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Anschlag mit politischem Hintergrund

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November 1979. Spanien befindet sich in einer politischen Übergangsphase – zwischen dem Tod von Diktator Franco im Jahr 1975 und der politischen Wende von 1982, als die während der Diktatur verbotene sozialistische Partei PSOE als neue Wahlsiegerin die Regierung Spaniens stellt. In der Schweiz überfallen Mitglieder der zweiten Generation der linksextremen terroristischen Vereinigung RAF in Zürich eine Filiale der Schweizerischen Volksbank und flüchten auf gestohlenen Fahrrädern. Bei der anschliessenden Schiesserei wird eine Passantin getötet, ein Polizist wird schwer verletzt.

Am 23.  November um 7.30  Uhr begibt sich der spanische Wirtschaftsstudent Miguel (Name von der Redaktion frei erfunden) von einem Geschäft in der Alten Brunnengasse zu Fuss nach Villars-sur-Glâne, wo er in einer Wohngemeinschaft lebt. In den Radionachrichten wird gerade von einer nächtlichen Explosion mit grossem Sachschaden bei der spanischen IMEF-Bank an der Pérollesstrasse berichtet. Miguel verlässt die Wohnung und fährt zu seiner Freundin nach Bern, wo er um 12  Uhr im Ofen das Original eines Bekennerschreibens verbrennt. Um 17.30  Uhr werden er und seine Freundin in Freiburg verhaftet, als sie in einen Renault 4L steigen wollen.

An der Pérollesstrasse 10 laufen derweil die Ermittlungen auf Hochtouren. Zwei Männer, die im Keller der Bank mit Elektroarbeiten beschäftigt waren, haben um 3.35  Uhr Alarm geschlagen, nachdem sie im Erdgeschoss eine gewaltige Explosion gehört hatten. Sie glaubten, dass sie diese verursacht hätten. Ein Kriminalpolizist, der Untersuchungsrichter sowie der Oberamtmann begeben sich vor Ort. Sie riegeln die Bank ab. Der Wissenschaftliche Forschungsdienst der Stadtpolizei Zürich, der im Auftrag des Bundes bei Explosionen hinzugezogen wird, durchsucht den Tatort. Bald wird klar: Die Explosion wurde nicht durch die Elektriker verursacht. Vielmehr weist ein Bekennerschreiben, das die Ermittler vor Ort finden, auf eine politisch motivierte Tat hin. In der Mitteilung prangern «die wütigen Internationalisten» die Falschheit der spanischen Demokratie an, die unhaltbaren Zustände in den spanischen Gefängnissen, die Repression gegen Dissidenten und das Schweigen der Schweizer Medien. Sie fordern die Freilassung aller Freiheitskämpfer in Spanien und ein Ende des staatlichen Terrors. Die IMEF-Bank im Pérolles sei ausgewählt worden, schreiben die Täter weiter, weil sie in den Händen von Opus Dei sei – die Laienorganisation hatte die Franco-Diktatur massgeblich unterstützt. Zudem geschäfte sie mit Geldern der spanischen Emigranten.

Sprengstoffspuren im Baum

Den finalen Beweis für einen Sprengstoffanschlag finden die Ermittler schliesslich vor dem Tatort. In einem Baum hängen Müllsackfetzen mit Sprengstoffresten, die durch die Explosion wegkatapultiert worden sind. Schon bald fügt sich eins zum anderen. «Wir haben den Fall in nur zwei Tagen gelöst», erinnert sich der ehemalige Polizeikommandant Pierre Nydegger. «Besser kann es nicht laufen.» Dank dem Bekennerschreiben ist klar, in welche Richtung die Kriminalpolizei ermitteln muss. Miguel, der für die Studierendenzeitung «Spektrum» schreibt, gerät in den Fokus. Polizisten überwachen ihn, befragen die WG-Kollegen und erfahren bald, dass er eine Freundin in Bern hat, die einen Renault fährt. Der Wagen wird in Freiburg gesichtet, die beiden werden verhaftet. Als sie sich bei der anschliessenden Einvernahme in Widersprüchen verstricken, hat die Polizei Miguel an der Angel. Noch am Tag der Explosion durchsucht die Polizei um 21.55  Uhr die Wohnung der Freundin in Bern und findet marxistische und linksextreme Schriften.

Letraset in der Wohnung

Am 24. November frühmorgens fördert eine Wohnungsdurchsuchung bei Miguel ähnliche Dokumente zutage. Die Ermittler finden in Villars-sur-Glâne aber auch eine transparente Folie mit Buchstaben vor, die durch Rubbeln auf ein Papier aufgetragen werden können. Und prompt: Die fehlenden Buchstaben auf dem Letraset sind mit jenen auf dem Bekennerschreiben identisch. Es folgt eine weitere Hausdurchsuchung, diesmal im Laden an der Alten Brunnengasse. Dort findet die Polizei zwei Koffer. Einer enthält Sprengstoffrückstände.

