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Berufe der Zukunft sind nicht beliebt

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Beat Waeber sucht dringend Lehrlinge. «Wir haben eine ungeheure Unterbesetzung von Lehrstellen», sagt der Geschäftsleiter der Firma Riedo Clima AG in Düdingen. Seine Firma bildet 50 Lehrlinge in den Berufen Sanitärinstallateur, Heizungsinstallateur, Lüftungsanlagenbauer, Spengler sowie Gebäudetechnikplaner für Heizung, Sanitär und Lüftung aus. Diese sieben Berufe werden unter dem Begriff Gebäudetechniker zusammengefasst. Das Düdinger Unternehmen ist damit gemäss der Anzahl der Stellen der grösste Ausbildungsbetrieb für Gebäudetechniker im Kanton.

Im ganzen Kanton gibt es etwa 80 Ausbildungsplätze in der Gebäudetechnik, davon sind derzeit noch mindestens 40  Lehrstellen unbesetzt – also die Hälfte aller Ausbildungsplätze. Gesamtschweizerisch fehlen diesen Betrieben rund 600 Lehrlinge, was 30 Prozent des Angebots entspricht, wie Beat Waeber sagt, der im Zen­tralvorstand des schweizerisch-liechtensteinischen Berufsverbands der Gebäudetechniker, Suissetec, Einsitz hat.

«Nur noch unsere Eltern kennen die Redewendung, dass Handwerk goldenen Boden habe.»

Beat Waeber

Geschäftsleiter Firma Riedo Clima AG Düdingen

Keine Schnupperlehren

Das Problem hänge zum einen sicher mit der Corona-Krise zusammen, so Beat Waeber. «In dieser Zeit kamen kaum Anfragen für Schnupperlehren. Dadurch haben wenige Jugendliche die Chance erhalten, diese Berufe kennenzu-lernen.»

Auf der anderen Seite haben Handwerksbetriebe in den letzten Jahren generell Probleme gehabt, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. «Es ist leider in unserer Gesellschaft fälschlicherweise tief verankert, dass Handwerker-Berufe nicht so attraktiv seien wie eine Ausbildung, die auf weiterführenden Schulen basiert, vom Lohn her und von den Aufstiegsmöglichkeiten.» Sich die Hände dreckig zu machen, sei nicht so begehrt. «Nur noch unsere Eltern kennen die Redewendung, dass Handwerk goldenen Boden habe.»

Lange habe sich auch die hartnäckige Meinung gebildet, dass Berufe auf dem Bau «Zweitklass-Berufe» seien. «Es braucht wohl ein Umdenken in der Gesellschaft. Aber das geht leider sehr langsam vorwärts.»

Alle Türen offen

Dem Vorurteil, dass eine Lehre nicht attraktiv ist, widerspricht Beat Waeber vehement. «Die Ausbildung hat sich in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt, das Berufsbild hat sich geändert.» Heute stehe die körperliche Anstrengung weniger im Vordergrund. Auch die Digitalisierung habe Eingang gefunden und durch die sich stets wandelnden Energiethemen werde der Beruf spannender. Um all das in eine Ausbildung zu packen, ist die vorher auf drei Jahre ausgelegte Installateur-Ausbildung seit diesem Jahr auf vier Jahre angesetzt.

«Gebäudetechniker sind nicht den Launen der Wirtschaft ausgesetzt.»

Beat Waeber

Geschäftsleiter Firma Riedo Clima AG Düdingen

Ausserdem würden die Berufe der Gebäudetechnik sehr viele Möglichkeiten bieten, weiterzukommen. «Ein junger Gebäudetechniker, der sich weiterentwickelt hat, ist gefragt.» Und in kaum einer Branche habe ein junger Berufsmann mit 25 Jahren die Gelegenheit, eine leitende Funktion zu übernehmen.

Berufe der Zukunft

Ausserdem habe die Corona-Krise klar gezeigt, dass die Gebäude-Technik nicht nur krisensicher, sondern auch systemrelevant sei. Da Wärme, Luft und Wasser und damit die Bereiche Heizen, Lüften, Kühlen, Regeln und Sanitär in allen Lebensbereichen vorkommen, komme niemand um diese Fachleute herum. «Fabrikationsbetriebe wie etwa die Pharmaindustrie hätten nicht weiterproduzieren können, wenn ihre Anlagen nicht richtig funktioniert hätten. Das Gleiche gilt für die Lebensmittelbranche.» Als weiteres Beispiel nennt er die Spitäler: «Die Infrastrukturen, Intensivstationen und Operationssäle sind sehr stark von der Gebäudetechnik abhängig.»

Energieziel kaum zu erreichen

«In Zukunft wird es immer Fachleute in diesen sieben Berufen brauchen», ist er überzeugt. Dies zum einen, weil es in der Schweiz nicht nur Neubauten gebe, die nach neuen energetischen Gesichtspunkten gebaut werden. Sondern auch viele sanierungsbe­dürftige Altbauten, die energie­technisch fit gemacht werden müssen. «Gebäudetechniker sind deshalb nicht den Launen der Wirtschaft ausgesetzt, sondern gehören zur Lebenssicherheit und zu unserer Kultur, denn wir sind es gewohnt, in Küche, Bad und im Rest des Hauses gut funktionierende Anlagen zu haben.»

Zum anderen werde der Betriebstechniker auch angesichts der angestrebten Energieziele wichtiger. «Den grössten Teil der Energie kann man bei Gebäuden einsparen und optimieren. Denn da gibt es die grössten CO2-Emissionen. Wenn wir die Energiestrategie 2030 und 2050 umsetzen wollen, dann geht das nicht ohne Gebäudetechniker», hält Beat Waeber fest und unterstreicht: «Es sind Berufe der Zukunft».

Offene Lehrstellen

Die Realität zeigt sich erst im Herbst

Im Kanton Freiburg gibt es 1940 Lehrstellen. Diese Zahl umfasst jene Ausbildungsplätze, welche die Firmen auf dem offiziellen Berufsbildungsportal melden; daneben werden geschätzte zehn Prozent direkt vergeben. Von den 1940 Lehrstellen sind derzeit noch 844 unbesetzt. Am meisten offene Lehrstellen hat es bei den Landwirten (186), im Detailhandel (52) und als Kaufmann/-frau (siehe Tabelle). Die Situation sei trotz der Corona-Krise nicht viel anders als in den letzten Jahren, sagt Thomas Di Falco, Dienstchef beim Amt für Berufsberatung und Erwachsenenbildung.

Andere Kultur

Er weist darauf hin, dass es eine unterschiedliche Kultur bei der Lehrstellenbesetzung im französischsprachigen Kantonsteil und in Deutschfreiburg gebe. «Ein Grossteil der Deutschfreiburger Jugendlichen unterschreibt die Lehrverträge normalerweise bereits zwischen November und Ja­nuar/Februar für den Lehrantritt im Herbst darauf. Hingegen ist man im französischen Teil später dran: Hier werden die Verträge erst zwischen Februar und Mai geschlossen.» Also hätten die meisten die Entscheide schon getroffen gehabt, bevor die Corona-Pandemie die Freiburger Wirtschaft erreicht habe. 

Diskrepanz besteht immer

Zum einen gebe es im Kanton Freiburg derzeit noch 746 Schülerinnen und Schüler, die noch keine Anschlusslösung hätten. Zum anderen seien 844 Lehrstellen frei. «Man kann  das Runde nicht ins Eckige pressen», zitiert Thomas Di Falco den Fakt, dass sich die Interessen der lehrstellensuchenden Jugendlichen vom Angebot der Wirtschaft unterscheiden. Diese Diskrepanz bestehe jedes Jahr. Viele Jugendliche hätten eine ganz bestimmte Vorstellung und würden lieber ein Zwischenjahr machen, um dann ihren Berufswunsch umzusetzen. 

Kann sich noch ändern

Dass 746 Schülerinnen und Schüler oder 18 Prozent der Jugendlichen noch keine Anschlusslösung haben, ist für den Dienstchef beim Amt für Berufsberatung und Erwachsenenbildung noch nicht alarmierend. «Das kann sich noch ändern.» Es gehe noch etwa ein Monat bis zum Schulende und auch über den Sommer entscheide sich bei einigen der weitere berufliche Weg.

Klarheit erst im Herbst

Erst im Herbst sei dann ersichtlich, ob und wie sich die Corona-Pandemie auf diese Zahl ausgewirkt hat. «Wir wissen nicht, ob die Unternehmen wegen Corona gewartet haben mit der Vergabe ihrer Lehrstellen oder ob sie allenfalls ihre bisherigen Lehrstellen wegen der Krise zurückgezogen haben», erklärt er.

In seinem eigenen Amt hat er ein praktisches Beispiel: Die kaufmännische Stelle wird normalerweise Anfang Jahr besetzt. Weil keine Schnupperlehren stattfinden konnten, ist das Amt drei bis vier Monate später als sonst dran.

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