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«Die Liebe zum Wald reicht nicht mehr»

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Die letzten zwei Jahre waren durch Trockenheit geprägt. Die Funktionen des Waldes, wie die Naherholung, der Schutz, die Holzgewinnung und die Biodiversität, gerieten ins Wanken. In Zukunft nehme daher die Bedeutung des Forstpersonals zu, ist Peter Piller, Co-Präsident des Verbands für Schweizer Forstpersonal, überzeugt. Doch wegen teilweise unzureichenden Arbeitsbedingungen wandern viele ausgebildeten Fachkräfte in andere Branchen ab. Deshalb setzt sich Peter Piller für einen schweizweiten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ein.

 

Herr Piller, weshalb ist ein Gesamtarbeitsvertrag für die Schweizer Forstbranche wichtig?

Unsere Leute arbeiten aus Liebe zum Wald. Doch es gibt verschiedene Unternehmen, in denen keine Arbeitsverträge vorhanden sind, keine Stundenerfassung, nichts. Da reicht die Liebe nicht mehr. Das Personal wandert in andere Branchen ab. Freiburg hat einen kantonalen GAV und ist damit ein Vorzeigekanton.

Gibt es dennoch Junge, die die Lehre zum Forstwart oder das Studium zum Förster machen?

Ja, wir sind wirklich verwöhnt mit Nachwuchs. Aber es gibt nicht genügend Lehrstellen. Früher hatte noch jede Gemeinde einen eigenen Forstbetrieb. Dann begann man, diese zusammenzuführen. Das war auch berechtigt. Aber dadurch gingen schweizweit viele Lehrplätze verloren. Viele Waldbesitzer lassen ihren Wald von Unternehmen bewirtschaften, die sich beispielsweise auf die Holzhauerei spezialisiert haben. Die Forstwartausbildung ist aber sehr vielseitig. Für Forstunternehmen ist es schwierig, eine solche Vielfalt zu bieten. Es gibt aber einige positive Beispiele.

Warum werden Betriebe zusammengeführt?

Oft aus finanziellen Gründen: Es hat sich für die Waldbesitzer nicht mehr rentiert. Vor 40  Jahren hatte man Holzerlöse von 160 Franken und Rüstkosten von 30 Franken pro Kubikmeter. Das sind jene Kosten, die bis zur Ablieferung am Waldrand entstehen. Heute ist der Holzerlös etwa halb so hoch, und die Rüstkosten sind gewachsen. Die Betriebe wurden zusammengeführt, um grössere ­Einheiten zu schaffen und damit die Ressourcen besser zu nutzen.

Was heisst das konkret bei der Arbeit?

Heute ist man immer Vollgas am Holzen. Das Holz muss raus, sonst haben die Betriebe keine Einnahmen. Holzschläge, die früher in zwei Monaten ausgeführt wurden, macht man heute in einer Woche. Natürlich sind sie auch effizienter mit der Mechanisierung. Wir wehren uns nicht dagegen, denn die besseren Maschinen bringen uns auch viel für die Arbeitssicherheit. Die Kehr­seite ist, dass die teuren Maschinen möglichst viel und ef­fizient laufen müssen. Das erzeugt mehr Druck auf das Forstpersonal.

Kommt es dadurch zu mehr Unfällen?

Nein, das kann man nicht sagen. Die Unfälle haben in den letzten Jahren eher abgenommen. Arbeitssicherheit wird bei uns sehr gross geschrieben. Dadurch, dass man heute mit mehr und grösseren Maschinen arbeitet, hat man auch weniger Personal und entsprechend weniger Unfälle.

Wie viele Jahre denken Sie als Förster im Voraus?