Mit dem Rücken zur Wand gibt Miguel zu, das Schreiben verfasst und die Tat mit zwei Kollegen geplant zu haben. Ihre Namen verrät er jedoch nicht. Erst in einer weiteren Befragung packt er aus. Er habe die zwei anderen Männer einige Tage zuvor per Zufall in einer Bar in Bern kennengelernt. Sie hätten über die Situation in den spanischen Gefängnissen diskutiert und über einen in Barcelona anstehenden Prozess gegen einen Freund von ihm. Miguel gibt weiter zu Protokoll, dass er und die beiden neuen Bekannten aus Bern sich einig gewesen seien, dass man etwas unternehmen müsse. Einen Leserbrief an Zeitungen verschicken? Wirkungslos. Ein Anschlag? Doch, der würde die Menschen aufrütteln. Der Entschluss zur Tat sei gefallen. Miguel schreibt den Bekennerbrief, der auch an Zeitungen in Genf, Lausanne und Bern geht. Die Kopien dafür macht er im Büro der Studierendengewerkschaft Agef.

Die Tatnacht

Am 22. November, einen Tag vor dem Anschlag, treffen sich Miguel und die beiden Berner – der eine ist Grafiker, der andere Philosoph und Historiker – erneut in Bern. Dabei stellt Miguel fest, dass seine neuen Bekannten die Örtlichkeiten in Freiburg bereits rekognosziert und den Sprengstoff besorgt haben. Abends dann treffen sie sich um 21  Uhr am Bahnhof in Freiburg. Sie deponieren den Sprengstoff im Geschäft an der Alten Brunnengasse, gehen essen und drehen eine Runde in der Altstadt. Um 23.30  Uhr checken die Kollegen von Miguel ein erstes Mal die Lage bei der Bank an der Pérollesstrasse. Dann schlagen sie sich in der Alten Brunnengasse die Zeit mit Teetrinken und Schachspielen um die Ohren. Um 3  Uhr – unterdessen schreiben wir den 23. November – schreiten die beiden Berner schliesslich zur Tat, Miguel bleibt im Geschäft an der Alten Brunnengasse zurück. Sie klauen zwei Fahrräder und fahren zur Hinterseite des Bankhauses an der Neustrasse – notabene gegenüber einem Posten der Kriminalpolizei. Sie stellen die Räder ab und gehen zu Fuss zur Bank, wo sie den Sprengstoff deponieren. Danach fliehen sie mit den Velos nach Lehwil. Ein Buschauffeur wird später erzählen, dass er um 6.11  Uhr in Heitenried zwei Gestalten aufgenommen habe, die den Signalementen der gesuchten Attentäter entsprachen. Er habe Angst gehabt, dass sie ihm etwas antun könnten. In Schmitten seien die beiden ausgestiegen. Von dort aus sind sie Richtung Bern gefahren.

Verhaftung und Verurteilung

Am 28.  November verhaftet die Polizei den Philosophen. Dem Grafiker gelingt die Flucht. Er wird nie gefunden. Im anschliessenden Verhör zeigt der Verhaftete wenig Kooperationsbereitschaft: Er streitet die Tat zwar nicht ab, gibt sie aber auch nicht zu.

Am 7. Mai 1980 verurteilt das Bezirksgericht der Saane Miguel und den Philosophen zu drei, den flüchtigen Grafiker zu vier Jahren Zuchthaus. Miguel wird zudem für zehn Jahre des Landes verwiesen. Rekurse gegen die Urteile beim Kantons- und beim Bundesgericht bleiben erfolglos (siehe auch Kasten).

Zum 100-Jahr-Jubiläum gewährt die Kriminalpolizei Einblick in alte Fälle.

Prozess

Politisch aufgeheizte Stimmung vor dem und im Gerichtssaal

Die Explosion im Pérolles 1975 habe damals eigentlich nicht zur allgemeinen Stimmung in Freiburg gepasst, erinnert sich der ehemalige Polizeikommandant Pierre Nydegger. Wohl aber zu jener in studentischen und urbanen Kreisen. So wurden die Täter von linken Anwälten aus Genf und Zürich verteidigt. Diese vertraten die Meinung, dass die Männer im Alter von 22, 23 und 30  Jahren aus ehrenhaften Gründen gehandelt hätten. Das sah das Gericht anders. Es war der Ansicht, dass die Tat schwer wiege und nur mit viel Glück niemand zu Schaden gekommen sei, zumal sich zur Tatzeit zwei Arbeiter im Bankhaus befunden hätten. Der Prozess zog viel Publikum an. Aus Angst liess der Gerichtspräsident die Menschen vor dem Gerichtsgebäude fotografieren, was zu heftigen Protesten bei den Anwälten führte. Gemäss Nydegger war jedoch klar, dass es sich bei der Explosion in Freiburg um einen isolierten Fall handelte und dass sie nicht auf das Konto einer der damaligen linksextremen Organisationen ging.

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