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Das grosse Krabbeln

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Meine Frau schaut mir mit zärtlichem Blick tief in die Augen – und ich spür ein Krabbeln im Bauch. «Ich spür ein Krabbeln im Bauch», informiere ich meine Frau. «Das heisst Kribbeln», korrigiert sie mich. Sie ist Deutschlehrerin. «Es fühlt sich aber eher wie ein Krabbeln an», beharre ich. «Ich glaube, die Mehlwürmer waren nicht ganz durch.» «Hast du sie denn nicht gekaut?», fragt meine Frau ungläubig.

Ein paar Stunden zuvor waren wir im Shoppingcenter an einen Degustationsstand mit Insekten geraten: Mehlwürmer, Heuschrecken, Grillen. Ich hatte meine Fühler nicht schnell genug eingezogen, und schon surrte eine Hostess heran und drückte mir ein Schälchen frittierten Gewürms in die Hand. Erwartungsvoll schaute sie mich aus ihren irritierend grossen Facettenaugen an. Also kippte ich die Viecher in meinen Mund. Auf ex. «Schmeckt wie Poulet, gälled Sie», zirpte die Hostess.

Ich spüre, wie mir übel wird und hole mir einen Schnaps.

«Ich versteh ja, dass Insektenessen ökologischer ist als jeden Tag Rinderfilet», sage ich, «aber trotzdem: Wenn im Restaurant in deiner Suppe eine Fliege schwimmt, weisst du künftig nicht mehr, ob der Koch ein Söiniggel ist oder ob das als Dekoration gemeint ist.» «Das ist dann ein ­Amuse-mouche», sagt meine Frau und schenkt mir einen zweiten Schnaps ein.

«Und Grillen? Wie soll man Grillen grillen? Die fallen doch durch den Rost. Und etwas essen, das den Schrecken schon im Namen trägt? Heuschrecklich.»

Ein dritter Schnaps kann nicht schaden, denke ich, und schenke nach.

«Und man kann seiner Frau nicht mehr Chäferli sagen», fahre ich fort, «weil man dann gleich ans Znacht denken muss und das Gesicht verzieht – und dann meint sie, man habe sie nicht mehr lieb.» «Wer seiner Frau Chäferli sagt, hat sie nicht lieb, sondern ist ein Mistkäfer», sagt meine Frau scharf. «Da hast du natürlich recht, Räupli», beeile ich mich zu sagen, worauf sie mir einen Blick zuwirft, den ich nicht ganz deuten kann.

Lieber noch einen Schnaps.

Ich stell mir vor, wie die Mehlwürmer in meinem Bauch die Eingeweide von innen her auffressen. Panik steigt in mir hoch. «Und wenn du in deiner Küche eine Kakerlake entdeckst, rufst du nicht mehr den Kammerjäger, sondern: ‹Unser Essen haut ab.›» «Haben Käfer eigentlich ein Weglaufdatum?», fragt meine Frau. Ich muss lachen. Das ist wieder mal typisch für sie. Ich male mir meinen grausamen Tod aus, und sie macht billige Witze. Genau deswegen liebe ich sie so.

«Und», fragt meine Frau und schaut mich liebevoll an, «immer noch Tierchen in deinem Bauch?» «Ja», sage ich, «aber sie haben sich grad als Schmetterlinge entpuppt.»

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