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Alt werden ist eines – Abschiednehmen das andere

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Alt werden ist eines – Abschiednehmen das andere

Führt unsere Einstellung zu Leben und Tod in einen Engpass?

Wann heisst es Abschied nehmen? Dann, wenn der Arzt entscheidet? Dann, wenn die Hochbetagte zu sterben wünscht? Dann, wenn Angehörige ein «Machtwort» sprechen? Auf diese und andere Fragen antwortet Dr. Robert Schwaller, Arzt in Schmitten.

Die Altersheime sind voll. Das Durchschnittsalter wird immer höher. Die Kosten steigen von Jahr zu Jahr. Robert Schwaller, treibt unsere Gesellschaft mit den Hochbetagten einen Kult?

Die Frage rund um das Sterben ist tatsächlich ein heisses Eisen. Strikte Richtlinien, wie mit hochbetagten, geistig abgebauten Menschen umzugehen ist, gibt es nicht. Es gilt jedoch die Regelung der gegenseitigen Absprache: Ob eine betagte Schwerkranke weiterhin lebenserhaltende Medikamente bekommt oder ob gar eine Operation durchgeführt wird, entscheidet der Arzt nach Besprechung mit Angehörigen und Pflegepersonal – und vor allem mit der Patientin, insofern sie noch ansprechbar ist.

Gibt es überhaupt Betagte, die sterben wollen?

Gerade kürzlich war ich am Krankenbett einer 97-jährigen Heimbewohnerin. Bei vollem Bewusstsein verweigerte sie die Verlegung ins Spital. Sie wolle nicht mehr weiterleben. Dieser Entscheid wurde respektiert, obwohl ein Eingriff noch etwas gebracht hätte.

Also gibt es doch Grundsätze?

Ja, der Lebensgewinn ist stets gegen das Leiden abzuwägen. Wir wollen eher Lebensqualität als Lebensjahre. Da denke ich an einen anderen Heimbewohner. Er ist 95-jährig, lebensmüde, von Rheuma geplagt und hat seit 20 Jahren einen Herzschrittmacher. Die Batterie wird demnächst aussteigen. Das Gerät müsste durch eine Operation ersetzt werden. Mit dem Kardiologen wurde besprochen, einen solchen Eingriff nicht zu machen.

Doch der Blick ins Altersheim lehrt einen doch was ganz anderes. Alle wollen weiterleben.

Menschen, die bewusst Abschied nehmen, sind in der Minderzahl.

Und bei den andern bestimmt der Arzt, wann Schluss ist? Also doch die Halbgötter in Weiss?

Nein. Sowohl im Heim als auch im Spital reden die Patienten – insofern sie es noch können -, die Angehörigen und das Pflegepersonal mit.

Und welche Überlegung liegt Ihrem Handeln zugrunde?

Wir Ärzte richten uns nach dem Gebot «Kein Leben aktiv verkürzen».

Aber künstlich verlängern?

Jein! Schmerzen und Ängste werden immer gelindert. Wenn die Hochbetagte hingegen noch Anteil nimmt am Leben, Freude zeigt, kurzum, geistig noch da ist – trotz grosser Beschwerden – da verabreichen wir auch Medikamente, um die körperlichen und seelischen Leiden so weit wie möglich zu behandeln.

Was sind so die gängigen Medikamente?

Antidepressiva, Kreislauf- und Blutzuckermedikamente, Antibiotika, Rheumamittel, Vitamine usw.

Die Verabreichung von Blutdruckmedikamenten ist im Altersheim gang und gäbe. Ehrlicherweise müsste man diese doch zu den lebensverlängernden Medikamenten zählen?

Bestimmt! Im Alter werden die Adern spröder und starrer. Demzufolge ist das Herz mehr gefordert. Auch das Risiko eines Herzinfarktes oder Hirnschlages ist erhöht. Wasser auf der Lunge ist eine weitere Folge, und die Betagten haben Mühe mit Atmen.

Medikamente gegen Alzheimer, gegen Parkinson und neuerdings auch gegen Grippe. Lassen wir unsere «Alten» überhaupt noch sterben?

