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«Das Leben ist wie ein Wanderweg»

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Es ist Ende November, draussen ist es kalt, aber Monique van der Roer empfängt ihren Besuch in einem ärmellosen grauen Kleid, die Arme noch leicht gebräunt von den Ferien, die sie soeben auf Mauritius verbracht hat. Doch die Wärme, welche die gebürtige Niederländerin ausstrahlt, kommt von innen. «Ich werde bald 60  Jahre alt, aber das Kind in mir ist noch lange nicht tot», sagt sie und lacht ihr strahlendes Lachen.

Ihr jugendlicher Elan mag auch daher kommen, dass sie täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat. Monique van der Roer leitet seit 41  Jahren ihre eigene Tanzschule. Seit 1994 ist diese in Villars-sur-Glâne ansässig; aus­ser­dem gibt van der Roer Kurse in Bulle, Estavayer-le-Lac und Payerne. Die meisten der aktuell rund 350 Schülerinnen und Schüler sind Mädchen und junge Frauen, doch auch ein paar Knaben und einige Erwachsene nehmen an den Kursen teil, die vom klassischen Ballett über Jazz, Stepptanz, Contemporary und Capoeira bis zum indischen Kathak reichen. Etwa 12 000 Schülerinnen und Schüler habe sie in all den Jahren unterrichtet, sagt Monique van der Roer und staunt selber ein bisschen über die Zahl.

Geschaffen für den Tanz

Auch wenn sie in jungen Jahren viel ausprobiert habe, habe sie im Grunde nie etwas anderes sein wollen, als Tänzerin und Tanzlehrerin, erzählt die 59-Jährige, die diesen Monat ihren 60. Geburtstag feiern wird. Sie steht auf und holt ein altes, abgegriffenes Album aus ihrem Büro. Es ist voller Fotos und Zeichnungen aus der Zeit, als Monique van der Roer als Mädchen die Tanzschule Scapino in Amsterdam besuchte. Sie zeigt auf das Foto einer eleganten Frau. Das Bild zeigt die Tänzerin und Tanzpädagogin Hans Snoek, die Gründerin des Scapino Ballett. «Ich traf sie im Haus meiner Grosseltern, als ich vier Jahre alt war», erinnert sich Monique van der Roer. «Sie sah mich zu Mozarts ‹Eine kleine Nachtmusik› – meiner einzigen Schallplatte – tanzen und sagte, ich sei für den Tanz geschaffen.» So trat die kleine Monique mit fünf Jahren in die Ballettschule Scapino ein und blieb dort, bis sie 1972 mit ihrer Familie in die Schweiz zog. Da war sie vierzehn Jahre alt, und das Tanzen war längst ein fester Bestandteil ihres Lebens.

Dass die sechsköpfige Familie – Monique van der Roer ist die älteste von vier Schwestern – nach Freiburg kam, lag am Beruf des Vaters. Dieser hatte eine Stelle als Ingenieur bei der Polytype angenommen. Die Familie lebte zuerst in der Stadt Freiburg und zog später nach Belfaux. «Wir besuchten die Schulen auf Französisch, da dies für uns eine grössere Herausforderung war als das Deutsche», sagt Monique van der Roer, die längst beide Sprachen fliessend beherrscht. Nach der Matura am Kollegium Heilig Kreuz begann sie ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, doch ihr Herz schlug stets für den Tanz. Sie nahm Tanzstunden am Konservatorium Freiburg und begann noch als Gymnasiastin, selber zu unterrichten. «Neben dem Studium hatte ich alle möglichen Jobs, aber irgendwann musste ich mich entscheiden, was ich wirklich wollte», erzählt sie. Eine Wahl, die ihr nicht schwerfiel: «Ich entschied mich für meine Ballettschule, weil es ganz einfach das Schönste war, was ich machen konnte.»

Eine Frau mit vielen Interessen

Doch Monique van der Roer unterrichtete nicht nur, sie war auch selber Tänzerin und tanzte von 1974 bis 1978 am Cen­tre de Ballet Contemporain in Nyon. Wegen Knieproblemen habe sie das Tanzen schliesslich aufgeben müssen. Nicht nur deshalb habe sie 1982 ein Angebot des damaligen London Festival Ballet abgelehnt. «Ich wollte nicht nach London, weil ich spürte, dass mein Leben hier in Freiburg war.» Kurz gerät sie ins Sinnieren: «Vielleicht hätte ich es tun sollen – aber nein, ich bereue nichts. Das Leben ist wie ein Wanderweg, mal geht man nach rechts, mal nach links, aber man muss sich entscheiden.»

Wäre Monique van der Roer damals nach London gegangen, hätte sie nicht zwei Jahre später in Freiburg ihren heutigen Ehemann kennengelernt, einen Freiburger Anwalt mit britischen Wurzeln. Mit ihm hat sie zwei Kinder, zudem brachte er einen Sohn mit in die Beziehung. Dieser ist heute 37-jährig und hat selber eine kleine Tochter. «Ich bin also bereits Grossmutter», sagt Monique van der Roer und lacht. Ihre leiblichen Kinder sind ihre 30-jährige Tochter, die sich in der Facharztausbildung zur Gynäkologin befindet, und ihr 23-jähriger Sohn, der seit zwei Jahren professioneller Freestyle-Skifahrer ist. Wie wichtig ihr ihre Kinder sind, merkt man, wenn sie voller Stolz von ihnen erzählt. Trotzdem schätzt sie die Freiheit, die sie hat, seit die jungen Leute von zu Hause ausgezogen sind. Auch in der Tanzschule gebe sie zunehmend Verantwortung an ihre angestellten Lehrerinnen ab und unterrichte selber weniger als früher. So hat sie mehr Zeit für ihre vielen anderen Interessen: die Kultur, das Skifahren, das Segeln – oder das Reisen mit ihrem Ehemann. Kommende Woche geht es in die alte Heimat, nach Amsterdam, und im Januar zum Skifahren in die Dolomiten – auch das eine Familientradition, die bis in ihre Kindheit zurückreicht.

FN-Serie

Eine Stafette mit Porträts

In einer losen Serie stellen die FN Menschen aus ihrem Verbreitungsgebiet vor: Personen, die etwas Spannendes erlebt haben, über eine grosse Lebenserfahrung verfügen, einen interessanten Beruf oder ein spezielles Hobby haben oder die an ihrem Wohnort das Dorf- oder Stadtbild prägen. Der jeweils Porträtierte bestimmt das folgende Porträt. Das nächste Mal: Jean-Marc Schwaller aus Belfaux.

mz

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