Mindestens 80 Jahre. Was meine Leute jetzt pflanzen, wird der Nachfolger meines Nachfolgers ernten oder vielleicht noch jemand später. Heute hört man viel Kritik an den früher gepflanzten Monokulturen. Die Fichte ist aber nach wie vor die wichtigste Holzlieferantin in unseren Wäldern. Damals konnte sich niemand vorstellen, wie sich die Temperatur entwickelt. Unseren Vorgängern kann man daher keinen Vorwurf machen. Wir reagieren auch nicht erst seit kurzem auf die stärkere Trockenheit: Schon nach 1999 hat man sich auf verschiedene Baumarten und einen artenreichen Wald fixiert. Heute trägt das bereits Früchte. Studien zu robusteren Arten werden gemacht. Bis wir Resultate haben, dauert es aber 15 Jahre.

Was sind mögliche robustere Arten?

Wir wissen noch nicht, welche Arten die Trockenheit am besten vertragen. Die Eiche und Linde sind sicherlich resistenter. Auch die Douglasie passt gut zu unseren Böden. Am meisten Probleme haben wir mit der Rottanne, da sie ein Flachwurzler ist. Die Weisstanne hat Wurzeln, die tiefer in den Boden reichen, und so kommt sie besser zu Wasser. Im Voralpengebiet spüren wir die Trockenheit weniger stark als im Mittelland. Bei uns in den Voralpen hat die Weisstanne sicherlich Zukunft.

Wegen der Trockenheit wurde diesen Sommer in Basel der Hardwald gesperrt. Ist das auch in Freiburg möglich?

Mischwälder sind generell weniger stark betroffen. Der Hardwald ist speziell, da er ein grosser Wald ist, der vor allem aus Buchen besteht und auf einem sehr kiesigen und wasserdurchlässigen Boden steht. Buchen haben die Trockenheit besonders stark gespürt. Zudem ist er ein häufig begangener Wald, und man musste ihn daher aus Sicherheit vor herunterfallenden Ästen sperren. Ich war selbst dort, und es hat mich sehr gerührt, die mächtigen Buchen so vertrocknet zu sehen.

Wird die Arbeit der Förster und Forstwarte durch den Klimawandel wichtiger?

Ja. Meiner Meinung nach brauchen wir in Zukunft mehr Forstpersonal, damit wir dem Wald unter die Arme greifen und ihm bei der Umwandlung helfen können. Er wird mehr Pflanzungen und Pflege brauchen, und wir werden ihn auch mehr nutzen müssen, damit dies schneller vorwärtsgeht. Ich glaube nicht an ein Waldsterben. Aber der Wald wird unsere Ansprüche nicht mehr erfüllen können, wenn wir ihn nicht unterstützen.

Ist das nicht gegen die Natur?

Wir arbeiten immer mit der Natur. Es kommt nie gut, wenn man versucht, im Wald etwas gegen die Natur zu machen. Sie ist immer stärker als wir. Wir schauen einfach, dass es vielleicht etwas schneller geht und auf unsere Ansprüche abgestimmt ist. Die Waldpflege hilft auch dem grünen Gedanken. Ein Urwald hat langfristig gesehen eine kleinere Biodiversität als ein bewirtschafteter Wald. Wir sorgen für die Biodiversität, den Schutzwald, die Holzproduktion und geben uns Mühe, dass sich die Leute im Wald auch erholen können. Aber es stimmt, der Wald braucht uns überhaupt nicht. Wir brauchen den Wald.

Kann man alle Ansprüche – Schutz, Naherholung, Wirtschaft und Biodiversität – unter einen Hut bringen?

Das ist sehr schwierig. Indem wir den Wald nachhaltig nutzen, tun wir viel Gutes für die Erfüllung der Funktionen. Als Förster entscheide ich zusammen mit dem Waldbesitzer, welcher Baum gefällt wird. Was bewirkt es, wenn wir ihn fällen? Ich weiss, es gibt mehr Licht auf den Boden. Mit dem Licht kommen junge Bäume, und die Naturverjüngung ist gefördert. Der Baum kommt auf den Markt, und mit ihm kann ein Haus gebaut oder geheizt werden. Bei einem grossen Baum wachsen rund 100 kleine nach. Diese nehmen Wasser auf, und bei Hochwasser halten sie es zurück. Also haben wir etwas für den Schutz gemacht. Wir fördern die Biodiversität, indem wir seltenen Baumarten Platz machen und Äste liegen lassen. Indem wir alte und kranke Bäume entfernen, vermindern wir das Sicherheitsrisiko für die Waldbesucher.

