Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Analyse: Ein Sesseltanz mit variablem Stresslevel

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Christian Levrat, Beat Vonlanthen, Johanna Gapany: Dieses ungleiche Trio bestreitet am kommenden Sonntag die Stichwahl für die Freiburger Doppelvertretung im Ständerat. Der bisherige SP-Ständerat Levrat hat im ersten Wahlgang mit Abstand das beste Resultat erzielt. Entsprechend tief ist das Stresslevel beim Greyerzer SP-Vollblutpolitiker. Mit Support der Grünen, mit Stimmen aus dem CVP-Lager und nicht zuletzt bei guter Mobilisierung der eigenen Reihen kann Levrat mit seiner Wiederwahl rechnen.

Etwas anders sieht es bei Levrats Ratskollege Beat Vonlanthen aus. Der frühere CVP-Staatsrat schwächelte im ersten Wahlgang und holte gut 13 000 Stimmen weniger als Levrat. Obschon dieser deutliche Rückstand mit der Vielzahl an Mitte-rechts-Kandidaten im ersten Wahlgang zu tun haben dürfte, waren viele Beobachter überrascht darüber, dass sich Vonlanthen nicht deutlicher von der bürgerlichen Konkurrenz absetzen konnte. Von beiden bisherigen Ständeräten ist er der klar exponiertere. Entsprechend ist Vonlanthens Stresslevel vor dem zweiten Wahlgang vergleichsweise hoch.

Ziemlich entspannt hingegen dürfte Johanna Gapany von der FDP ins Rennen steigen. Mit nur knapp 4000  Stimmen Rückstand sass sie im ersten Wahlgang dem CVP-Mann Vonlanthen im Nacken. Die 31-Jährige bringt jugendliche Frische ins Kandidaten-Trio. Unbekümmert bittet sie die beiden gestandenen Politiker zum Sesseltanz. Stress? Dieser Begriff scheint gar nicht zu existieren im Vokabular der Greyerzerin.

2015 zeigte sich nach dem ersten Durchgang der Ständeratswahl ein ähnliches Bild: Levrat erzielte mit einem identischen Stimmenanteil den ersten Rang. Der damalige FDP-Kandidat Jacques Bourgeois schnitt gleich ab wie nun seine Parteikollegin Gapany. Auch Emanuel Waeber von der SVP kam im ersten Wahlgang 2015 auf einen vergleichbaren Stimmenanteil wie in diesem Jahr sein Parteikollege Pierre-André Page. Einzig Beat Vonlanthen hatte 2015 deutlich besser abgeschnitten. Er platzierte sich ebenfalls auf dem zweiten Rang, erreichte aber gut 38 Prozent der Stimmen, wohingegen es am vorletzten Sonntag nur gut 27 Prozent waren. Zwischen 2015 und 2019 verlor Vonlanthen fast genau 11 000 Stimmen.

Diverse Elemente führten nebst der etwas geringeren Stimmbeteiligung zum deutlichen Stimmeneinbruch Vonlanthens: Da wäre zuerst einmal die «grüne Welle», die auch den Kanton Freiburg erreichte. Der in den Nationalrat gewählte Gerhard Andrey erzielte mit 16 000 Stimmen auch in der Ständeratswahl ein unerwartet gutes Resultat. Sofern die Wählerinnen und Wähler der Grünen und auch der SP – wie von ihren Parteigremien empfohlen – ihre Stimme nun tatsächlich für Vonlanthen einlegen, und wenn Vonlanthen darüber hi­naus imstande ist, seine eigenen Parteigänger noch einmal richtig zu mobilisieren, dann dürfte das Stresslevel beim CVP-Ständerat am Sonntag ziemlich rasch nach Schliessung der Wahllokale gegen null sinken.

