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Der «Kapitän» verlässt die Brücke

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Der «Kapitän» verlässt die Brücke

Autor: Fahrettin Calislar

Ende Juni geht die Ära Philippe Virdis bei Groupe E zu Ende, und er zieht sich quasi in den Ruhestand zurück. Quasi deshalb, weil der 64-jährige Generaldirektor und Delegierte des Verwaltungsrates des staatsnahen Energiekonzerns nicht aus der Öffentlichkeit verschwinden wird. Im Gegenteil: Er bleibt dem Unternehmen weiterhin als Mitglied einiger Führungsgremien erhalten. Er macht einen Rück- und Ausblick.

In welchem Zustand übergeben Sie Groupe E Ihrem Nachfolger Dominique Gachoud, Herr Virdis?

Wir haben in einem sich öffnenden Markt einen staatlichen Monopolbetrieb in ein dynamisches Unternehmen überführt. Ich bin zufrieden, dass wir diese Umwandlung und die Fusion mit der Neuenburgischen Elektrizitätsgesellschaft Ensa abgeschlossen haben. Wir sind konkurrenzfähig und bereit für die Herausforderung eines total geöffneten Marktes. Wir erwarten diesen Schritt frühestens für 2015. Groupe E ist heute mehr als nur ein lokaler Stromanbieter: Wir verkaufen Wärme, Gas und in Zukunft auch Wasserstoff. Unsere Umsatzzahlen steigen, wir sind heute die Nummer eins der Energieversorger in der Romandie. Groupe E operiert in der ganzen Schweiz und ist auf nationaler Ebene anerkannt.

Sie waren zwölf Jahre lang der Chef dieses Unternehmens. Worauf sind Sie besonders stolz?

Vor allem bin ich stolz auf die vielen Arbeitsplätze, die wir schaffen konnten, insbesondere jene in innovativen Bereichen wie der Fernwärme oder Holzschnitzelfeuerungen. Wir betreiben in dreissig Schweizer Gemeinden solche Installationen. Als ich hier begann, hatten wir etwa 780 Angestellte, jetzt arbeiten hier mehr als 1300. Vor allem bin ich stolz auf unsere 140 Lehrlinge. Sie sind unsere Zukunft, unsere Kunden, unsere Manager. Ich bin auch stolz auf die wirtschaftliche Basis dieses Unternehmens. Während dieser Periode hat sich die Bilanzsumme von aktuell 2,4 Milliarden Franken vervierfacht. Das Eigenkapital ist von 284 Millionen auf 1,8 Milliarden Franken gestiegen, und wir sind heute fast schuldenfrei. Die finanzielle Situation von Groupe E ist sehr solid. Sie ermöglicht, dass wir unserer Region so viel wieder zurückgeben können.

Groupe E ist einer der «vier Pfeiler der Freiburger Wirtschaft». Was bedeutet das?

Die vier staatlichen Betriebe haben ein einfaches gemeinsames Ziel: Wir wollen diesen Kanton unterstützen. Wir sind vier Unternehmen, die denselben Eigentümer und dieselbe Kundschaft haben. Auch wenn Groupe E zusätzlich noch ausserhalb des Kantons arbeitet. Wir ermöglichen wichtige Aktivitäten, wie die Fribourgissima oder kantonale Musikfeste, Sportveranstaltungen oder den Betrieb von Sportanlagen. Wir können unsere finanziellen und logistischen Mittel einbringen, um damit in Kultur, Sport und Bildung etwas zu bewegen. Jeder für sich hätte nicht so viel Durchschlagskraft.

Ihre Firma scheint überall präsent zu sein, zum Beispiel an vielen Sportanlässen. Wieso muss das sein?

Diese Unterstützung sportlicher Aktivitäten kostet uns zwar etwas, bringt uns einen Ertrag in Form von Marketing und Präsenz. Der Elektrizitätsmarkt für die grossen Kunden ist heute offen. Wir müssen Werbung machen, um neue Kunden zu gewinnen.

