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Der Krebsgang scheint vorerst gestoppt

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Pascal Riedo schreitet in seinen hohen Gummistiefeln behutsam stromaufwärts durch den Bach im unteren Sensebezirk. Die Bäume an der Böschung verdecken den Mondschein. Riedos Stirnlampe leuchtet das Wasser ab. Mit seinem geübten Auge erkennt er die vielgliedrige Form auf dem Bachbett. Er greift ins Wasser und hält einen ungefähr handgrossen Dohlenkrebs in der Hand.

Riedo entdeckt in dieser Nacht noch zahlreiche andere Krebse im Bach. «Ich habe eine Riesenfreude an den Tieren», sagt er. Vor zwei Jahren hat der Fischereiaufseher erstmals Bäche im Sensebezirk systematisch durchforscht und gestaunt, wie viele Krebse da leben. Diesen Sommer tut er es wieder, im Rahmen eines kantonalen Krebs-Monitorings. Fünf Bäche und einen Teich inspiziert er in diesen Wochen, insgesamt rund 16 Kontrollpunkte. Er wendet dafür rund fünf Nächte auf und sucht da etwa von 21 Uhr bis gegen 2 oder 3 Uhr morgens nach Krebsen.

«Krebse sind die Gesundheitspolizei der Gewässer», sagt er. Das heisst, je geringer der Krebsbestand, umso schlechter die Wasserqualität. Bisher hat Riedo unerwartet viele Krebse gefunden. Ein gutes Zeichen. Er findet in dieser Nacht aber auch ein Tier, bei dem ein Teil seiner Schere fehlt, sowie eine einzelne, abgetrennte Schere. Diese Verletzungen können Krebse einander selber bei einer Rangelei zugefügt haben. Ein anderer Krebs bewegt sich dagegen kaum mehr. «Er ist am Sterben», so Riedo. «Der Panzer ist eingedrückt.» Den Grund dafür kennt Riedo nicht. Ein rollender Stein könnte die Verletzung verursacht haben. Sie könnte aber auch von einem Menschen stammen. Deswegen will der Fischereiaufseher nicht, dass man den Ort nennt, wo er die Krebse findet. Das könnte sonst Neugierige anlocken, die Krebse fangen wollen. «Früher waren Krebse ein Arme-Leute-Menü.»

Geschützte Tiere

Heute dürfen Krebse nicht mehr aus den Gewässern entnommen werden. Sie sind geschützt. Ihr Schutz ist ein gesetzlicher Auftrag und die Aufgabe das kantonalen Amts für Wald, Wild und Fischerei.

Weil die einheimischen Flusskrebsarten verschwinden, haben sie schweizweit Aufmerksamkeit erhalten. Im Kanton Freiburg wurde bereits 1976 eine erste Datenbank über Flusskrebse angelegt. Seit 2001 beauftragt das kantonale Amt ein Büro, ein Management zur Arterhaltung auszuarbeiten. Seit 2005 findet ein regelmässiges Monitoring mit den kantonalen Wildhütern und Fischereiaufsehern statt. Die Kampagne wurde 2010 wiederholt und findet in diesem Sommer wieder statt.

Dohlenkrebs und Edelkrebs

Im Kanton Freiburg kommen zwei der drei einheimischen Flusskrebsarten vor: der Dohlenkrebs, welcher mehrheitlich in Bächen zu finden ist, und der Edelkrebs, der eher in Weihern lebt. Im Kanton Freiburg galt die Sionge, ein Nebenfluss der Saane, als Gebiet mit einer der grössten Populationen des Dohlenkrebses in der Schweiz. Die zweitwichtigste Population des Kantons finde sich im Sensebezirk, sagt der kantonale Fischereiverwalter Jean-Daniel Wicky. Der Edelkrebs lebe an zwei Standorten in Weihern, so Wicky. Wie er präzisiert, hatten Mönche den Edelkrebs im Mittelalter in den Teichen ihrer Klöster gezüchtet.

Rückgang nach 2005

Sébastien Lauper, technischer Mitarbeiter beim Amt für Wald, Wild und Fischerei, sagt, dass zwischen den kantonalen Zählungen von 2005 und 2010 ein markanter Rückgang der Krebspopulation im Kanton Freiburg festgestellt wurde. Gemäss Lauper sind 13 Populationen verschwunden, aktuell bleiben zwölf übrig. «Der Rückgang der Populationen innerhalb der letzten zehn Jahre beträgt also rund 50 Prozent», so Lauper. Erschwerend komme hinzu, dass die Krebse in jene Gewässer, aus denen sie verschwunden sind, oft nicht mehr zurückkommen würden.

