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Beim Budget kam die Kreativität zum Zug

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Ein Taschenrechner und ein Tischrechner sind immer griffbereit: Der Tentlinger Gilbert Jenny hat den Überblick über die Finanzen der Freiburger Nachrichten AG immer behalten. Eine ganze Berufskarriere lang, seit 1970.

Gilbert Jenny, zu Ihrem Übertritt in den Ruhestand findet eine Feier im Gutenberg-Museum statt. Inwiefern symbolisiert dieser Ort Ihre Laufbahn bei der Freiburger Nachrichten AG?

Dieser Ort passt sehr gut. Gutenberg ist in der Zeitungsbranche natürlich ein Begriff, und das Museum gefällt mir auch persönlich sehr.

Sie sind 46 Jahre bei den FN tätig gewesen. Wann haben Sie realisiert, dass Sie das ganze Berufsleben beim gleichen Arbeitgeber verbringen würden?

Als Direktor Bruno Waeber in Pension ging. Er war 28 Jahre mein Vorgesetzter gewesen. Als Paul Stritt seine Nachfolge antreten sollte, sagte er mir, er übernehme das Amt nur, wenn er auf meine Hilfe zählen könne. Und so wusste ich damals, dass ich wohl bis zum Schluss bleiben würde. Ich konnte allerdings aufsteigen und habe so einen weiteren Schritt in meiner Laufbahn getan.

Hatten Sie nie Abwanderungsgedanken?

Doch. Ich habe schon das eine oder andere Mal überlegt, ob ich nicht etwas anderes machen wollte. Mich reizte der Lehrerberuf: Ich spielte mit dem Gedanken, etwas im Bereich Erwachsenenbildung zu machen. Einmal habe ich mich gar für eine Stelle bei der Berufsschule beworben. Auf die Frage meiner Kinder, ob ich nachträglich nochmals die gleiche Laufbahn einschlagen würde, antworte ich, ich würde wohl etwas Kreativeres wählen. Ich wäre heute wohl eher ein Handwerker als ein Büromensch.

Sie machten bereits die KV-Lehre bei den FN. War das damals Ihre Wunschlehre?

Ja. Ich dachte, die Arbeit bei einer Zeitung sei sehr interessant, und meinte, ich hätte mehr mit der Redaktion zu tun. Das war dann zwar nicht der Fall, aber ich hatte doch nie den Eindruck, mir fehle etwas.

Waren Sie schon im jugendlichen Alter Zeitungsleser?

Ja. Wir hatten die Zeitung zu Hause, und der Sportteil hat es mir besonders angetan.

Gottéron spielte damals noch nicht in der höchsten Liga.

Nein. Aber mein Bruder spielte bei Gottéron, und ich habe seit 1975 eine Saisonkarte.

War es zu Ihrer Lehrzeit normal, eine Stelle auf Lebenszeit zu haben?

Ja. Viele Leute haben damals ihr Leben lang am gleichen Ort gearbeitet. Heute ist das weniger häufig der Fall, aber es kommt noch vor. Es braucht in einer Firma auch Wechsel. Ich selber war immer offen, auch von den Lehrlingen Neues zu lernen.

Sie hatten immer mit Finanzen zu tun. Was ist das Reizvolle daran?

Es ist sehr anspruchsvoll, das Budget eines Unternehmens im Umfang von 13 Millionen Franken zu verwalten, es zu erstellen und auch durchzuziehen. Dies ist in wirtschaftlich schlechteren Zeiten bedeutend schwieriger, und solche habe ich auch erlebt. Früher gab es Wellenbewegungen mit einem kleinen Einbruch alle fünf oder sechs Jahre. Heute kommen die Wechsel schneller: Es kann von einem Monat zum anderen kippen.

Wäre es für Sie nicht interessanter gewesen, in einem Finanzbetrieb mit grösseren Budgets und Anlagemöglichkeiten zu arbeiten?

Die Herausforderung und das Schöne hier ist, dass ich immer polyvalent tätig sein konnte. Ich war Finanzchef, Chef der Administration und habe die Informatik in der Firma aufgebaut. Diese Vielseitigkeit hätte mir an einem anderen Ort wohl gefehlt.

Wie hat sich das Finanz- und Rechnungswesen verändert?

