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«Die Gier nach Geld macht sinnleer»

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«Die Gier nach Geld macht sinnleer»

Autor: Irmgard Lehmann

Jahresende – die Zeit, um Bilanz zu ziehen, die Zeit, um einen Blick zurück zu werfen, Vorsätze zu fassen, Wünsche anzubringen. Und obwohl alles Denkbare schon unendlich oft gedacht worden ist, stellen sich immer wieder die gleichen Fragen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die Frage nach der Verantwortung, nach dem Glück. Die FN haben diese dem Psychologen und Psychotherapeuten Franz-Friedrich Fischer gestellt.

Herr Fischer, im vergangenen Jahr hat vorab die Finanzkrise die Welt bewegt. Wie denkt ein Psychologe darüber?

In der Finanzkrise sehe ich eine eigentliche Sinn- und Orientierungskrise. Alles dreht sich nur noch ums Geld. Viele Menschen litten an einer «Sehstörung» und berauschten sich jahrelang, geradezu süchtig, an den Aktienhöhenflügen, konzentrierten sich nur noch auf die «Aktienlitaneien», die ohne Unterbruch um den Erdball kreisen.

Die Gier nach Geld und Aktiengewinn macht die Menschen sinnleer. Das Geld wird zur Droge, zum «Stoff».

Die Krise kann aber auch eine Chance sein, um unseren Lebensstil zu verändern.

Und was hat die Menschen bewegt, die zu Ihnen in die Therapie gekommen sind?

Es sind Menschen, die in einer Sinnkrise stecken oder unter einem Burnout leiden, Menschen mit Zukunftsängsten. Meistens sind es engagierte, ehrgeizige und sehr pflichtbewusste Menschen wie Lehrpersonen und Manager.

Seit meiner vergangenen schweren Krankheit suchen mich aber eher Menschen auf, die sich eine spirituelle Begleitung wünschen.

Ist die spirituelle Begleitung tatsächlich ein Bedürfnis?

Ja. Denn immer mehr Menschen kehren den Kirchen den Rücken, obwohl sie zutiefst religiös sind. Die Fage nach dem Sinn des Daseins bleibt aber. Daher suchen sie das spirituelle Gespräch und einen Ort – wie etwa Bildungshäuser -, wo sie spirituelle Erfahrungen machen können.

Ich bin immer wieder überrascht, dass neben kirchentreuen Leuten auch Konfessionslose, Agnostiker und Atheisten sich für spirituelle Gespräche und Meditationen interessieren.

Ich erinnere mich an einen Mann, der zu mir in die Praxis kam und klar und deutlich sagte, dass er von Religion nichts wissen wolle. Nach zwei Sitzungen aber waren wir in einem tiefgründigen, religiösen Gespräch.

Die Menschen suchen letztendlich einen Mitmenschen, mit dem sie ihre innere Welt entdecken können.

Und warum funktioniert das mit der Kirche nicht mehr?

Das Spirituelle ist etwas Religiöses und doch an keine Religion gebunden. Kirchliche Einrichtungen laufen jedoch immer wieder Gefahr, den Menschen dogmatisch und «lehramtlich» zu unterweisen, statt die spirituellen Bedürfnisse der Menschen wahrzunehmen und ihnen zu helfen, sich religiös zu «entfalten».

Was verstehen Sie denn unter Spiritualität?

Ach, Spiritualität ist schwierig zu definieren. Für mich sind die spirituellen Erlebnisse ein ganz tiefes und sehr nahes Geschehen. Eine verborgene Welt, die sich mir offenbart.

Sie wurden vor acht Jahren wie aus heiterem Himmel von einer akuten Leukämie befallen. Ihr Leben hing an einem Faden. Inwiefern hat diese Erfahrung ihr Leben geprägt?

Wenn man innerhalb weniger Stunden aus dem prallen Leben gerissen und mit dem Tod konfrontiert wird, ist dies eine einschneidende Erfahrung, die das weitere Leben prägt.