Was sind Zukunftsszenarien für den Wald?

Wenn wir dem Wald nicht helfen, wird es mehr Wälder geben, die wir sperren müssen. Wir werden mehr Verbauungen machen müssen gegen Naturkatastrophen. Wir werden mehr Holz importieren, was sich wiederum in der CO2-Bilanz niederschlägt. Damit wir alle Funktionen des Waldes erhalten können, braucht es mehr Ressourcen. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Fachpersonal im Wald behalten können.

Damit kommen wir auf die Arbeitsbedingungen zurück.

Ja, wir müssen konkurrenzfähig gegenüber anderen Branchen sein. Es ist der schönste Beruf auf der Welt, aber er ist kein Zuckerschlecken. Er ist anstrengend und gefährlich. Dementsprechend müssen wir die Leute auch entlöhnen und gute Arbeitsbedingungen schaffen. Es ist heute beispielsweise selten, dass das Personal fünf Wochen Ferien hat. Für all dies brauchen wir einen schweizweiten Gesamtarbeitsvertrag.

Mythos um Käferholz

Die Schweiz importiert Holz, während Schweizer Holz verfault

Es klingt paradox, was Peter Piller, Revierförster und Betriebsleiter des Forstkommunalbetriebs Rüschegg, beschreibt: «Die Schweiz importiert zwei Drittel des Holzes, das wir brauchen, und wir haben zu wenig Absatz für unser Schweizer Holz.» Grund dafür ist der Borkenkäfer. Er machte den Wäldern speziell in den zwei letzten heissen Sommern das Leben sprichwörtlich schwer. «Der Borkenkäfer frisst den Bast zwischen dem Holz und der Rinde. Der Baum trocknet innerhalb von 14  Tagen aus», erklärt Piller. Grundsätzlich sei ein gesunder Baum imstande, den Käfer mit Harz abzuwehren. Doch durch die Trockenheit waren die Bäume zu schwach, um genügend Harz zu produzieren. Die Qualität des Holzes nehme durch den Käferbefall nicht ab, die Festigkeit und Dauerhaftigkeit sei genau gleich gut. «Das Holz müssen wir zum Teil im Wald entrindet liegen lassen, da es blau gefärbt ist und wir keine Abnehmer finden.»

Aber weshalb kaufen Schweizer zu wenig Schweizer Holz? «Die Leute gehen oft davon aus, sie hätten Schweizer Holz gekauft, da wir so viel Wald haben», erklärt Piller den Irrtum. Der Förster beschreibt einen Teufelskreis: Die höheren CO2-Ausstösse fördern den Klimawandel und dadurch steigt die Trockenheit. Dadurch hat der Borkenkäfer freie Bahn. Wird mehr Holz importiert, steigt die CO2-Bilanz weiter. «Wenn irgendjemand dem Wald in dessen misslicher Lage helfen will, dann soll er oder sie beim Hausbau oder beim Holzkauf nach Schweizer Käferholz fragen», rät der Förster.

Zur Person

Revierförster und Co-Präsident

Peter Piller ist in Oberschrot aufgewachsen und noch immer dort wohnhaft. Er machte in Oberschrot die Lehre zum Forstwart. Um seine Französischkenntnisse zu verbessern, zog er als Forstwart für ein Jahr nach Estavayer-le-Lac. Danach arbeitete er wieder in Oberschrot als Forstwart-­Maschinist und Vorarbeiter. Anschliessend absolvierte er die Ausbildung zum Förster HF im Bildungszentrum Wald in Lyss. Seit zwölf Jahren ist er Revierförster und Betriebsleiter des Forstkommunalbetriebs Rüschegg im Kanton Bern. Daneben ist er Co-Präsident des Verbands Schweizer Forstpersonal sowie in vielen weiteren forstlichen Gremien aktiv.

 

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