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Die «grosse Kuh» produziert Strom

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: karin Aebischer

Viereinhalb Jahre nachdem die Landwirte Markus Jungo, Hubert Grossrieder, Oskar Schneuwly und Oswald Baeriswyl die ersten Pläne für ihre Biogasanlage unterhalb der Arbeitszone Birch in Düdingen schmiedeten, hat diese ihren Betrieb aufgenommen. Im März sind die ersten Kilowattstunden Strom ins Netz der Groupe E eingespiesen worden. «Seit zwei Wochen haben wir die ärgsten Kinderkrankheiten im Griff», sagt Markus Jungo. Eine Biogasanlage funktioniert nicht auf Knopfdruck. Im März haben die Landwirte mit dem Einfüllen der Gülle begonnen. Die Anlage musste bis auf 40 Grad Celsius geheizt werden. Dann wurde sie angeimpft, wie es im Fachjargon heisst: Gärsubstrate aus anderen Biogasanlagen – unter anderem aus Uttewil – wurden beigefügt. Dann begann das «Füttern» mit den Feststoffen wie Kaffeesatz (siehe Kasten), Hühnermist, Grassilage, Kuh- und Pferdemist.

Ein 24-Stunden-Job

Es sei Ende April geworden, bis die 7,5-Millionen-Franken-Anlage richtig funktioniert habe. Und auch jetzt braucht sie volle Aufmerksamkeit. «Eine Biogas-Anlage ist wie eine grosse Kuh. Sie funktioniert nur so gut, wie man zu ihr schaut», sagt Oskar Schneuwly. Einer der Landwirte trägt deshalb 24 Stunden am Tag einen Piepser auf sich. «Im Notfall muss immer jemand bereit sein, sonst kann die Anlage nicht optimal betrieben werden», sagt Markus Jungo, der seit der Inbetriebnahme auf Abruf bereit ist.

Auf 85 Prozent der Leistung ist die Anlage bisher gelaufen. «Das erste Jahr ist immer ein Versuchsjahr für alle Beteiligten», sagt Projektleiter Aric Gliesche von der Groupe-E-Tochter Greenwatt. Ihr gehört die Mehrheit der Betreibergesellschaft «Bio-Energie Düdingen AG». Den Projektinitianten und den 30 Güllelieferanten aus der Region gehören die weiteren Anteile. Läuft die Anlage auf Hochtouren, wird sie jährlich 2,2 Gigawattstunden Strom produzieren – dies entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von 500 Haushalten.

Oft im Dorf angesprochen

Am Samstag wird der Energiepark der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit dem Tag der offenen Tür wollen die Landwirte den Leuten auch Ängste und Sorgen bezüglich Lärm- und Geruchsemissionen nehmen. Denn er werde im Dorf oft angesprochen, sagt Markus Jungo. «Jedes Mal, wenn es im Dorf nach Gülle riecht, geht man davon aus, dass der Geruch von unserer Anlage kommt. Dies ist aber bisher noch nie der Fall gewesen.» Ihm ist es deshalb wichtig aufzuzeigen, dass sie mit einem geschlossenen Kreislauf arbeiten. Einsprecher aus der Umgebung hatten diesbezüglich Bedenken. «Sie haben von uns Geruchsbögen erhalten, die sie uns abgeben können», sagt Gliesche. Bisher seien keine Beschwerden eingegangen.

Damit die Gülle nicht nur über Luggiwil oder die Bonnstrasse transportiert wird, hat die Gemeinde eine provisorische Zufahrt von der Birchstrasse zum Energiepark bewilligt. «Weil es ja noch einige Jahre dauern könnte, bis die Verbindungsstrasse Birch-Luggiwil gebaut wird», so Markus Jungo.

Zum Energiepark gehört auch die Pelletieranlage der BestPellet Wärme AG, die zwei Tonnen Pellets pro Stunde produziert – dies seit November 2011. Waldholzpellets werden ohne jegliche Presshilfsmittel aus lokalem Waldholz und Reststoffen der regionalen Forstindustrie hergestellt. Für die Trocknung des Holzes wird sämtliche Abwärme der Biogasanlage sowie die Abwärme des nach Süden ausgerichteten, 800 Quadratmeter grossen Solardaches genutzt. Dieses hat der Energiepark der Greenwatt vermietet. «Wir brauchen keine fossilen Brennstoffe», sagt Oswald Baeriswyl. Mit der aus der Pelletproduktion gewonnenen Heizenergie wird der Heizbedarf von über 500 Haushalten gedeckt, was einer Einsparung von 2,5 Millionen Liter Heizöl pro Jahr entspricht.

Vertrauen ist wichtig

Die vier Landwirte haben eine klare Arbeitsteilung und betonen, wie wichtig es sei, sich aufeinander verlassen zu können. «Dass wir es geschafft haben, ohne grössere Spannungen durch diese Zeit zu kommen, ist nicht selbstverständlich», sagt Hubert Grossrieder. Dies sei wohl auch für die Zukunft das Wichtigste. Reich werden die Landwirte durch den Betrieb der Biogasanlage nicht. Dank der kostendeckenden Einspeisevergütung gibt es zwar kein Marktrisiko beim Verkauf des Stromes, «aber wir haben auch kaum eine Chance, grosse Gewinne zu machen», sagt Aric Gliesche.

Luggiwil 20, Düdingen. Sa., 9. Juni, 9 bis 17 Uhr. Verpflegung und Führungen. Einziger Zugang via Sportplatz Birchhölzli.

Die Biogasanlage (r.) produziert jährlich Strom für 500 Haushalte. Sämtliche Abwärme der Anlage sowie jene des 800 Quadratmeter grossen Solardaches der Pellethalle (l.) wird zur Trocknung des Holzes verwendet, aus dem Pellets produziert werden.Bild Aldo Ellena

Ko-Substrate:Heiss begehrter Kaffeesatz

Die Zugabe von sogenannten Ko-Substraten ist für eine Biogasanlage essenziell. Sie erzeugen bei der Vergärung deutlich mehr Biogas, als dies bei Gülle und Mist der Fall ist. Doch für die Betreiber der Anlagen wird es immer schwieriger, zu Ko-Substraten wie Kaffeesatz zu kommen (FN vom 12. November 2011). «Es gibt immer mehr Anlagen, die Menge an Ko-Substraten ist jedoch beschränkt», sagt Landwirt Markus Jungo. Er ist sich sicher, dass sich die Lage zuspitzt, sobald weitere Anlagen ihren Betrieb aufnehmen. Gemäss Mitteilung der Greenwatt sind die Bauarbeiten der Anlagen in Bellechasse, Ferpicloz, Noréaz-Seedorf und Cernier (NE) bald abgeschlossen. ak

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