Sehr stark. Ich begann mit Kontoblättern, die ich in eine Ruf-Praetor-Maschine steckte. Dann kam die Automatisierung mit einer immer grösseren Spezialisierung. Es ging von der Finanzbuchhaltung zur Betriebsbuchhaltung mit Kostenstellenrechnungen.

Sie haben in einer Branche gearbeitet, in der die Einnahmen, vor allem aus dem Werbemarkt, rückläufig sind. Aus Sicht des Finanzchefs: Ist das nicht frustrierend?

Doch, es ist schwierig, damit umzugehen. Wenn Umsätze zurückgehen, muss dies irgendwo durch Einsparungen ausgeglichen werden. Dazu braucht es manchmal Kreativität.

Gab es Entscheide, die schmerzten?

Ja, absolut. Einige Entscheide gingen an die Substanz, vor allem, wenn man Personal einsparen musste. Wir probierten das über natürliche Abgänge zu machen und hatten das Glück, dass wir noch nie jemanden aus wirtschaftlichen Gründen entlassen mussten.

Wie erklären Sie sich, dass es dem Unternehmen trotzdem vergleichsweise gut geht?

Wir decken eine Nische ab. Unser Einzugsgebiet ist für einen grossen Player nicht so interessant, und wir haben eine treue Kundschaft, auch im Inseratebereich. Zudem haben wir eine sehr gute Verkaufsorganisation. Die Übernahme des «Murtenbieters» und des «Anzeigers von Kerzers» waren strategisch gute und wichtige Verwaltungsratsentscheide. So machen wir entgegen nationalen Trends recht gute Umsätze.

Sie haben unter drei Direktoren gearbeitet. Wie haben diese Sie geprägt?

Jeder auf seine Weise. Bruno Waeber war ein Direktor alter Schule und hatte ein grosses Beziehungsnetz. Er war streng, eine Respektsperson und hat das Unternehmen stark geprägt. Mit Paul Stritt habe ich 35 Jahre zusammengearbeitet; er kam wie ich aus dem Finanzwesen, hatte ein enormes Wissen und verfügte über grosse Branchenkenntnisse. Und Gilbert Bühler vertritt die moderne Generation. Unter seinen Vorgängern bestimmten der Direktor, Vizedirektor und der Handlungsbevollmächtigte über alles, bis hin zum Kauf einer Rechnungsmaschine. Gilbert Bühler hat die Firma reorganisiert: Heute sind die Entscheide auf mehr Schultern verteilt.

Und die Chefredaktoren?

Da hatte ich viele Kontakte bezüglich Finanzen. Mit ihnen habe ich Budgets erstellt. Der Bezug wurde je länger desto stärker. Auch wenn es hart auf hart ging: Es waren immer konstruktive Gespräche.

Olivia Enkerli übernimmt als Ihre Nachfolgerin die Verantwortung über die Finanzen der Freiburger Nachrichten AG. Welchen Gestaltungsraum wird sie in Zukunft haben?

Sie wird wohl weiterhin mit Umsatzrückgängen im Werbemarkt zu kämpfen haben. Das muss auf der Kostenseite kompensiert werden. Bei den Einnahmen stellt sich die Frage, was man mit Internet oder Apps verdienen kann. Bis jetzt hat noch kein Verleger das goldene Ei gefunden. Aber die Frage bleibt offen: Die Suche nach Möglichkeiten geht weiter.

Zur Person

Eine Laufbahn mit vielen Meilensteinen

Das Inserat für die KV-Lehre hatte Gilbert Jenny in den FN gefunden. Er war in Freiburg aufgewachsen, sprach Deutsch und Französisch, und er konnte 1970 bei den FN als Lehrling einsteigen. Jenny, der seit 1982 in Tentlingen wohnt, wurde 1999 Leiter für Finanzen, Administration und Informatik. 2003 erfolgte die Ernennung zum Vizedirektor. In den 46 Jahren bei den FN hatte Jenny mit Bruno Waeber, Paul Stritt und Gilbert Bühler drei Direktoren als Vorgesetzte. Als Meilensteine erachtet er den Wechsel vom Bleisatz zum Offsetdruck (1980), den Einkauf redaktioneller Seiten (1998), die Kooperation mit der Espace Media Groupe (2001), die Übernahme des «Murtenbieters» und des «Anzeigers von Kerzers» (2010) und das neue digitale Angebot (2012).

uh

«Ich wäre heute wohl eher ein Handwerker.»

Gilbert Jenny

Vizedirektor Freiburger Nachrichten AG

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