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«Denk nicht, schau hin»

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«Denk nicht, schau hin»

Zum 20. Todestag des Fotografen André Kertész zeigt die Kantonsbibliothek eine Retrospektive

Vor 20 Jahren ist der ungarisch-amerikanische Fotografie-Pionier André Kertész im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg widmet ihm ihre neue Ausstellung.

Von CAROLE SCHNEUWLY

André Kertész wurde 1894 in Budapest geboren, zu einer Zeit, als auch die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte. Seine Faszination für diese Kunst entdeckte der kleine Andor, wie er damals noch hiess, schon im Alter von sechs Jahren, beim Durchblättern einer Ausgabe der Zeitschrift «Die Gartenlaube». Seine erste Kamera kaufte er, als er 18 Jahre alt war, und von da an widmete er der Fotografie jede freie Minute.

Die Kamera wurde zu seinem ständigen Begleiter, sei es an der Front im Ersten Weltkrieg, sei es in den Strassen von Budapest oder von Paris, wo Kertész ab 1925 lebte. Er richtete sich im Quartier Montparnasse ein, verkehrte in literarischen Kreisen und Künstlermilieus und begann, Künstlerateliers, Strassenszenen, aber auch seine Freunde und Landsleute zu fotografieren. Sein Talent wurde rasch erkannt: 1927 stellte er in der Galerie «Au Sacre du Printemps» aus, und in den folgenden Jahren erhielt er immer wieder Aufträge für Reportagen und Illustrationen in französischen und deutschen Zeitschriften.

Missverstanden und rehabilitiert

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 druckten die deutschen Zeitschriften keine Bilder des jüdischen Fotografen mehr. André Kertész folgte dem Ruf der Agentur Keystone und zog 1936 mit seiner Frau Elisabeth nach New York. Nach nur einem Jahr verliess er Keystone bereits wieder und hielt sich und seine Frau fortan unter anderem mit Auftragsarbeiten für «Harper’s Bazaar» oder «House and Garden» über Wasser.

Als Künstler aber war Kertész in Amerika nicht gefragt. Mit seiner eigenwilligen und avantgardistischen Art zu fotografieren fühlte er sich jahrzehntelang missverstanden. Seine berühmte Serie «Distortions» («Verzerrungen») etwa stiess mit ihren durch einen verformenden Spiegel sphärisch verzogenen Aktbildern auf Ratlosigkeit und Ablehnung. Kertész wandte sich immer mehr von der ganzen Szene ab, und 1962 war er gar soweit, dass er seiner Laufbahn als Berufsfotograf ein Ende setzen wollte.

Just zu diesem Zeitpunkt entdeckte er die Negative seiner ungarischen und seiner französischen Periode wieder, die er dreissig Jahre zuvor in Paris zurückgelassen hatte. Mit einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York begann 1964 die Rehabilitation des Fotografen. Zahlreiche Ehrungen und Ausstellungen auf der ganzen Welt folgten; 1975 war Kertész Ehrengast der «Rencontres internationales de la Photographie» in Arles.

Blick aus dem Fenster

Trotz dieser späten Anerkennung gab Kertész seine Zurückhaltung gegenüber dem amerikanischen Fotografenmilieu nicht auf. Mit dem inneren ging ein äusserer Rückzug einher: Kertész blieb einer Arbeitsweise treu, die er in den schwierigen Jahren für sich entdeckt hatte, nämlich dem Fotografieren von seinem Fenster aus. Die Vogelperspektive auf den Washington Square, die Verschachtelung der Dächer, die kleine Welt unten auf der Strasse faszinierten ihn.

In seinen letzten Lebensjahren stieg die Nachfrage nach Kertész’ Bildern weiter, und es wurden ihm mehrere Monographien gewidmet. Im Bestreben, sein Werk zusammenzuhalten, schenkte er ein Jahr vor seinem Tod seinen gesamten Nachlass dem französischen Kulturministerium: 100 000 Schwarz-weiss-Negative, 15 000 Farb-Diapositive, persönliche Korrespondenz und weitere Dokumente. Am 28. September 1985 starb Kertész in seiner New Yorker Wohnung.

Bilder voller Gefühle

«André Kertész, das Zweifache eines Lebens» heisst die Retrospektive, die am Freitag in der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg eröffnet wurde. «Das Werk von Kertész haftet doppelt an seinem Leben: an dem, was er gesehen hat, und an dem, was er gefühlt hat», so die Erklärung für den Titel. Jedes Bild sei angereichert durch die Empfindungen des Fotografen und werde in seiner Ehrlichkeit zum «perfekten Doppel der Präsenz seines Urhebers».

André Kertész selbst umschrieb diese Unmittelbarkeit seines Schaffens gerne mit den schlichten Worten: «Denk nicht, schau hin.»

Die Retrospektive dauert bis zum 8. Oktober. Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 8 bis 22 Uhr, Sa. 8 bis 16 Uhr. Am 28. September, Kertész’ Todestag, findet um 18 Uhr eine Hommage statt.

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