Tatsächlich, die Problematik besteht. Doch werden ab einem gewissen Alter und bei stark fortgeschrittener Altersdemenz (geistiger Abbau) eine Lungenentzündung und ein Herzinfarkt nicht mehr intensiv behandelt. Man lindert aber stets Schmerzen, Angst und Atemnot.

Vor der Überalterung sind nun mal die Augen nicht zu verschliessen. Nebst der Kostenfrage ist ja auch die Sinnfrage zu stellen. Ein Altersheim mit Frauen und Männern, die an den Tischen vor sich hindösen und ins Leere starren, strahlt nicht gerade Lebensfreude aus – im Gegenteil … Also, wie sehen Sie die Problematik der Überalterung?

Die Geschichte der Menschheit hat es uns immer wieder gelehrt: In jeder Epoche wurde die Bevölkerungszahl durch äussere Umstände eingeschränkt.

Aus diesem Blickwinkel muss man – so hart es auch tönt – die Epidemien, Hungersnöte und Kriege sehen. So werden überbevölkerte Länder wie Afrika von Aids heimgesucht. In Südostasien sind Überschwemmungen an der Tagesordnung und früher gab es die Pest.

Und bei uns?

Es gibt weniger Kinder. Und bei den Alten wird es sich einpendeln. Laut Studien werden die heute 60- bis 70-Jährigen die Ältesten der Weltgeschichte sein; 80-, 90- bis 100-jährig können sie noch werden. Es ist die genügsame Vorkriegsgeneration, die alt wird.

Menschen, die den 2. Weltkrieg erlebt haben, die die strengen Aufbaujahre mitmachten, auf vieles verzichten mussten und in den letzten 50 Jahren vom enormen Fortschritt der Medizin profitierten.

Heute ist es nun mal so, dass es vielen Menschen zu «gut» geht. Viele rauchen, leiden an Übergewicht und Bewegungsmangel. Und so kann man nicht 100 werden!

Kürzlich hat der Grosse Rat entschieden, dass das Vermögen der Bewohner in Pflegeheimen erst ab 200 000 Franken angetastet werden soll. Finden Sie das richtig?

Ja, nur so kann sich der Mittelstand einen Heimaufenthalt leisten, ohne dass ganze Familienerbe oder gar den – vielleicht seit Generationen geführten – Gewerbebetrieb oder Hof verkaufen zu müssen.

Interview: Irmgard Lehmann

Wenn das Buch des Lebens voll geschrieben ist

«Alles hängt von einem erfüllten Leben ab»

Alt werden wollen alle, doch alt sein will niemand – nicht einmal die Menschen im Altersheim. Und wen wunderts da, dass Tod und Sterben auch bei Hochbetagten vielfach kein Thema ist.

«Menschen, die bewusst gelebt und das Leben genossen haben, können leichter Abschied nehmen», sagt Johanna Strebel, Leiterin des Alters- und Pflegeheims Sonnmatt in Schmitten. Schwer damit tun sich jedoch Menschen, die nie reinen Tisch gemacht haben, vieles nicht verarbeitet haben und immer noch das Gefühl haben, etwas zu verpassen . . .

Ob dies mit dem Loslassen zu tun habe? «Bestimmt», meint Johanna Strebel, «und zwar haben nicht nur die betagten Eltern ihre Kinder loszulassen, sondern auch Kinder ihre Eltern.» Doch am Sterbebett, da werden die Angehörigen oft von Angst erfasst und fragen, ob nicht noch dies oder jenes gemacht werden könnte, um die Mutter oder den Vater am Leben zu erhalten. Dies, obwohl der Tod vielfach eine Erlösung wäre. Ob man denn in den Heimen überhaupt über das Sterben spricht? «Einige Pflegerinnen sprechen darüber, nehmen Gelegenheiten immer wieder wahr, andere wiederum nicht.» Vorschriften liegen keine vor. Anlässlich der sonntäglichen Betrachtungen schneidet jedoch Johanna Strebel die Themen Tod und Sterben immer wieder an.

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