Die Anzahl Standorte sagt aber nichts über die Anzahl Krebse in Freiburger Gewässern aus. Die Fischereiaufseher kontrollieren und stellen entweder eine schwache, mittlere oder grosse Dichte an Krebsen fest. Aus der noch laufenden Erhebung dieses Sommers zeichnet sich aber schon jetzt eine generelle Zunahme der Anzahl Krebse ab. «Dieses Jahr ist ein gutes Krebs-Jahr», meint Lauper.

Die Gründe für die Schwankungen sind nicht immer klar. Viele Krebse deuten auf eine gute Wasserqualität hin. Wenig Krebse gebe es hingegen in trockenen Jahren mit wenig Wasser, meint Lauper. «Sie finden dann weniger Unterschlüpfe.»

Eine ganze Krebspopulation kann aber auch aufgrund einer Verschmutzung für immer aus einem Gewässerlauf verschwinden. «Durchschnittlich haben wir im Kanton mehr als eine Gewässerverschmutzung pro Woche», sagt Lauper. Jean-Daniel Wicky ergänzt, dass Krebse eher Eigenschaften von Insekten als von Fischen aufweisen. Insofern seien sie sehr empfindlich auf ­Insektizide.

Amerikanische Feinde

Weitere Feinde der einheimischen Flusskrebsarten sind die eingeführten amerikanischen Kamberkrebse und Signalkrebse. Diese sind häufig Träger der Krebspest. Die amerikanischen Krebse sind resistent dagegen, nicht aber die einheimischen Flusskrebse: Bei diesen frisst sich der Pilz durch den Panzer und tötet die Tiere schliesslich.

Die amerikanischen Krebse kommen hauptsächlich im Murten- und im Neuenburgersee sowie im Broyekanal vor. Unterdessen sind diese Krebse auch im Greyerzer- und im Schiffenensee aufgetaucht. Um eine Verbreitung der Krebspest auf neue Gewässer zu verhindern, ist der Transport von lebendigen amerikanischen Krebsen verboten.

Zucht als Vision

Um seine Aufgabe, den Artenschutz zu gewährleisten, wahrzunehmen, versucht das Amt für Wald, Wild und Fischerei mit seinem Monitoring besser zu verstehen, warum Krebse sich vermehren oder verschwinden. Eine der Massnahmen zum Artenerhalt sei die Renaturierung von Bächen, so Jean-Daniel Wicky. Eine weitere Möglichkeit wäre die Zucht.

Insbesondere den Edelkrebs möchte das Amt fördern. «Über die Zucht von Krebsen wissen wir noch nicht sehr viel», sagt Wicky. «Wir könnten uns dies jedoch in der neuen Fischzucht von Estavayer-le-Lac vorstellen. Die Zucht ist eine Vision, steht aber aufgrund mangelnder Ressourcen vorerst auf ‹Stand-by›.»

Krebspopulation

Im Kanton gibt es zwei Arten

In den Gewässern des Kantons Freiburg finden sich zwei einheimische Krebsarten: der Dohlenkrebs und der Edelkrebs. Der Dohlenkrebs ist von den Britischen Inseln bis zum Balkan in ganz Europa verbreitet. In der Schweiz besiedelt er hauptsächlich Fliessgewässer, Stillgewässer und Kanäle in den Kantonen Aargau, Bern, Basel-Land, Freiburg, Genf, Graubünden, Jura, Luzern, Neuenburg, St. Gallen, Solothurn, Tessin, Waadt, Wallis und Zürich. Er kommt an rund 700 Stellen vor und bewohnt rund 7 Prozent der Stillgewässer und 45 Prozent der Fliessgewässer. Das Verbreitungsgebiet ist allerdings stark zurückgegangen, so dass der Dohlenkrebs als stark gefährdete Art einzustufen ist. Er wird bis 12 Zentimeter lang, erreicht ein Gewicht von 90 Gramm und kann älter als 10-jährig werden.

Der Edelkrebs stammt aus Zentraleuropa, ist heute aber in ganz Europa verbreitet. Er kann unterschiedlich gefärbt sein und bis 15 Zentimeter lang und 250 Gramm schwer werden. Er ist in den gleichen Kantonen wie der Dohlenkrebs anzutreffen, fehlt aber auf der Alpensüdseite. Er wurde in 54 Prozent der Stillgewässer und 22 Prozent der Fliessgewässer festgestellt. Der Edelkrebs gilt als gefährdete Art.

uh

 

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