones zum Übersetzen. Die Chinesen sind quasi zweisprachig und lernen Englisch ab dem Kindergarten.

Wie kamen Sie zu dieser Stelle?

Seit 2012 haben wir, das heisst die PH Freiburg, einen Mobilitätsvertrag mit der CNU, und so kommen regelmässig chinesische Studierende nach Freiburg, und andererseits gehen Freiburger Studierende nach Peking. Initiiert wurde dies von Ernst Preisig, ehemaliger Rektor der PH Thurgau. An der PH Freiburg habe ich die Betreuung dieser Studenten übernommen. Für 2016/17 suchten sie einen Lektor und haben mich angefragt. Der Verdienst ist allerdings mit 5000 Renminbi (RMB, ca. 700 Franken) nicht gross. Doch die Wohnung ist gratis und das Mittagessen in der Mensa mit sechs bis zwölf RMB sehr billig.

Was haben Sie bereits entdeckt?

Die chinesische Kultur umfasst enorme Schätze der Vergangenheit: die Paläste der Kaiserzeit, die Museen, die wunderschönen Parkanlagen, übrigens herrliche Erholungsgebiete. Dann die Zeugen der buddhistischen Kultur, die Tempel und Pagoden. Auch die Teehäuser mit den Teezeremonien sind Orte zum Entspannen. Unterwegs sind wir mit der U-Bahn. Damit kommen wir gut alleine zurecht. Obwohl ich nicht sehr gut Englisch spreche, reicht es für kleine Kontakte. So komme ich immer wieder ins Gespräch mit Studierenden aus aller Welt.

Und in den Semesterferien machen Sie grössere Sprünge?

Im Januar waren wir im Norden, im Gebiet Heilongjiang nahe der russischen Grenze. Wir wollten das weltberühmte Eis- und Schneefestival besuchen und zugleich auf Spurensuche gehen: Ein Grossonkel meiner Frau hat dort in den 1930er-Jahren als Immenseer Missionar eine Grundschule gegründet und geleitet. Eine zweite grosse Reise führte uns in den Südwesten von China. Nach den Minus-20-Grad-Temperaturen im Norden wollten wir etwas Wärme tanken. Hier haben wir eine grandiose Natur genossen, die Reisterrassen von Longji erwandert und auf dem Fluss Li eine Reise bis nach Yangshu mit dem Schiff unternommen. Eine Reise, welche mit dem grandiosen Karstgebirge, das übrigens auf der 20-RMB-Note dargestellt ist, ein Augenschmaus war. Wir haben Daxu besucht, ein Dorf mit intakten und erhaltenen Strassenzügen und Häusern aus der Zeit der Ming- und Qing-Dynastie. Belebt mit altem Handwerk wie anno dazumal.

Haben Sie Kontakt mit Nachbarn und Kollegen?

Wir werden oft von Kolleginnen zum Essen eingeladen, besuchen gemeinsam einen Film, machen einen Spaziergang im Park oder gehen in den botanischen Garten. Auch organisiert das Institut regelmässig Ausflüge. Zu den Nachbarn im Haus, alles internationale Studierende, ist der Kontakt eher marginal.

Man sagt, die Chinesen seien ein Volk von Egoisten?

Ich erlebe sie als warmherzig und hilfsbereit. Vielleicht liegt dies am universitären Umfeld. Ich staune immer wieder, wie ausgelassen die jungen und alten Leute sein können, wie sie in der Öffentlichkeit tanzen und singen und sich am Leben freuen. In Wirtschaftsmetropolen wie Shanghai und Hongkong ist das vielleicht anders. Statussymbole gibt es aber schon: die eigene Wohnung etwa. Dies wird allerdings immer schwieriger: Der Quadratmeterpreis in Peking wächst horrend. Einen hohen Stellenwert hat ebenfalls das Auto. Und Kleider sind ganz wichtig, in dem Sinne, dass sie gerne westliche Marken tragen. Die Studenten kaufen das meiste bei Alibaba im Internet.

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie nach einem halben Jahr?

Das war mein bester Entscheid in den letzten Jahren. Einzig der Smog macht mir als Asthmatiker hie und da zu schaffen. Mit einer speziellen Atemtechnik bekomme ich die Verschleimung der Atemwege jedoch in den Griff. Bei starker Luftverschmutzung tragen wir Masken. Beeindruckt hat mich die Sauberkeit in den Strassen: Es gibt ein Heer von Reinigern, die den kleinsten Zigarettenstummel auflesen. Und in der U-Bahn kommt es immer wieder vor, dass Jugendliche aufstehen und Bernadette und mir ihren Sitzplatz anbieten: Ehret das Alter. Wir geniessen es.

Zur Person

31 Jahre in der Lehrerbildung

Josef Catillaz ist in Düdingen und Freiburg aufgewachsen. Nach dem Primarschul-Lehrpatent (Lehrerseminar) absolvierte er als Werkstudent ein Studium in Germanistik und schloss dieses mit dem Lizenziat ab. Catillaz unterrichtete 31 Jahre am Lehrerseminar beziehungsweise an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, die letzten neun Jahre als Leiter der Deutschen Abteilung. 2016 ging er in Frühpension. Catillaz engagierte sich auch in der Politik. Als SP-Mitglied wurde er 2011 in den Gemeinderat von Tafers gewählt. 2016 legte er sein Mandat nieder. Josef Catillaz ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen.

il

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