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Auf der Suche nach Erlösung

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Das Titelwort des Werks «Serpentinen» von Bov Bjerg lässt sich vom Lateinischen herleiten: serpens, zu deutsch «Schlange». Am ehesten begegnet einem der Begriff «Serpentinen» im Zusammenhang mit Wegen und Strassen. Die vielleicht eindrücklichste Serpentinenstrasse ist wohl die berühmte, mit Kopfsteinpflastern bedeckte historische ­Gotthardstrasse, die sich mit 24  Kehren von Airolo bis hinauf zum Gotthardhospiz windet. Die Serpentine ist die von Natur aus gegebene Möglichkeit, einen Steilhang zu überwinden, der normalerweise die Leistungsfähigkeit des Menschen, aber auch der meisten Tiere, überfordert. Allerdings ist damit eine Verlängerung der Wegstrecke verbunden. Es ist wohl kein besonderes Wagnis, die Serpentinenstrategie zur Überwindung von Hindernissen und Schwierigkeiten eins zu eins auf den Lebenslauf eines Menschen zu übertragen. Hier setzt Bjerg an mit seinem Roman «Serpentinen».

Fahrt in die Vergangenheit

Der Ich-Erzähler ist mit seinem Sohn auf der Schwäbischen Alb, einem Mittelgebirge in Süddeutschland, unterwegs, mit dem Ziel, seinem Sprössling die Orte seiner Kindheit zu zeigen. Die Autofahrt begeistert den siebenjährigen Buben. Das stete Auf und Ab auf kurvenreichen Strassen fasziniert ihn, ganz im Gegensatz zu dem an schlimmen Depressionen leidenden Vater. Die Fahrt, besonders in den Kehren, braucht höchste Aufmerksamkeit. Der Ich-Erzähler hat immer wieder das Gefühl, er fahre bisweilen nahe am Abgrund.

Diese Fahrt ist für ihn eine Reise in die Vergangenheit und vor allem eine Auseinandersetzung mit dem unheilvollen Familienfluch: Vater, Grossvater und Urgrossvater sind aus freien Stücken aus dem Leben geschieden. Diese trostlose Vergangenheit stellt für den Ich-Erzähler eine schier unüberbrückbare Hypothek dar. Immerhin hat er sich von der eher bildungsfernen Schicht seines Vaters befreien können und hat sich zum angesehenen Soziologieprofessor emporgearbeitet. Auch hat er ein gutes und enges Verhältnis zu seinem Sohn. Ein solches Verhältnis hatte er zu seinem Vater nie gehabt.

Ständige Angst

Doch die Angst, selber auch plötzlich den Drang zum Suizid zu haben, schlummert trotzdem immer in ihm und beherrscht seinen Alltag.

Der Ich-Erzähler, der im Roman keinen Namen trägt, ist ein Suchender. Seine Gedanken kreisen um sein Dasein, um Angst, Verzweiflung und Moral.

Und immer wieder die Versuchung, es seinem Vater gleichzutun. Es wäre so leicht, in einer der zahlreichen Kurven einfach geradeaus zu fahren …

«Serpentinen» ist keine vergnügliche Ferienlektüre, sondern ein eher beklemmendes Werk mit bemerkenswertem Tiefgang. Die Erzählweise ist ziemlich gewöhnungsbedürftig und anstrengend, dem Inhalt aber durchaus angepasst. «Serpentinen ist ein starkes Buch, da steckt viel drin, es ist düster und abgründig, aber auch immer wieder durchzogen von feinem Witz», wie die FAZ es treffend beschrieben hat.

Bov Bjerg, geboren 1965, ist deutscher Schriftsteller und Kabarettist. Sein Pseudonym wählte er nach der dänischen Stadt Bovbjerg. Er lebt seit 1984 mit kurzen Unterbrechungen in Berlin.

Bov Bjerg: «Serpentinen». Roman, 266  Seiten. Claassen, Berlin 2020.

Aldo Fasel ist freier Rezensent.

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