Der HC Fribourg-Gottéron ist Ihnen so wichtig, dass Sie mit Ihrer Pullover-Aktion diesen Winter viel Staub aufgewirbelt haben. Würden Sie diese heute noch mal durchführen?

So einen Coup kann man nur einmal landen. Groupe E hat das gemacht, weil Gottéron drauf und dran war, bis zum Halbfinal oder gar ins Final vorzustossen. Ich glaube, wir würden mindestens etwas Ähnliches wieder machen und ich hoffe, dass mein Nachfolger auf diesem Weg bleibt. Wir müssen die Menschen überraschen, sie neugierig machen, sie unterhalten, ihnen etwas schenken.

Der Staatsrat hüllte sich über die Kosten in Schweigen. Also: Wie viel hat Sie die Aktion gekostet?

Rechnen Sie selbst: 20 Franken pro Pullover, 7000 Exemplare. Das ist kein grosser Betrag, etwa 140000 Franken. Das war ein Werbecoup und ein Dankeschön an alle Fans, die sich die Spiele von Gottéron anschauen, mit dem Logo von Groupe E auf der Brust.

Verstehen Sie Tschernobyl und Fukushima als Vorboten eines Paradigmenwechsels? Oder als Schaden, den man für die Energieproduktion in Kauf nehmen muss?

Fukushima wird nicht vergessen gehen. Es war viel schwerwiegender als Tschernobyl. Es wird grosse politische Auswirkungen haben, einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft auslösen. Ich denke, vor allem im Westen, vor allem in der Schweiz, weniger in Asien. Konsumenten, Versorger und Erzeuger müssen sich aber damit auseinandersetzen, dass wir die Atomenergie durch erneuerbare Energien ersetzen müssen.

Welche Folgen hat das?

Fukushima ist im Gegensatz zu Tschernobyl zu einer Zeit geschehen, als man schon grosse Fortschritte in den erneuerbaren Energien gemacht hat. Die Preise für Strom aus Windmühlen oder aus Sonnenkraft sind gesunken, die Möglichkeiten Strom zu sparen sind gestiegen. Allerdings wird alles viel teurer. Die Kompensation des Kohlendioxids macht die Energieerzeugung teurer. Eine «grüne» Kilowattstunde kostet doppelt so viel, wie eine «graue».

Doch Stromsparen ist schon lange angesagt. Worin liegt denn der Unterschied von damals zu heute?

Heute hat man die Möglichkeit, genau und unmittelbar zu wissen, was man konsumiert. Das ist wie beim Auto. Dort können Sie auch immer alles an den Anzeigen ablesen. Das war bisher nicht möglich. Einmal im Jahr erhielt man eine Rechnung, doch das reicht nicht. Heute weiss man das «real time». Denken Sie an unsere e-vision-App fürs Smartphone, die unmittelbar und genau Ihren aktuellen und früheren Verbrauch anzeigt.

Wo sehen Sie Groupe E in zehn oder zwanzig Jahren?

Wir sind heute ein diversifiziertes Energieunternehmen, wir werden unsere Angebotspalette weiter verbreitern und verschiedenste Dienstleistungen anbieten. Wir werden hoffentlich als Erste die Schweiz mit Wasserstoff versorgen, das ist die Vision von Philippe Virdis. Groupe E schreitet weiter in diese Richtung, auch ohne mich. Wir dürfen nicht stillstehen und warten, bis die Konkurrenz aufholt. Pioniergeist und Innovation ist unser oberstes Motto. Wir setzen zum Beispiel auf Glasfasernetze. Unser Projekt zusammen mit der Swisscom ist zwar blockiert, aber wir haben lange daran gearbeitet und sind zuversichtlich, dass wir für das Projekt nächstens grünes Licht bekommen können.