Die sehr wahrscheinliche Wiederwahl Vonlanthens vermag aber nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die CVP und ihr Ständeratskandidat im Vorfeld der Wahl auch einer Reihe von Fehleinschätzungen unterlegen sind. Zuerst einmal hat die CVP die junge FDP-Kandidatin Gapany unterschätzt. Ambitioniert, smart, selbstsicher, führte die Greyerzerin eine äusserst aktive und sichtbare Kampagne. Das scheint an Vonlanthen und seiner Partei vorbeigegangen zu sein. Der bisherige Ständerat führte – offenbar in Absprache mit seiner Partei – vorerst einen diskreten Wahlkampf. Es machte den Anschein, als ob die Partei ihren Ständerat in Sicherheit wähnte und sich im Geiste eher auf die Neubesetzung des zweiten Nationalratssitzes fokussierte.

Falsch eingeschätzt hat die CVP aber vermutlich auch das tatsächliche Potenzial ihres Ständerats. 2015 trat Vonlanthen als amtierender Staatsrat an, was ihm angesichts der in allen Bezirken besser ausgefallenen Wahlresultate zugutekam. Nach seinem Rücktritt aus der Kantonsregierung fehlte Vonlanthen die so wichtige Präsenz auf dem Freiburger Terrain. Der Bonus des amtierenden Regierungsmitglieds war weg – dies hätte eine engagiertere Wahl­kampa­gne umso nötiger gemacht.

Kommt dazu, dass Vonlanthens Gegnerin Johanna Gapany ungleich majorzfähiger ist, als es im zweiten Wahlgang 2015 der SVP-Politiker Jean-François Rime war. Anders als Rime vor vier Jahren kann Gapany ungeachtet ihrer politischen Positionen über die eigenen Parteigrenzen hinaus Stimmen ergattern. Sie mag vielleicht angesichts ihres Alters keine ausgesprochene Themenpolitikerin sein. Mit ihrer zupackenden Art verkörpert sie aber eine frische Art des Politisierens, mit der sich durchaus punkten lässt. Insbesondere bei Frauen sowie bei jungen Wählerinnen und Wählern, möglicherweise aber auch im CVP-Lager kann sich Gapany so zusätzliche Stimmen holen. Das macht die junge Freisinnige für den CVP-Ständerat Vonlanthen zur unberechenbaren Gegnerin.

Dabei hat Vonlanthen durchaus Zählbares und Gewichtiges in die Waagschale zu werfen: angefangen bei seiner Erfahrung als Exekutivpolitiker bis hin zum Netzwerk eines amtierenden Ständerats. Davon profitiert der Kanton, wenn es um die Vertretung seiner Interessen geht. Auch hat die Kombination von CVP- und SP-Vertretern in der Freiburger Ständeratsdeputation seit Jahren durchaus gut funktioniert. Was zuvor beim Duo Schwaller (CVP) und Berset (SP) der Fall war, fand in der Kombination von Levrat und Vonlanthen eine entsprechende Fortsetzung.

Legitim ist zudem der Anspruch der deutschsprachigen Freiburgerinnen und Freiburger, einen Vertreter ihrer Sprachgruppe in der Ständekammer zu wissen. Es ist wichtig für die sprachliche Minderheit, dass Freiburg in Bundesbern konsequent als zweisprachiger Kanton wahrgenommen wird. Mit dem bisherigen Duo bleibt auch die regionalpolitische Komponente mit Vertretern aus unterschiedlichen Bezirken berücksichtigt. Demgegenüber würde bei einer Wahl der FDP-Kandidatin Gapany anstelle Vonlanthens die Freiburger Ständeratsdelegation zu einer rein französischsprachigen Greyerzer Angelegenheit.

Ob die Wählerinnen und Wähler das wollen oder ob sie doch lieber das bisherige Duo für weitere vier Jahre in den Ständerat entsenden, entscheiden sie an der Urne. Eines hat der erste Wahlgang indes deutlich gezeigt: Die Zeiten, in denen ein gestandener Freiburger CVP-Politiker bei einer Ständeratswahl einfach durchmarschiert, sind vorbei. Nicht zuletzt auch deshalb steht Freiburg am Sonntag eine spannende Ausmarchung bevor.

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema