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Bildung bleibt der wichtigste «Rohstoff»

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Bildung bleibt der wichtigste «Rohstoff»

Gerhard M. Schuwey setzt sich unermüdlich für die Sozial- und Geisteswissenschaften ein

Seit über 35 Jahren steht der Jauner Gerhard M. Schuwey im Bundesdienst. Unter sechs Mitgliedern der Landesregierung hat er die Bildungs- und Wissenschaftspolitik aktiv mitgestaltet. Als Direktor des Bundesamtes für Bildung und Wissenschaft seit zwölf Jahren steht er an den Schalthebeln, wo wichtige Weichen für die Zukunft des Landes gestellt werden.

Mit GERHARD SCHUWEY
sprach WALTER BUCHS

Die philosophisch-historische Fakultät der Universität Bern hat Ihnen an ihrem letzten Dies academicus die Würde eines «Doctor philosophiae honoris causa» verliehen. Was bedeutet eine solche Auszeichnung für Sie persönlich?

Während den 36 Jahren Bundesdienst habe ich mich stets für die kantonalen Universitäten eingesetzt. Es waren oft schwierige Bedingungen und auch die Beziehungen zu den Hochschulen waren nicht immer einfach. Wenn man nach so langer Zeit eine Auszeichnung von jenen erhält, für die man gearbeitet hat, dann ist man berührt und es bedeutet einem schon einiges.

Es ist ein Zeichen, dass die Arbeit, die man gemacht hat, auch eine Anerkennung gefunden hat. Gleichzeitig empfinde ich eine grosse Dankbarkeit dafür, dass ich diese Aufgabe wahrnehmen durfte.

In der Laudatio hiess es, dass Sie sich «in besonderer Weise als Vermittler der Schweizer Wissenschafts- und Bildungspolitik für die Geistes- und Sozialwissenschaften eingesetzt haben». Inwiefern ist ein Vermittler in diesem Bereich gefragt? Was wird von ihm erwartet?

In all den Jahren war das Geld immer knapp. Die Ansprüche waren höher als die verfügbaren Mittel. Es gab deshalb zeitweise, namentlich in den 70er und 80er Jahren, grosse Spannungen zwischen den Kantonen und dem Bund. Dabei war es mir immer ein grosses Anliegen, auf Bundesebene die Anliegen der Kantone gegenüber anderen Ansprüchen zur Geltung zu bringen.

Man sieht ohne weiteres ein, dass man Geld in Natur- und technische Wissenschaften investieren soll, weil man sich erhofft, dass diese Erkenntnisse unmittelbar wirtschaftlich umgesetzt werden können. Bei den Geistes- und Sozialwissenschaften ist dies nicht auf den ersten Blick klar. Deshalb hatten und haben es diese nicht leicht.

Sie wollten ihnen also bewusst Schützenhilfe leisten?

Ich bin tatsächlich persönlich voll davon überzeugt, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften in unserer Gesellschaft eine sehr grosse Bedeutung haben. Sie rücken Werte in den Mittelpunkt; sie sind sehr wichtig für das Selbstverständnis der Menschen und für die persönliche Sinnerfüllung.

Ich habe es deshalb immer als besondere Aufgabe angesehen, mich auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Forschung für diese Belange an den kantonalen Universitäten einzusetzen, damit die Politik deren Anliegen nicht vergisst. Jetzt hat der Bundesrat bekanntlich in der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2004-2007 ausdrücklich hervorgehoben, dass er für die Geistes- und Sozialwissenschaften, die sich in einer schwierigen Situation befinden, einen besonderen Effort machen will. Es freut mich, dass auch dieser Aspekt vom Bundesrat und den politischen Gremien als wichtig angesehen wird.

Welchen Einfluss können Sie auf die parlamentarischen Kommissionen ausüben, deren Haltung bekanntlich entscheidend ist?

Es ist in den Diskussionen wichtig, dass man die Bedeutung der Geistes- und Sozialwissenschaften mit entsprechenden Zahlen unterstreichen kann und so deren Anliegen zur Geltung bringt. Hiezu ist jeweils ein sorgfältig vorbereitetes Argumentarium bereitzustellen.

Es es nämlich schwieriger, sich für die Geisteswissenschaften als für technische Wissenschaften einzusetzen, bei denen, wie gesagt, die Nützlichkeit unmittelbar erkennbar ist. Wir würden aber einen grossen Fehler machen, wenn wir nur das unterstützen würden, was einen unmittelbaren Gewinn verspricht. Unsere ganze Demokratie, unser Zusammenleben hängen von den Erkenntnissen ab, welche die Geistes- und Sozialwissenschaften erarbeiten. Wenn wir diese vernachlässigen, vernachlässigen wir auch ganz wesentliche Bereiche unseres Lebens.

Der Sinnverlust, der heute in vielen Bereichen festgestellt wird, zeigt, dass unsere Probleme eher in diesen Bereichen liegen als im Mangel an technischen Innovationen und rein wirtschaftlichem Denken. In diesem Zusammenhang ist auch das Zusammenleben verschiedener Kulturen zu erwähnen.

Welches sind die grossen Herausforderungen, die sich der Schweiz heute in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik stellen?

Die absolut wichtigste Voraussetzung ist, dass Bildung und Wissenschaft wieder zu einer Priorität der Politik werden. Diese hatten in den letzten Jahrzehnten zu anderen Aufgaben relativ an Bedeutung verloren. Die Schweiz ist aber gross geworden, indem sie namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg enorm in Bildung und Wissenschaft investiert hat.

In den 14 Jahren, in denen Bundesrat Tschudi in der Landesregierung war, wurden die Beiträge an die eidgenössischen technischen Hochschulen um mehr als 1000 Prozent erhöht. Die Nationalfondsbeiträge sind um 700 Prozent gestiegen. Wir zehren heute noch von diesen Investitionen vor dreissig Jahren, die der Schweiz ein grosses Wirtschaftswachstum ermöglicht haben. Jetzt müssen wir zu diesem Wachstumspfad zurückkehren. Ist das nicht der Fall, sind unsere Erfolge in Bildung – von der Volks- über die Berufs- bis zu den Hochschulen – und Wissenschaft in Frage gestellt.

Und eine zweite Herausforderung?

Es ist die internationale Vernetzung unserer Hochschulen. Bildungs- und Forschungspolitik finden heute im internationalen Rahmen statt. Wir müssen uns diesem Wettbewerb stellen. und uns vernetzen. Deshalb ist die Bologna-Erklärung so wichtig, dank der das europäische Hochschulsystem harmonisiert werden soll. Es geht dabei um eine einheitliche Studienstruktur unter allen europäischen Ländern und die gegenseitige Anerkennung der Diplome, um die Mobilität der Studierenden zu ermöglichen.

Gleichzeitig tun wir gut daran, uns Gedanken über den Sinn der akademischen Ausbildung zu machen und die Inhalte allenfalls zu verändern. Die Strukturierung mit einem ersten Abschluss als Bachelor und einem zweiten als Master, wie sie die Bologna-Erklärung vorsieht, ist meines Erachtens den neuen Lebensbedürfnissen besser angepasst. Sie bringt mehr Flexibilität.

Ist die Schweiz diesen Herausforderungen gewachsen?

Ich bin sehr zuversichtlich. Unsere Hochschulen sind bereits stark vernetzt. Ein Drittel der Professoren und ein hoher Anteil der Studierenden sind Ausländer. Das trifft namentlich auch auf Freiburg zu. Unsere eidgenössischen technischen Hochschulen gehören zu den besten der Welt. All das sind echte Trümpfe. Wir müssen zu diesen Errungenschaften Sorge tragen. Sie sind nämlich gefährdet, weil die Investitionen in Bildung und Forschung in den letzten Jahren stark abgenommen haben.

Es muss leider befürchtet werden, dass die Priorität, die der Bundesrat Bildung und Forschung zuerkannt hat, im Zuge des neuen Spardrucks wieder teilweise rückgängig gemacht wird. V

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