Und was macht Philippe Virdis, wenn er nicht mehr Chef ist? Als einfachen Rentner können wir ihn uns nicht vorstellen…

Wissen Sie, ich segle. Meine Kameraden auf dem Schiff nennen mich «Herr Kapitän». Nur beim Segeln bin ich in Zukunft der Chef. Die operationelle Arbeit hier lege ich nieder. Ich bleibe aber aktiv in vielen Bereichen. Ich werde noch einige Verwaltungsräte präsidieren, und im Bereich erneuerbare Energien führe ich weiterhin die Firmen Belenos und Swiss Hydrogen Power, ich bleibe Präsident der Stiftung Jean Tinguely, die in der Sportnachwuchsförderung tätig ist. Ich will diesem Kanton, der mir so viel ermöglicht hat, etwas zurückgeben. Sei es in der Kulturförderung oder im Sport.

Eine Karriere in der Politik schwebt Ihnen nicht vor?

Politik war nie ein Thema für mich. Ich wäre ein schlechter Politiker. Ich glaube auch, dass ich dieses Unternehmen nur führen konnte, weil ich eben nicht Politiker bin. Ich bin total unabhängig von jeder Parteilichkeit geblieben.

Zum Schluss würde es mich interessieren, welcher Strom bei Ihnen zu Hause eigentlich aus der Steckdose kommt…

Ich bin Kunde von Groupe E. Ich habe vor mehreren Jahren einen Vertrag für die Versorgung mit «grüner» Energie unterschrieben: 100 Prozent meiner privaten Versorgung ist «Courant vert hydro» und ein Anteil davon «Sun star». Ich habe 25 Quadratmeter Solarzellen auf meinem Dach, und schon lange eine Wärmepumpe für Geothermie. Ich habe überall Messgeräte in der Wohnung, die den aktuellen Stromverbrauch anzeigen. Meine Frau findet sie zwar überhaupt nicht so toll… Aber ich kann ja nicht die Leute überall auffordern, Strom zu sparen und nicht selber als gutes Vorbild voranschreiten.

Ich kann ja nicht die Leute auffordern, Strom zu sparen und nicht selber als gutes Vorbild voranschreiten.

«Erneuerbare»:Philippe Virdis’ «grüner» Daumen

Philippe Virdis bleibt auch weiterhin im Energiegebereich tätig. Zusammen mit dem 2010 verstorbenen Uhrenpatron Nicolas Hayek hatte er die Firma Belenos Clean Power Holding aufgebaut, ein Unternehmen, das sich der Energiegewinnung aus einer Brennstoffzelle verschrieben hat. Die Zelle funktioniert auf der Basis von Wasserstoff. Virdis ist Verwaltungsrat dieses Unternehmens. Im selben Bereich arbeitet auch die Firma Swiss Hydrogen Power (SHP), deren Vizepräsident des Verwaltungsrats er ist.fca

Zur Person

Während 35 Jahren in der gleichen Firma

Philippe Virdis, am 30. Mai 1948 geboren, ist Bürger der Stadt Freiburg und von Tafers. Er ist studierter Elektroingenieur und begann seine Berufskarriere bei der BBC Brown Boveri in Genf. 1977 kam er zu den Freiburgischen Elektrizitätswerken, deren Generaldirektor er 2000 wurde. Ein Jahr später begann die intensive Zusammenarbeit mit der Ensa, den Neuenburgischen Elektrizitätswerken. Diese Kooperation führte zur Fusion und zur Bildung von Groupe E, welche er seit 2005 anführt. Im Juni 2009 wurde er zusätzlich Delegierter des Verwaltungsrats von Groupe E. Virdis hat von Amtes wegen auch Einsitz in den Führungsgremien verschiedener Partner- oder Tochterunternehmen wie der Bernischen BKW, der EW Jaun Energie AG und der Groupe E Connect AG. Virdis ist verheiratet und hat drei Kinder. fca

Die Kompensation des Kohlendioxids macht die Energieerzeugung teurer. Eine «grüne» Kilowattstunde kostet doppelt so viel, wie eine «graue».

Philippe Virdis blickt auf eine ereignisreiche Karriere bei Groupe E zurück.Bild Charles Ellena

LegendeBild ???

Zu den Personen

Titel zweizeilig

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