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Auf der Suche nach den Todes-Minen

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Auf der Suche nach den Todes-Minen

Die Arbeit des Schweizerischen Verbandes für Minenräumung

Der Schweizerische Verband für Minenräumung hat seinen Sitz in Freiburg. Michel Diot ist der technische Verantwortliche des Verbandes; er hat selber schon Sprengköpfe geborgen und berichtet über den Umgang mit einem Kriegsgerät der heimtückischen Sorte.

Von UELI STRASSER

Die Serviertochter schaut ziemlich schockiert, als Michel Diot sein Anschauungsmaterial im Restaurant auspackt: Auf dem Tisch liegen zwei Plastik-Minen neben dem äusserlich intakten Sprengkopf einer Bombe und dem Mantel einer Granate. Sie kann nicht wissen, dass es sich um entschärfte Demonstrationsobjekte handelt.

Ein Krieg hinterlässt vielerlei Spuren. Die tödlichsten von ihnen sind die Minen und nicht-explodierten Granaten, welche wie Blütenpollen über ganze Länder verstreut worden sind und in Friedenszeiten als geduldige Zeitbomben darauf warten, von neugierigen Kindern entdeckt zu werden.

«Im Kosovo liegen noch immer rund zwölf- bis fünfzehntausend (vgl. Kasten), die während des Krieges nicht detoniert sind», erzählt Diot; «noch immer werden dadurch fünfzig Personen pro Monat verletzt.» Eine Gefahr ohne Verfalldatum, denn sogar in Frankreich werden noch regelmässig Unfälle gemeldet, wegen Überbleibseln aus dem Ersten Weltkrieg.

Einmal säen – zweimal verdienen

Die Wirtschaft treibt im Kriegeszweig ihre hässlichsten Blüten. Eine der Plastik-Minen auf dem Tisch stammt aus dem Hause Fiat. Michel Diot meint dazu: «Ihre Minen sind besser als die Autos – sie halten viel länger.» Mit Daimler-Benz – sprich «Mercedes» – hat sich gemäss Michel Diot ein weiterer Autokonzern in der Kriegsindustrie mit der Produktion von Minen profiliert. Und davon natürlich auch finanziell profitiert. Heute macht dieselbe Firma gleich nochmals das grosse Geld, mit der Produktion von Maschinen, welche die Minen wieder ausgraben.

Diese Maschinen sind ein teurer Weg, um die Todbringer zu entdecken – mehrere hunderttausend Franken kann so ein Gerät kosten. Dies ist ein Hauptvorwurf, den Diot den humanitären Organisationen macht: «Sie investieren immer mehr Geld in viel zu teuere und zu komplizierte Maschinen, anstatt das Geld in die Ausführung der bewährten Techniken zu stecken.»

Und dabei sind die teuren Geräte gemäss Michel Diot «nicht wirklich gut», denn beim Durchpflügen der Erde wird die Vegetation mitvernichtet. Dazu kommt, dass Maschinen nur bei ebenem Gelände eingesetzt werden können und auch dann nur rund 80 Prozent der Minen finden. Diese Erfolgsrate ist für militärische Zwecke in der Regel genügend, aber sie ist nicht gut genug für Diot: «Wir müssen sicher sein, dass alle Minen weg sind, damit die Menschen gefahrlos leben können.»

Hunde statt Maschinen

Um diese Sicherheitsstufe zu erreichen gibt es verschiedene Methoden, aber nicht alle sind gleich gut. Metalldetektoren sind für kleine Personenminen zu wenig sensibel, weil diese nur mit kleinen Metallteilen bestückt sind. Ausserdem wird bei der Suche auf Gelände mit metallhaltigem Gestein dauernd ein Signal angezeigt, was auf die Dauer beim Entminer zu gefährlichen Konzentrationslücken führen kann.

Mittels Radar kann man Minen kaum von Konservendosen unterscheiden und auch Ultraschallgeräte sind in dieser Beziehung nicht über jeden Zweifel erhaben. Des Weiteren sind diese Maschinen kompliziert im Unterhalt und bei extremen klimatischen Verhältnissen pannenanfällig; und nach Ansicht Michel Diots viel zu teuer.

Der sicherste Weg zu einem sauberen Gelände führt aber heute noch über den Einsatz der sensiblen Nasen von Minen-Hunden.