Die 27 Wochen Spitalaufenthalt waren für mich eine «Hölle», eine einzige körperliche Tortur. Ich war seelisch und geistig total erschüttert und habe zeitweise stark unter Depressionen gelitten.

Heute aber bin ich irgendwie dankbar, dass ich durch diese «Hölle» gegangen bin. Bei all dem Schrecklichen brachte sie mir viele wunderbare, tiefgreifende spirituelle Erfahrungen und die Chance, mich weiter zu entwickeln.

Was meinen Sie konkret damit?

Da ich einige Jahre kaum einer Arbeit nachgehen konnte, fand ich viele Freiräume für meine Familie, für Mitmenschen und Freunde.

Auch musste ich mich auf die neue Lebenssituation einstellen und mich von einem Zustand, der nicht mehr galt, lösen. Ich musste akzeptieren, dass berufliche Karriere und politischer Erfolg definitiv vorbei sind und eine radikal andere Lebensphase folgt.

Es galt neue Wege, meinen Weg zu finden. Das war oft sehr schwierig. Die Zeit war einerseits von Angst, Verunsicherung und Zweifeln, andererseits aber auch von dankbarer Genugtuung, Freude und Zuversicht geprägt.

Sie mussten umdenken.

Die Veränderung zwang mich, über den Sinn meines Lebens nachzudenken. Ich hatte meine Gefühlsturbulenzen auszuhalten. Ich fühlte mich oft wie in einem ruderlosen Boot. Meine alte Welt existierte nur noch teilweise.

Was ist das Wesentliche?

Die Antwort muss sich jeder Mensch selber geben. Für mich zählt beispielsweise der Humor. Da dieser aber nicht einfach so vorhanden ist, rate ich, eine «Humorbibliothek» anzulegen, um so ständig Humorimpulse zum Lachen und Schmunzeln zur Verfügung zu haben.

Wesentlich ist für mich auch die Toleranz gegenüber Mitmenschen und anderen Lebensformen. Wir sind verantwortlich für einander. Und diesbezüglich orte ich ein grosses Manko in der Ausbildung von jungen Menschen.

Sie fordern mehr Persönlichkeitsbildung?

Richtig. Vor allem an den Gymnasien wird der Persönlichkeitsbildung zu wenig Beachtung geschenkt. Es werden zwar Riesenmengen Wissen, das schnell wieder vergessen wird, in die jungen Menschen eingetrichtert. Für die Bewältigung der grossen Probleme brauchen wir jedoch Persönlichkeiten und nicht Intelligenzroboter. Wir sind vermehrt hochtechnisierte Kopfunternehmen, aber emotionale Analphabeten.

Und was verstehen Sie unter Persönlichkeitsbildung?

Einen jungen Menschen zur Persönlichkeit heranbilden heisst für mich, das gesamte Spektrum der menschlichen Fähigkeiten zu entfalten und zu fördern. Es geht um mehr als um das Erreichen der Lernziele. Es geht um die ganze Person, um die körperlich- seelisch-geistige Entwicklung.

Doch junge Menschen in ihrer Entwicklung zu fördern ist ein mühevoller und lang andauernder Weg. Er verlangt von den Eltern, Lehrern und Vorgesetzten ein gewaltiges Engagement und viel Begleitung.

Der Mensch ist seines Glückes Schmied heisst es doch – man ist also selber verantwortlich?

Eine glückliche Lebensgeschichte können wir nicht dem blossen Zufall überlassen. Damit meine ich, dass jeder Mensch sein Glück selber suchen muss.

Klar können wir nicht alles Negative aus dem Leben ausklammern. Wer aber mit Negativem, mit Unglück und mit Schicksalsschlägen umgehen kann, ist doch ein glücklicher Mensch. Diese Erfahrung habe ich mit der Krankheit gemacht.

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