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Als reformierter Verdingbub in Freiburg

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Als er zwölf Jahre alt war, musste er zum ersten Mal ein Schwein töten. Für Armin Leuenberger, geboren 1945 in Bern und als Dreijähriger bei einem Grossbauern in der Freiburger Unterstadt fremdplatziert, war dies besonders hart. Denn auf dem Bauernhof waren die Tiere seine einzigen Freunde. «Sie waren mir lieber als die Menschen», sagt er, «denn sie gaben mir die Wärme, die ich sonst nicht bekam.» Emotionale Wärme war es, die der Bub bei den Tieren fand, aber auch körperliche: Manche kalte Winternacht habe er bei den Kälbern im Stall verbracht, wenn in seiner ungeheizten Kammer Minusgrade herrschten.

Heute lebt der 71-Jährige in Bümpliz und ist stolz auf das, was er im Leben erreicht hat. Mehrere Berufe habe er erlernt, habe unter anderem als Lastwagenchauffeur, Monteur und Bodenleger gearbeitet und mit 40 Jahren sein eigenes Geschäft gegründet, das er bis vor wenigen Jahren erfolgreich geführt habe. Leuenberger ist ein Mann, der mit sich und der Welt im Reinen ist. Doch die dreizehn Jahre, die er als Verdingbub in Freiburg verbracht hat, haben sein Leben geprägt. Erst mit sechzehn Jahren erfuhr er, wer seine Mutter war: die Magd, die auf dem Hof gearbeitet hatte und eines Tages plötzlich verschwand. Er habe sie später wiedergefunden und am Ende in den Tod begleitet, erzählt er.

Es war ein hartes Leben, das er als Kind und Jugendlicher auf dem Bauernhof führte. Auf dem Hof musste er, wie die beiden Kinder des Bauern, frühmorgens aufstehen und schwer arbeiten. Zur Schule ging der Berner Bub im reformierten Schulhaus Gambach am anderen Ende der Stadt. «Mein Schulweg war fünf Kilometer lang, zweimal am Tag musste ich zu Fuss hin und zurück, und sowohl in der Schule wie auch auf dem Bauernhof bekam ich Ärger, weil ich immer zu spät kam.» Auch der Lehrer und der Pfarrer hätten ihn seinen niederen Status stets spüren lassen. Dennoch sieht Armin Leuenberger in seiner Zeit als Verdingkind nicht nur Schlechtes: «Ich habe früh gelernt, dass man im Leben vorwärtskommt, wenn man hart arbeitet – das hat mir immer wieder geholfen.»

Bis in die Achtzigerjahre

Armin Leuenberger ist einer von 25 Männern und Frauen, die der Key­stone-Fotograf Peter Klaunzer für sein Projekt «Verdingkinder» porträtiert hat (siehe Text unten). Zusammen mit anderen Porträtierten erzählte er kürzlich in Bern von seinen Erlebnissen – im Rahmen einer Ausstellung im Käfigturm, die noch bis Ende Juni zu sehen ist. Die meisten ehemaligen Verding- und Heimkinder, die bei Klaunzers Projekt mitgemacht haben, sind heute zwischen 70 und 85 Jahre alt. Die jüngsten, ein Brüderpaar aus Solothurn, haben Jahrgang 1970 und 1971. Von 1979 bis 1985 wurden die beiden von der Vormundschaftsbehörde auf einem landwirtschaftlichen Betrieb verdingt. «Das zeigt, wie lange es in der Schweiz noch Verdingkinder gab», sagt Walter Zwahlen, Präsident des Vereins «Netzwerk verdingt». «Projekte wie das von Peter Klaunzer tragen dazu bei, dieses dunkle Kapitel der Schweizer Vergangenheit zu beleuchten.»

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