Bergung in drei Phasen

Die Räumung eines verminten Geländes verläuft in drei Phasen. Zunächst holt der SVM vor Ort Informationen über das Gelände und bereits detonierte Sprengsätze ein. Von Nutzen sind dabei Hilfsorganisationen wie die Caritas, das Rote Kreuz oder die Beobachtungen von Bewohnern.

In einem zweiten Schritt wird die Fläche des zu evakuierenden Geländes bestimmt, denn «wenn eine Mine explodiert ist, heisst das nicht notwendigerweise, dass das ganze Land vermint ist». Zu diesem Zweck werden die Minenhunde eingesetzt, welche an einer Leine ins Feld laufen, um vorhandenen Sprengstoff zu erschnüffeln. «Mit Hunden können wir auf dem offenen Feld bis zu 1200 Quadratmetern pro Tag absuchen», erklärt Diot; «eine einzelne Person schafft in dieser Zeit nur etwa 50 Quadratmeter.» Entwarnung für Tierfreunde: Die Hunde werden nicht eingesetzt, um das Feld zu entminen, sondern nur um die Gefahr zu entdecken. Hat das Tier Sprengstoff gewittert, hat es seinen Dienst bereits getan.

Der Schutz der Hunde ist gar nicht so einfach: «Bei Lawinenhunden liegt es im Instinkt, dass sie ein Lebewesen finden und retten. Für unsere Hunde dagegen sind die Minen wie ein Spielzeug», erklärt Diot. Deshalb werden sie nach einer erfolgreichen Suchaktion jeweils ausserhalb des Suchfeldes abgelenkt.

Wie die Archäologen

Erst in der dritten Phase kommt der Mensch zum Einsatz. Mit kleinen Maschinen wird das Gelände zunächst von unübersichtlichen Gewächsen befreit. Zentimeter um Zentimeter nähert sich der Entminer danach der Stelle, welche der Hund angegeben hat. Wenn der Sprengkörper entdeckt ist, kniet oder liegt er daneben und gräbt ihn mit einem spitzen Metallstab vorsichtig aus. Falls die Mine in kniender Stellung explodiert, geht der Explosionstrichter im günstigsten Fall über den Entminer hinweg. Liegend bekommt man laut Michel Diot keine Splitter ab, dafür besteht die Gefahr, dass einem die Druckwelle das Genick bricht.

Mit einem Visier wird der Kopf geschützt. «Die Arme bleiben wenn möglich nackt, damit bei einer Explosion keine Stoff-Fetzen in die Wunden kommen», erklärt Diot. «Ansonsten ist es etwa dieselbe Arbeit, wie sie ein Archäologe macht.» Er selber hat einen 15-tägigen Kurs der englischen Armee besucht, um die Arbeit zu erlernen. Und wenn die Minen endlich ausgebuddelt sind? «Am Abend legen wir sie auf einem grossen Haufen zusammen und sprengen sie.»

Auf die Frage, ob er bei der Arbeit keine Angst habe, erzählt Diot lachend eine Anekdote: «Der einzige Unfall, den ich bisher hatte, war mit dem Auto, nachdem ich aus Sarajewo zurückgekehrt bin – der Verkehr auf den Schweizer Strassen ist gefährlicher als das Entminen eines Feldes.» Nach einer kurzen Pause relativiert er die Aussage: «Die Suche nach Minen birgt sicher Gefahren, aber mit Training und Ruhe kann man die Gefahr begrenzen.»

Vor Ort wird die ganze Arbeit natürlich nicht nur von den Experten verrichtet. Einheimische werden für die Aufgabe von einem unabhängigen ausländischen Experten ausgebildet und erhalten als Anreiz für ihre Arbeit 25 Prozent mehr Lohn als bei einer normalen Beschäftigung.

Verursacher stellen sich taub

Wenn ein Kind sein Zimmer verwüstet hat, muss es in der Regel selber aufräumen. Aber im Krieg ist gemäss Michel Diot alles anders: «Die Nato hat den Balkan mit Minen und Bomben übersät, weigert sich jedoch, sie jetzt wieder zu räumen, weil sich daraus ein Präzedenzfall ergeben würde.» Jetzt müssen die humanitären Organisationen die sichernde Arbeit durchführen.

Ein wichtiger Punkt ist dabei natürlich die Finanzierung: Das Bundesamt für auswärtige Angelegenheiten hat dem Verband

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