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Bern Süd

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Sie habe lange damit gehadert, dass es in Granges-Paccot keinen wirklichen Bezugspunkt gebe, mit dem man sich identifizieren könne, einen Ort, wo die Einwohnerinnen und Einwohner wie von selbst zusammenkommen. Doch heute vermisse sie das nicht mehr, es fehle ihr an nichts. Das sagt Ruth Schmid- Kohli, während sie mit ihrem Mann Christoph am grossen Esstisch in der Wohnküche des Bauernhauses La Faye sitzt und über das Wesen ihrer Wahlheimat sinniert.

Vor 25 Jahren war sie der Liebe wegen von Guggisberg nach Granges-Paccot gezogen, wo ihr Mann seinen Kindheitstraum verwirklichen wollte – auf dem Hof, den sein Grossvater einst vor dem Zweiten Weltkrieg als Rückzugsort gekauft und verpachtet hatte. Ein Teil des Bauernhauses diente der Familie aus der Stadt Bern stets als Ferienwohnung, und Christoph Schmid verbrachte dort oft seine Ferien. Und so bauten der studierte Agronom und die Hauswirtschaftslehrerin auf dem idyllischen Stück Erde abseits der grossen Verkehrsachsen von Granges-Paccot einen Biobetrieb auf.

An diesem Montagmorgen sind die roten Äpfel im spätsommerlichen Licht schon von weitem zu sehen. Auf den saftigen Wiesen herrscht Ruhe; die Mutterkühe, die hier sonst mit ihren Kälbern weiden, sind auf der Alp. Stattdessen streichen den Besuchern zur Begrüssung die Katzen um die Beine. An anderen Tagen herrscht hier allerdings meistens emsiges Treiben. «Wir sind ein lebendiges Haus», erzählt Ruth Schmid. «Nebst uns und unseren beiden Kindern wohnen hier Lehrlinge, die wir ausbilden, sowie Studierende, die ein Praktikum bei uns absolvieren. Den oberen Stock haben wir zudem vermietet.» Dazu kommen Menschen aus der ganzen Umgebung in den Hofladen, um Bioprodukte einzukaufen, die die Familie Schmid vertreibt. «Wir holen sozusagen das Dorf zu uns», sagt Ruth Schmid.

Ein Stück Identität

Auch der Syndic und seine Frau gehörten zu den treuen Kunden. Überhaupt würden sie von der Gemeinde sehr wohlwollend behandelt, sagt Ruth Schmid. «Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass die Behörden dankbar dafür sind, dass wir Granges-Paccot ein wenig Identität verleihen.» Denn der einstige Weiler mit einzelnen Herrschafts- und Bauernhäusern ist zwar nicht zuletzt wegen der 1971 eröffneten A 12 heute eine wichtige Agglomerationsgemeinde der Stadt Freiburg. Aber gerade auch wegen der Autobahn, die Granges-Paccot zweiteilt, konnte sich der Ort nie zu einem richtigen Dorf entwickeln.

Darüber können auch die Bemühungen der Gemeinde nicht hinwegtäuschen, die an der Chantemerle-Strasse mit Restaurants, Geschäften, Post, Bibliothek und Gemeindeverwaltung eine Art Dorfkern schaffen wollte. Konsumwelten wie das Conforama und McDonald’s vermögen der Gemeinde ebenso wenig eine Seele einzuhauchen. «Hier kann das eigentlich nur der Boden, der ist mir wichtig», findet Ruth Schmid.

Die Fusionsfrage

Wird die Landwirtin beispielsweise in den Ferien in Schweden gefragt, woher sie komme, antwortet sie in der Regel: «Aus Freiburg.» Und manchmal sagt sie: «Wir leben südlich von Bern.» Der Blick von draussen lässt die Welt eben schrumpfen.

Aus dieser Perspektive sollte eigentlich auch nichts gegen eine Fusion von Granges-Paccot mit Avry, Belfaux, Corminboeuf, Freiburg, Givisiez, Marly, Matran und Villars-sur-Glâne sprechen. Und dennoch sind sogar die Schmids, die als zugewanderte deutschsprachige, reformierte und progressive Biobauern die vorgegebenen Gesellschaftsstrukturen von Granges-Paccot einst selber durchbrachen, in der Fusionsfrage gespalten.

«Einerseits empfinde ich heute im Unterschied zu früher das Spannungsfeld Stadt-Land als reizvoll», sagt Christoph Schmid. Er und seine Frau gehen in der Stadt ins Theater, auf den Markt oder etwas trinken. Andrerseits sorge er sich schon ein wenig, dass Granges-Paccot einst zu einer simplen Baulandreserve für eine explodierende Stadtbevölkerung verkommen könnte.

Auch denkt er, dass lokale Probleme lokal besser gelöst werden, ganz nach dem bewährten föderativen System der Schweiz. «Heute haben wir die Gewähr, dass die Gemeinde Granges-Paccot die Zufahrtswege zu unseren Feldern unterhält oder dass sie die Fahrverbote darauf durchsetzt. Ob das noch so ist, wenn die Verwaltung von Freiburg aus gesteuert wird, weiss ich nicht.» Sie seien sich aber auch darüber im Klaren, so Christoph und Ruth Schmid, dass die Fusionsfrage letztendlich eine Kopffrage sei, die ihren konkreten Alltag wohl kaum verändern werde.

«Wir sind ein lebendiges Haus. Wir holen sozusagen das Dorf zu uns.»

Ruth Schmid

Zahlen und Fakten

Vom Bauerndorf zur Agglogemeinde

Mit 3750 Einwohnern gehört Granges-Paccot zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Freiburg. Von den Bewohnern sind 76 Prozent französischsprachig, 15 Prozent deutschsprachig. Die Gemeinde wird durch die Autobahn in zwei Teile getrennt. Von Süden nach Osten schmiegen sich die Quartiere Les Rosiers, Chamblioux, Chantemerle, Lavapesson, Agy und Mettelet in einem Halbrund um den Torry-Hügel. Im Norden liegen auf einer Linie die Quartiere La Faye, Chenevière, Chavully und La Rappetta. Granges-Paccot war bis in die 1950er-Jahre ein von der Landwirtschaft geprägtes Dorf. Danach setzte eine rasante Entwicklung zur Agglomerationsgemeinde von Freiburg ein mit grossen Gewerbe- und Industrieflächen. Wegen der guten Verkehrsanbindung ist Granges-Paccot Standort mehrerer grosser Einkaufszentren. In der Gemeinde sind unter anderem das Energieunternehmen Groupe E, die Konzernholdinggesellschaft von Michelin Schweiz, das Kommandogebäude der Kantonspolizei, der nationale Basketballverband der Schweiz sowie das Veranstaltungs- und Kongresszentrum Forum Freiburg ansässig.

rsa

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