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Als es noch Tatzen gab

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Schulverantwortliche erinnern sich an ihre erste Schulzeit

Autor: Von IRMGARD LEHMANN

Kaum zu glauben, wie sich der Schulalltag in den letzten 40, 50 Jahren verändert hat. Ein zweites Kindergartenjahr soll früher oder später eingeführt werden. Und dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass es in allen Gemeinden einen Kindergarten gibt.Vor 1970 führten nur ganz wenige Gemeinden eine «Ginggelischule», wie es damals hiess. Offiziell wurden Kindergärten erst mit dem neuen Schulgesetz von 1985, wie Oswald Schneuwly, ehemaliger Schulinspektor, in der Broschüre «Eine kleine Schulgeschichte» schreibt.Das Schulgesetz von 1985 setzte denn auch die Schulpflicht für alle Schüler und Schülerinnen auf neun Jahre fest. Vorher dauerte die Schulpflicht für Mädchen lediglich acht Jahre.

«Fähige» waren die Auserwählten

Von Chancengleichheit und Gleichbehandlung war vor 50 Jahren keine Rede, wie etwas das Beispiel Übertrittsexamen zeigt: Die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer meldete die «fähigen» Schüler zur Aufnahmeprüfung an. Über die Aufnahme aber entschied einzig und allein die Lehrerschaft der Sekundarschule.Ein Schattendasein fristete ausserdem die Mädchenbildung. In die Sekundarschule wurden nur ein paar wenige aufgenommen.Wer eine Berufslehre machen konnte, hatte Glück, und wer ins Lehrerinnenseminar eintreten konnte, galt als privilegiert. «Die Matura der Armen» war gerade noch toleriert – der Besuch des Gymnasiums hingegen blieb für Mädchen die grosse Ausnahme.Zum Schulanfang heute Donnerstag blicken vier Schulverantwortliche auf ihre erste Schulzeit zurück.

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Im Jahre 1960 trat Renate Lichtsteiner, Kindergarten-Inspektorin im luzernischen Grosswangen, in die erste Klasse ein. Eine Klasse mit über 50 Kindern. Bereits ihre Mutter sei zum gleichen Lehrer in die Schule gegangen, erzählt die Inspektorin. «Es war ein Lehrer, der Tatzen verteilte.» Geschlagen wurden, vor allem arme Kinder, die zu spät in die Schule kamen. Kinder, die vor der Schule noch im Stall arbeiten mussten. «Ich habe oft geweint, als der Lehrer diese Kinder immer wieder mit dem Lineal geschlagen hat», erinnert sich Renate Lichtsteiner.

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Er habe mit Ungeduld auf seinen ersten Schultag gewartet, sagt Reto Furter, Vorsteher des Amtes für obligatorischen Unterricht. Er habe sich gefreut, endlich zu den Grossen zu gehören. «Ich war stolz auf meinen Schultornister und war überzeugt, den schönsten am Rücken zu tragen.» Ein Schultornister aus Leder und Fell.Furter trat im Jahre 1969 im solothurnischen Zuchwil in die Schule ein. Ein tolle Lehrerin ha- be er gehabt. «Bei ihr fühlte ich mich sicher und geborgen.» Die Schule Zuchwil sei fortschrittlich gewesen. Die erste Erfahrung mit Gruppenarbeit habe er dort in der 3. Klasse gemacht. Furter: «Man spürte den Einfluss der 68er-Bewegung.»Später zügelte die Familie ins luzernische St. Urban, wo Reto Furter in das 5. Schuljahr eintrat. «Das war ein Schock für mich», erinnert sich der heutige Schulverantwortliche. «Ich kam in eine doppelstufige Klasse (5./6.) und zu einem Dorfschullehrer, der immer wieder geschlagen hat.»

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Bei guter Arbeit und gutem Betragen erhielt das Kind in der Gesamtschule von Dentenberg einen «Freudenstrich», der auf einer Tafel angebracht wurde – gut ersichtlich für jeden Schüler, berichtet Toni Kammermann, Schuldirektor der OS Wünnewil. «Und wenn man mit diesen Freudenstrichen nach oben gerutscht ist, überreichte die Lehrerin vor versammelter Klasse ein SJW-Heftli».Toni Kammermann ist im Jahre 1957 in die Gesamtschule von Dentenberg (BE) eingetreten. Zwei Erstklässler inmitten von rund 20 Schülerinnen und Schülern. Er habe eine sehr liebe Lehrerin gehabt und in der Gesamtschule viel gelernt. «Ich sehe die Lehrerin immer noch vor mir, wie sie den Grösseren von der Fanzösischen Revolution erzählte und wie Marie-Antoinette und Ludwig XVI. geköpft wurden.»An die gesamte Schulzeit – von der ersten Klasse bis zu Matura – habe er eine gute Erinnerung. Denn nie sei er eine Lehrperson gestossen, die Körperstrafen erteilt habe.

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1968, St. Ursen: In diesem Jahr ging Markus Fasel, Primarschulinspektor, zusammen mit seiner Zwillingsschwester zum ersten Mal in die Schule. Kindergarten gabs noch keinen. Da seine Mutter Handarbeit unterrichtete, sei ihm die Schule jedoch vertraut gewesen. Er habe sich riesig gefreut, meint Fasel. Seine Lehrerin Lina Kolly hätte immer wieder wunderschöne Zeichnungen auf die Wandtafel gemalt. «Das waren halbe Gemälde – einfach grandios.» Diese Erinnerung sei ihm geblieben und die Wandtafel sei für ihn im Schulunterricht nach wie vor von Bedeutung. «Mich interessiert es, wie Lehrer die Wandtafel im Unterricht einsetzen.»

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