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«Die Bibel ist kein Geschichtsbuch»

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José Balmer glaubt nicht, dass Gott seinen Sohn am Kreuz sterben liess, um die Menschheit von der Sündenschuld zu erlösen. «Das ist ein seltsames, gewalttätiges Bild von Gott, der seinen Sohn opfert», sagt der in Tafers wohnhafte Theologe. Jesus sei zum Tod verurteilt worden, weil er ein religiöser Rebell gewesen sei, welcher der herrschenden politischen und religiösen Macht widersprochen habe. «Sein Tod war die banale Konsequenz seines Engagements für die Entrechteten und Benachteiligten», schreibt er in seinem soeben veröffentlichten Büchlein.

Für sich geschrieben

In 52 kurzen Kapiteln hat sich José Balmer Gedanken über den christlichen Glauben in der heutigen aufgeklärten, multikulturellen und globalisierten Welt gemacht. Es gebe viele Fragen: Wie lassen sich Evolution und Schöpfungsgeschichte vereinen? Gibt es Wunder? Greift Gott in das Leben der Menschen ein? «Nein», ist José Balmer überzeugt. «Die Welt funktioniert autonom. Für das, was geschieht, tragen wir die Verantwortung», erklärt er. «Für mich ist Gott kein Marionettenspieler, der das Geschick der Menschen lenkt und willkürlich die einen begünstigt und andere benachteiligt.»

Alle diese Fragen habe er für sich klären und in einem kohärenten Bild, wie ein Mosaik, zusammentragen wollen. Ermuntert von Bekannten, hat er seine 52 Kurztexte dem Pfarrblatt Bern angeboten. Seit Januar erscheinen sie dort wöchentlich bis Ende des Jahres.

Frei und engagiert

José Balmer plädiert dafür, dass jeder Mensch seine wahre Freiheit entdeckt und zum engagierten Handeln nutzt. Dieser Freiheitsgedanke ist sein zentrales Anliegen. Deshalb hat er sein Büchlein mit «Frei und engagiert» betitelt. «Wie gehe ich mit dieser Freiheit um? Was mache ich aus meinem Leben?», sind Gedanken, die ihn beschäftigen. Der katholische Theologe spricht sich dafür aus, dass der Sinn dieser wertvollen Freiheit darin besteht, sie für ein Engagement und für ein friedliches Zusammenleben einzusetzen.

Ein anderes Thema in seinen Kurztexten ist der Missbrauch des religiösen Etiketts, den er anprangert – eine Praxis, die sich stets wiederhole. «Im Namen Gottes plünderten und mordeten die christlichen Eroberer in Amerika und Afrika, heute missbrauchen die IS-Gotteskrieger Gott für ihre Zwecke.» Gott und Glaube dürften nie als Rechtfertigung für Gewalt herhalten. Darum fordert er auch, dass die liturgischen Texte neu formuliert und von der unsäglichen Opfermystik befreit werden.

Sechs Gebote

José Balmer versteht das Christsein nicht nur als Pflege des individuellen «Seelenheils», sondern als sozialpolitische Aufgabe. In Bolivien lernte er die Befreiungstheologie hautnah und konkret kennen: den «Blick von unten, aus den Augen der Armen und Unterdrückten», wie er sagt. Von daher und aus seiner Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit hat er sechs «Gebote» formuliert–Forderungen, damit das Zusammenleben der Menschheit gerechter und friedlicher wird: ein globaler Blick statt Einzelinteressen, ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen sowie zwischen Arm und Reich, mehr Empathie mit den Mitmenschen, eine bessere Verteilung der Wertschöpfung weltweit, mehr Transparenz in der Weltwirtschaft und die Versöhnung der Religionen. «Der christliche Glauben muss auch im gesellschaftlichen und politischen Alltag Bedeutung haben», sagt er, «sonst ist er für die Katz.»

Fortschritt im Kleinen

José Balmer ist optimistisch. Er glaubt daran, dass sich die Welt ändern kann, dass die Menschheit in Denken und Handeln Fortschritte macht, wenn auch langsam und mit Rückschlägen. «Dafür braucht es Bildung», meint er. Bildung bringe Menschen geistig weiter, so dass sie weniger manipulierbar seien. «Deshalb versuchen ja Populisten und Fundamentalisten jeglicher Couleur, Bildung schlechtzumachen und zum Beispiel Mädchen von der Bildung fernzuhalten.»

Leute mit einer traditionellen Einstellung könnten seine Ansichten als ketzerisch einstufen. «Das macht nichts», sagt er. Nach der Publikation im Pfarrblatt Bern habe er positive und ablehnende Rückmeldungen von Lesern erhalten. «Es geht mir nicht ums Provozieren», erklärt er. Er wolle vielmehr zum Weiterdenken anregen. «Jede und jeder hat die Freiheit, Dinge zu hinterfragen und seine eigene Wahrheit zu entdecken. Daraus erwächst dann die Kraft, sich für etwas Positives einzusetzen.»

José Balmer:«Frei und engagiert–52 Impulse für ein spirituelles Leben». Rex-Verlag, illustriert mit 52 Fotos; Leseproben, weitere Informationen und Bestellung auf: www.humano.ch.

Zur Person

21 Jahre lang Seelsorger

José Balmer, Jahrgang 1950, stammt aus Hochdorf LU. Er war in Matran im Internat und machte am Kollegium St. Michael in Freiburg die Matura. Er studierte Philosophie und katholische Theologie in Deutschland. José Balmer trat dem Redemptoristenorden bei und arbeitete während 21 Jahren als Seelsorger. Von 1982 bis 1988 war er in einem Dorf im tropischen Bolivien tätig. 1998 legte er sein Priesteramt nieder. Dies, weil ihm die Sonderstellung als Priester nicht mehr behagte, er mit der Kirchenpolitik von Papst Johannes Paul II. gegen die Befreiungstheologie nicht einverstanden war und seine jetzige Frau kennenlernte. Seit 1998 arbeitet er beim Hilfswerk Brücke-Le pont in Freiburg.im

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