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Die Geister der Vergangenheit

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«Gespenster sind Figuren, die uns ein Tor zu einer anderen Welt öffnen», sagt Jean-Philippe Bernard im Gespräch mit den FN. Der Schweizer Filmjournalist kuratiert am diesjährigen Freiburger Filmfestival (Fiff) die Parallelsektion Genrekino. Die Sektion widmet sich einer Filmgattung, die zu den ältesten und erfolgreichsten gehört: dem Gespensterfilm. Gruselfilme gehörten zu den ersten Filmen überhaupt. Mit technischen Tricks wie der Doppelbelichtung versuchten bereits die frühesten Filmemacher, die Illusion eines übernatürlichen Wesens auf die Leinwand zu zaubern. Fast ein Drittel der Geisterfilme, die während dieser Woche am Fiff laufen, sind denn auch Klassiker aus früheren Epochen der Filmgeschichte. «Wir wollen, dass die Zuschauer die archetypischen Filme des Genres entdecken können», so Bernard. Zu diesen Evergreens des Gruselkinos gehören etwa der Spukhaus-Film «The Haunting» von Robert Wise, der albtraumhaft-poetische Gespensterfilm «The Innocents», für den der amerikanische Autor Truman Capote das Drehbuch schrieb, oder die Geisterkomödie «The Ghost and Mrs. Muir» von Joseph Mankiewicz. «Diese Filmklassiker bilden das ästhetische Fundament für das Genre», sagt Bernard.

Gespenster als Metapher

Was die zeitgenössischen Filme der Sektion mit dem Geistermotiv anstellen, könnte oft nicht weiter von den Klassikern des Genres entfernt sein. «In den alten Filmen tun die Geister genau das, was wir von ihnen erwarten: Sie poltern gegen Türen, schweben in weis­sen Laken gehüllt durch die Luft und sorgen für wohltemperierte Schockmomente», sagt Jean-Philippe Bernard. Die neueren Geisterfilme hätten diese Klischees aber längst überwunden: «Heute dient der Geist oft eher als Metapher, zum Beispiel für Ängste, für das Unterbewusste oder für die verdrängten Schrecken der Geschichte», so Bernard.

Wahn und Wirklichkeit

Unter den aktuellen Geisterfilmen ragt der iranische Film «Under the Shadow» besonders hervor. Der Horrorstreifen hat am letzten Filmfestival in Neuenburg den Preis für den besten Film gewonnen und begeisterte weltweit sowohl die Kritiker als auch das Kinopub­likum. Regisseur Babak Anvari schafft mit seinem Erstlingswerk den Spagat zwischen kommerzieller Gruselorgie und anspruchsvollem Autorenkino. Er siedelt die Handlung des Films im ­Teheran der späten 1980er-Jahre an: Während der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak tobt, versucht die junge Hausfrau Shideh das Leben ihrer Tochter trotz Bombeneinschlägen und Kriegswirren so normal wie möglich zu gestalten. Als plötzlich ein mysteriöser Dämon die beiden zu terrorisieren beginnt, verschwimmen die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

An der Oberfläche ist «Under the Shadow» ein grandios inszenierter und durch und durch unterhaltsamer Horrorfilm. Anvaris Umgang mit Schockeffekten, hitchcockscher Suspense und mysteriöser Atmosphäre ist virtuos. Unter der Oberfläche – under the shadow – ist der Film politisch und feministisch: Er prangert die repressive Politik des postrevolutionären Iran genauso an wie die Stellung der Frau im islamischen Gottesstaat: Shideh ist eigentlich ausgebildete Ärztin. Wegen ihrer politischen Gesinnung wird ihr unter der Herrschaft von Ajatollah Khomeini die Arbeitserlaubnis entzogen. In die Rolle der Hausfrau zurückgedrängt, darf sie nicht einmal mehr ohne Kopftuch aus dem Haus. In der dämonischen Gestalt, die im Film äusserst spärlich gezeigt wird, manifestieren sich die ständige Angst vor der Gewalt des Krieges und die politische Unterdrückung von Andersdenkenden und Frauen. «So funktioniert modernes Geisterkino», bilanziert Jean-Philippe Bernard. «Es ist auch immer eine Auseinandersetzung mit den Geistern der Vergangenheit.»

«Under the Shadow»: Sa., 8.4., 18.45 Uhr, Arena 5. Programm der Sektion unter: www.fiff.ch

Tipp

Schweizer Jazz-Pianist begleitet einen indischen Gespensterfilm

In der Parallelsektion Genrekino zeigt das Fiff in diesem Jahr 23 Filme zum Thema «Gespenstergeschichten». Für einen Höhepunkt sorgt die schweizerisch-indische Koproduktion «Bumbai Bird» des Regisseurs Kamal Musale. Mit dem Film werden auch Zuschauer glücklich, bei denen sich sonst schon beim Gedanken an Gruselfilme die Nackenhaare sträuben. Im Episodenfilm schwebt der Geist eines kleinen Jungen über die Stadt Mumbai und fängt das Leben ihrer Bewohner ein. Dadurch entsteht ein schillerndes Porträt der indischen Metropole. Für die musikalische Untermalung des Films sorgte der Schweizer Jazz-Pianist Malcolm Braff, der am Fiff eine Vorstellung des Films live mit seiner Musik begleiten wird.

lr

«Bumbai Bird»: Do., 6.4., 21 Uhr, Rex 1 (mit Live-Musik von Malcom Braff) und Sa., 8.4., 20 Uhr, Arena 1.

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