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«Die Leute können zu wenig mitreden»

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Für Christa Mutter, Staatsratskandidatin der Grünen, ist ökologisch leben ein Qualitätsgewinn

Autor: Mit CHRISTA MUTTER sprach IRMGARD LEHMANN

Warum kandidieren Sie, wo doch die Chancen der Grünen quasi null sind?

Wir wollen mit unseren Ideen im Wahlkampf präsent sein. Und unsere Chancen wachsen.

In der Stadt haben die Grünen bei den letzten Wahlen tüchtig vorwärtsgemacht. Im Generalrat ist der Anteil 11 Prozent – doch auf dem Land haperts noch.

Hier war bisher der wunde Punkt, und darum machen wir mit. Wie in andern Kantonen, sind die Grünen im Aufwind: Es ist doch sensationell, dass 54 Prozent der Schweizer finden, es brauche einen oder eine Grüne im Bundesrat.

Was würden Sie als Staatsrätin als Erstes an die Hand nehmen?

Ich würde mehr Demokratie einführen. Grundsätzlich haben die Leute im Kanton Freiburg zu wenig zu sagen.Das fehlende Mitspracherecht der Bevölkerung in der Raumplanung und das fehlende Motionsrecht in Generalrat und Gemeindeversammlung sind ein grosses Problem. Nur in Freiburg entscheidet der Gemeinderat allein über Quartierplanungen. Aber der Grosse Rat lehnte das Motionsrecht auf Gemeindeebene ab.

Und warum ist das in Freiburg so?

Freiburg hat leider eine grosse antidemokratische Tradition. Es war beispielsweise der einzige Kanton, in dem das Volk über die Bundesverfassung von 1848 nicht abstimmen konnte. Die Geisteshaltung eines kleinen Kreises von Herrschenden ist irgendwie noch spürbar.

Aus Erfahrung weiss man aber, dass zu viel Demokratie lähmend wirkt.

Nein. Ich finde, dass blosse Vernehmlassungen und Einspracheverfahren ineffizient sind, weil die Sache dann meistens schon «gefahren» ist und Fehlplanungen so zementiert werden. Der Einbezug der Bevölkerung von Anfang an entschärft Konflikte und verbessert Projekte. Ein gutes Beispiel ist das bernische Mitwirkungsverfahren. Beim Bahnhofplatz Bern arbeiten Vertreterinnen der Bevölkerung sogar in der Bauherrschaft mit.

Gibt es anderes, das Sie ärgert?

Ja, die Scheinheiligkeit in öffentlichen Diskussionen. Oft setzt man hier auf eine falsche Harmonie. Die wahren Interessenkonflikte werden nicht ausgetragen. In der Politik gibt es sehr viele Leute, die aus Eigeninteresse handeln.

Ein konkretes Beispiel?

Ich denke dabei etwa an die Überbauung hinter der Christkönigkirche von Freiburg. Die zu enge Bauweise der Mehrfamilienhäuser schränkt die Wohnqualität stark ein. Eine Käfighaltung à la 70er-Jahre dürfte nicht mehr sein.Zugunsten des Promotors Damien Piller hat die Stadt eine solche Ausnützungsziffer zugelassen.Als Augenwischerei betrachte ich aber auch die Überbauung im St. Leonhard. Man gibt vor, für den Sport zu bauen (Stadion), in Wirklichkeit entsteht vor allem ein Einkaufszentrum – das die Fachgeschäfte im Stadtzentrum noch mehr konkurrenziert.

Einkaufszentren wäre das andere Thema.

«Aldisierung» der Landschaft nenne ich solches. Sie wird Freiburg zugrunde richten. Denn die Ansiedlung von Aldi, Lidl und Depots der Autobahn entlang verschluckt viel kostbares Land und bringt nur unqualifizierte Arbeitsplätze. Es sind Betriebe, die schnell wieder verschwinden, wenn die Steuervorteile wegfallen.Die Entscheidung für die Ansiedlung solcher Zentren liegt beim Kanton. Der Bund empfiehlt, im Richtplan solche Ansiedlungen besser zu steuern und auch mal abzulehnen.

Sie setzen sich für die Natur, Umwelt und soziale Anliegen ein. Was tun Sie persönlich hiefür?

Wir leben autofrei in einem familienfreundlichen Stadtquartier. Ich leite auch einen Bioladen und kaufe «bio» ein. Doch stur bin ich nicht. Meine Tochter bekommt auch mal ihre Fertigpizza.Die Ferien verbringen wir meistens in den Walliser Bergen oder verreisen möglichst per Bahn. Was ich politisch vertrete, lebe ich auch – und verzichte dabei auf nichts. Ich bin überzeugt, dass ökologisch leben ein Qualitätsgewinn ist.

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